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Arte Strafsache Luther

Durch die Veröffentlichung seiner berühmten 95 Thesen legt sich Martin Luther (Alexander
Beyer) mit dem Vatikan an. - Foto: MDR / © MDR/makido film

Wie Rom die Reformation verhindern wollte

Dokudrama "Strafsache Luther"

Mit seinem Kampf gegen den Ablasshandel und für eine Volksbibel erschütterte Martin Luther um 1517 die Kirche. Das Dokudrama "Strafsache Luther" zeigt sein mutiges Leben.

Es hätte auch schiefgehen können. Hundert Jahre zuvor hatte sich der Reformator Jan Hus geweigert, seine Lehre zu widerrufen – und wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sein "Verbrechen": Er hatte sich gegen die Habsucht und das Lasterleben des Klerus gewandt, war für Gewissensfreiheit eingetreten und hatte in der Bibel die höchste Autorität in Glaubensfragen gesehen – nicht im Papst. Jetzt, 1517, ist es Martin Luther, der gegen die Dogmen der Kirche aufbegehrt, der sich mit seinen 95 Thesen zum Feind Nummer eins des Papstes macht. Zum Todfeind.

Kampf gegen den Ablasshandel

Er könnte es sich einfach machen, seine Thesen widerrufen und ein ruhiges Leben führen. Doch gerade das kann Luther nicht. Er muss benennen, was er als Unrecht erkennt – und wenn er dabei sein Leben aufs Spiel setzt. "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?", ist die große Frage, die ihn umtreibt. Er kommt zu der Antwort: Die Buße sollte aus Liebe zu Gott getan werden, nicht aus Angst vor Gottes Strafe. Allein durch tiefen, aufrechten Glauben gelangt man in den Himmel: "Das Heil ist umsonst."

Die Kirche dagegen bietet Vergebung gegen Geld. Mit diesem Ablasshandel finanziert der Papst den Bau des Petersdoms, der größten Kirche der Christenheit. Und der Klerus verdient eifrig mit. Luther beginnt, diese Geschäfte empfindlich zu stören, also muss man ihm dringend Einhalt gebieten.

Aussichtslose Lage für Luther

Im Oktober 1518 wird Martin Luther zum Reichstag nach Augsburg beordert. Hier treffen sich die Landesfürsten, um die große Politik zu bestimmen. Dazu gehören der Krieg gegen die Osmanen, die Suche nach einem Nachfolger für den kranken Kaiser Maximilian – und der Fall Luther. Er soll Stellung nehmen zu seinen Schriften. Seine einzige Chance ist, Kardinal Cajetan zu überzeugen, den Bevollmächtigten des Papstes. Gleichzeitig weiß Luther, dass es aussichtslos ist, den kirchentreuen Mann auf seine Seite zu bringen. Vor der Abreise nach Augsburg schreibt er darum einen Abschiedsbrief an seine Gemeinde.

Anders als seinerzeit Jan Hus hat Luther aber einen mächtigen Fürsprecher: Friedrich III., den Kurfürsten von Sachsen. Noch vor Ende der Gespräche flieht Luther aus Augsburg. So kann er unter Friedrichs Schutz seine Thesen weiter publizieren und Zeit gewinnen. Denn der Papst lässt den Fall Luther eineinhalb Jahre ruhen: Er braucht Friedrich als Verbündeten bei der Kaiserwahl gegen die Habsburger.

Doch kaum haben sich die deutschen Fürsten für einen neuen Kaiser entschieden, für Karl V. aus Spanien, nimmt Rom den Prozess wieder auf. Es ergeht der päpstliche Erlass, formuliert in einer Bulle: Wenn Luther nicht binnen 60 Tagen widerruft, wird er exkommuniziert. Positiv formuliert: Er hat noch einmal die Chance, mit einem blauen Auge davonzukommen. Ob Luther das auch nur einen Moment in Erwägung gezogen hat, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass er die Bulle öffentlich verbrennt.

Reichsacht für Luther

Für den Reformator gibt es keinen Weg zurück. 60 Tage später wird ihm die Bannbulle zugestellt. Seit dem 13. Jahrhundert ist es üblich, dass auf die kirchliche Verbannung die weltliche folgt, die Reichsacht. Auch Karl V. folgt der Tradition, spricht sie auf dem Reichstag zu Worms aus, nachdem sich Luther erneut geweigert hat zu widerrufen.

Dieses Wormser Edikt macht Luther zum Vogelfreien. Keiner darf ihn unterstützen – er würde selbst vogelfrei. Doch das Volk und einige Fürsten sind auf Luthers Seite. Wieder ist es Friedrich III. von Sachsen, auch "der Weise" genannt, der ihn rettet. Nach einer bei Luthers Abreise aus Worms vorgetäuschten Entführung lässt er ihn heimlich auf die Wartburg bringen. Unter dem Decknamen "Junker Jörg" verbringt Luther hier zehn Monate, die er gut nutzt, indem er die Bibel ins Deutsche übersetzt und somit erstmals großen Teilen des Volkes zugänglich macht.

Nebenbei legt er ob der guten Verpflegung kräftig zu. Als er im März 1522 nach Wittenberg zurückkehrt, ist der Lauf der Reformation nicht mehr aufzuhalten. So zwingt am Ende doch ein einfacher Mönch die mächtige Kirche in die Knie. Weil er sich nicht beirren ließ. Und großes Glück hatte.

Luthers Kampf als packendes Dokudrama

In einer Mischung aus Spielszenen und Expertenkommentaren schildert die Arte-Produktion "Strafsache Luther" (Sa., 6.6., Arte, 20.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm) die dramatische Zeit zwischen Luthers Reise im Oktober 1518 nach Augsburg, wo er um sein Leben fürchten muss, und seiner "Entführung" aus Worms auf die sichere Wartburg 1521. Zugleich wird die Handlung durch Telefone, TV-Reporter, Werbespots, Computer und Internet in die Gegenwart verlegt.

Autor: Thomas Röbke