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Waxeggkees

Der Waxeggkees in den Zillertaler Alpen in Österreich um 1910. Heute haben sich die
Eiszungen weit zurückgezogen. - Foto: © picture alliance / Imagno

Klimawandel in den Alpen

Doku "Unter unserem Himmel"

Grauer Fels statt weißer Eismassen: Unaufhaltsam schmelzen die Gletscher in den Alpen dahin - mit dramatischen Auswirkungen auf die Landschaft. Wie dramatisch, zeigt die neue Folge "Klimawandel in den Alpen" der Dokureihe "Unter unserem Himmel" (Muttertag 2015 im TV: So., 10.05., BR, 19.00 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm).

Rund 4000 Gletscher gibt es in den Alpen – noch. Wie viele von ihnen dem Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten trotzen können, ist umstritten. Gletscherforscherin Dr. Andrea Fischer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erklärt: "Die Prognosen reichen vom völligen Verschwinden der Alpengletscher um 2050 bis zu einer verbleibenden Gletscherfläche von 30 Prozent im Jahr 2100." Grund für diese Unterschiede sind die vielen Klimaszenarien.

Neues Gletschereis wird weniger

Fest steht jedenfalls: Die meisten Gletscher haben in den letzten 150 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Fläche verloren. "Der Schalfferner im Ötztal etwa ist allein 2013 um 173 Meter kleiner geworden", berichtet Fischer. Die steigenden Temperaturen führen dazu, dass sich im Nährgebiet der Gletscher oberhalb der Schneefallgrenze weniger neues Gletschereis bildet - und das vorhandene obendrein rascher schmilzt.

Neuer Lebensraum für Pflanzen

Das Gletschersterben hat weitreichende Folgen für die Landschaft und stellt Flora und Fauna vor neue Herausforderungen. Die weggetauten Eisflächen hinterlassen einen felsigen Untergrund. "Pflanzen und Tiere nutzen dieses frei gewordene Terrain, um nachzurücken", so die Expertin. "Schon innerhalb weniger Jahre können sich auf einem Schuttuntergrund Grashalme ansiedeln." Den Pflanzen folgen die Tiere, auch die Baumgrenze steigt. Die hohen Gipfel der Alpen werden grüner. Entscheidend ist dabei, ob der Klimawandel langsam genug vorangeht, dass sich Pflanzen und Tiere darauf einstellen können.

Skigebieten droht das Aus

Doch was bedeutet dieser Wandel für die Menschen? Wintersportorte bekommen den Gletscherrückgang besonders zu spüren. In den Bayerischen Alpen werden langfristig nur die Skigebiete bei Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf wirtschaftlich zu halten sein - allen Schneekanonen und allen Abdeckplanen zum Trotz. Das ergab eine Studie, die vom Deutschen Alpenverein in Auftrag gegeben wurde.

Obwohl Gletscher auch riesige Süßwasserquellen sind, hält die Forscherin Andrea Fischer die Trinkwasserversorgung nicht für gefährdet. "Die Alpenregion ist eine niederschlagsreiche Region, wir können unseren Wasserbedarf mit Regen und Schnee decken."

Auch der Permafrostboden schmilzt

Allerdings setzen die tauenden Eismassen auch unberechenbare Kräfte frei. Das Schmelzwasser kann ganze Felsblöcke bewegen, vielerorts drohen Steinschläge und Schlammlawinen. Hinzu kommt Gefahr aus dem Inneren der Berge. Denn nicht nur die Gletscher schmelzen, sondern auch der Permafrostboden. Wie Kitt hält er Hänge zusammen. Taut er auf, könnten sie ins Rutschen geraten - und im schlimmsten Fall Straßen und Häuser unter sich begraben.

Messungen an Bohrlöchern belegen unterdessen zwar den Auftauprozess im Inneren der Berge. Expertin Fischer aber gibt zu Bedenken: "Es ist unklar, ob Felsmassen nur aufgrund von auftauendem Permafrost in Bewegung gesetzt werden oder ob das eher ein Zeichen fortschreitender Erosion ist."

Auch wenn sich der Lebensraum Alpen in den nächsten Jahrzehnten rasant wandelt: Seit Jahrtausenden ist die Region starken Klimaschwankungen ausgesetzt, mehrfach schon sind die Gletscher geschmolzen. Und immer wieder haben die Tiere und Pflanzen auf die Veränderungen reagiert. Forscherin Andrea Fischer ist sich sicher: "Die Natur ist flexibler, als wir denken."

Autor: Manuel Opitz