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Die Indiander verfügen seit Jahrhunderten über fundiertes Heilwissen.

Foto © ARTE F / © Webb Chappell/WGBH

Das wussten die Medizinmänner

Die Weisheit der Indianer

Ob in Medizin und Heilung, in Ernährung und Naturverbundenheit: Die traditionellen Werte der Indianer sind aktueller denn je.

Wenn Nephi Craig, Mitglied der White-Mountain-Apachen, sich zum Essen mit Stammesfreunden trifft, erinnert er sich stets an seine Großmutter, "eine gütige, liebevolle Frau", wie er sagt. Eines Tages aber sah er, wie sie vor einer großen Zeremonie hinausging, um ein Schaf nach traditioneller Art zu schlachten. "Bevor sie ihm den Hals durchtrennte, betete sie, dankte für sein Leben und die Nahrung, die es der Familie geben würde. Dann häutete und vierteilte sie es mit großer Präzision und Achtung."

Dieser rituelle Umgang mit Tieren, auf den ersten (westlichen) Blick grausam, zeigt viel vom Verhältnis der Indianer zu anderen Lebewesen. Nahrung ist ein Geschenk der Schöpfung, das man nicht gedankenlos annimmt. "Man zollt den Tieren Respekt. Grundsätzlich gibt es keine einseitigen Beziehungen zwischen den Kreaturen, vielmehr herrscht die Vorstellung von gegenseitigem Ausgleich", sagt Christine Chávez, Kuratorin der Ausstellung "Indianer Nordamerikas. Eine Spurensuche" im Hamburger Völkerkundemuseum. Diese Art der Wertschätzung erlebt in vielen ökologischen Bewegungen gerade ein fulminantes Comeback.

Ganzheitliche Weltsicht

So unterschiedlich die Indianervölker in Herkunft und Prägung sind - sie alle eint ihre ganzheitliche Weltsicht, die sich durch sämtliche Lebensbereiche zieht. Sie findet sich wieder in Mythen, Geschichten und Zeremonien, die von einem fantastischen kulturellen Reichtum zeugen. Eine allumfassende Philosophie prägte ihre Religionen und Zivilisationen. Die spirituellen Vorstellungen basieren auf einem engen Verhältnis zur Natur. Wetter, Pflanzen und Tiere, Erde und Himmel, aber auch die Sterne und die Berechnung des Jahreslaufs stehen in einer steten, fließenden Beziehung zueinander.

Viele Indianer-Erzählungen beginnen mit der Zeile "Vor langer Zeit an diesem Ort " - und das ist keine Phrase. Schöpfungsmythen und die kollektive Erinnerung an einen häufig aus dem Tierreich stammenden gemeinsamen Vorfahren sowie der Glaube an eine allumfassende schöpferische Kraft verbinden viele Religionen. Diese Schöpferkraft ist keine gottähnliche Person, sondern wird als Lebensenergie verehrt. Sie verbindet sich mit der Sonne, um der Erde Fruchtbarkeit und Stärke zu geben. Oder ist Weisheit und Stärke, die mit Bären, Wölfen, Raben oder Schlangen eine Verbindung eingeht.

Autor: Sabine Goertz-Ulrich