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Burg Eltz erinnert an ein verwunschenes Märchenschloss.

Foto © www.piqs.de / Fotograf: zwerKH, CC (Some rights are reserved.)

Plus Test: Was Ihr Lieblingsmärchen über Sie verrät

Die Wahrheit über die Gebrüder Grimm

Es war einmal … So beginnen viele Märchen. Auch ihr Leben klingt märchenhaft. Es waren einmal zwei unzertrennliche Brüder: Jacob (1785 bis 1863) und Wilhelm (1786 bis 1859) Grimm. Gemeinsam zeichneten sie 210 Märchen auf – vom "Froschkönig" (Nr. 1) bis zur "Haselrute" (Nr. 210). Nur die wenigsten wissen, dass die berühmten Brüder auch Sprachwissenschaftler waren – und die eigentlichen Begründer der Germanistik. Sie sammelten Wörter, arbeiteten am "Deutschen Wörterbuch", und ihre fantastischen Geschichten bergen jede Menge Geheimnisse.

Geheimnis 1: Wie entstanden Grimms Märchen?

"Die Brüder sammelten mündliche Überlieferungen und veröffentlichten sie, weil sie davon ausgingen, dass die Erzählungen das Wesen des deutschen Volkes ausdrückten", erklärt Diplom-Psychologe und Ratgeberautor Dr. Manuel Tusch ("Ohne Chef ist auch keine Lösung").

Geheimnis 2: Was unterscheidet die Märchen der Brüder Grimm von anderen – etwa von jenen, die Wilhelm Hauff schrieb (z.B."Zwerg Nase")?

Psychologe Tusch: "Hauff verfasste Kunstmärchen. Sie wurden – anders als Grimms Volksmärchen – nicht mündlich und anonym überliefert, sondern sind Erfindungen des Autors. Er hielt sie in kunstvoll ausformulierter Sprache schriftlich fest."

Geheimnis 3: Welche tiefere Bedeutung haben die Märchen?

"Berühmte Psychologen wie Carl Gustav Jung gingen davon aus, dass Märchen aus den Urgründen der menschlichen Seele entstanden", erklärt Dr. Manuel Tusch: "Ihre Bilderwelt ist auch in unseren Träumen zu finden. Insofern sind Märchenfiguren die Ab- und Vorbilder unserer eigenen seelischen Tiefen."

Die Brüder Grimm waren also auch Psychologen. Ihre eigene Biografie steckt voller Mysterien und interessanter Widersprüche: Jacob war klein, zierlich, aber von zäher Gesundheit – und ein absoluter Pedant. Er heiratete nie. Wilhelm war groß und stark, doch häufig krank – ein klug rechnender Haushälter und verheiratet. Große Unterschiede, die sich durch ein noch größeres Gefühl in nichts auflösten: ihre brüderliche Liebe. "Wie Du weggingst, da glaubte ich, es würde mein Herz zerreißen, ich konnte es nicht ausstehen, gewiss, Du weißt nicht, wie lieb ich Dich habe", schrieb einmal Wilhelm. "Lieber Wilhelm", so Jacob, "wir wollen uns einmal nie trennen."

Dabei verlief ihr Leben in unruhigen Bahnen, die von geschichtlichen Turbulenzen geprägt waren: Französische Revolution, Napoleon, Befreiungskriege, Restauration und deutsche Märzrevolution. Spiegelt sich diese oft grausame und brutale Realität in den Märchen? Etwa in "Rotkäppchen", das vom bösen Wolf gefressen wird? Tusch: "Das Wort ‚brutal‘ trifft es nicht ganz. ‚Emotional‘ ist der bessere Begriff. Das bedeutet: Die Märchen sprechen uns auf diese Weise sehr direkt an. Sie gehen uns ans Herz!"

Das gelingt Grimms Märchen noch heute, 150 Jahre nach Wilhelms Tod. Sie sind wertvolle Schätze – übrigens auch ökonomisch gesehen: Die sogenannten "Handexemplare" der Kinder- und Hausmärchen, private Ausgaben mit schriftlichen Vermerken, werden im Brüder-Grimm-Museum in Kassel verwahrt und gehören seit 2005 zum Weltdokumentenerbe der Unesco. Ihr Versicherungswert soll 15 Millionen Euro betragen. Einfach märchenhaft!

Machen Sie den Test, was Ihr Lieblingsmärchen über Sie verrät.

Autor: Mike Powelz