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Jürgen Klopp lachend

Unverfälschte Emotionen kann man besonders häufig im Fußball beobachten. Hier freut sich Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund. Sein Lachen ist echt, wie man an den Fältchen um die Augen erkennen kann. / Foto: © picture alliance / Pressefoto Ulmer

Gesichtsausdrücke richtig deuten

Die Sprache unseres Gesichts

Ein Buch zu studieren ist für die meisten Menschen deutlich einfacher, als in einem fremden Gesicht zu lesen. Vielleicht, weil unser Alphabet nur 26 Buchstaben hat, in unserem Gesicht aber 43 Muskeln für ein abwechslungsreiches Mienenspiel sorgen. Da wird die Nase gerümpft, der Mund verzogen, die Augenbraue gehoben. Auch wenn wir durch jahrelange Erfahrung in vielen Fällen ahnen, was ein Gesichtsausdruck bedeuten kann – wirklich sicher sind wir uns selten. War das Lächeln gerade wohlgesonnen oder schadenfroh? Zeigt die gerunzelte Stirn Ärger oder nur Nachdenklichkeit?

Sicher ist: Nahezu immer sind es Gefühlsregungen, die sich in unserem Gesicht widerspiegeln. Schon kleine Kinder kommunizieren auf diese Weise, signalisieren so ihre Bedürfnisse und Wünsche. Bei Erwachsenen ist diese Sprache oft nicht mehr so deutlich, weil sie lernen, ihre Gesichtszüge zu kontrollieren.

Um sie besser übersetzen zu können, hat sich der amerikanische Psychologe Paul Ekman besonders intensiv mit der menschlichen Mimik beschäftigt und viele Jahre lang insgesamt mehr als 10.000 Gesichtsausdrücke analysiert. Daraus entstand ein Katalog von 64 sogenannten "Action Units", also 64 möglichen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur: vom Heben der inneren und äußeren Augenbrauen bis zum Niederschlagen der Augen. Anhand dieses Codiersystems kann man einzelnen Muskelbewegungen bestimmte Emotionen zuordnen.

Bei den universellen Grundgefühlen wie Freude, Trauer, Überraschung, Wut, Angst und Ekel sind die Signale ziemlich eindeutig: Bei Freude werden etwa die Augenmuskeln kontrahiert, Wangen und Mundwinkel heben sich. Bei Trauer senken sich Mundwinkel und die oberen Lider, nahe der Nase sind die Augenbrauen leicht gehoben.

Derart eindeutig und ausgeprägt zeigen wir unsere Emotionen allerdings selten. Gefühle können ja auch leise sein oder sich vermischen. Manchmal versucht man sogar, sie vor anderen zu verbergen, etwa wenn man nervös ist oder ängstlich. Dann sehen andere vielleicht nur eine von mehreren Komponenten eines Ausdrucks, was die richtige Deutung erschwert.

Unsere Tarnung ist aber meist nicht besonders gut. Für ein geschultes Auge ist es mit etwas Übung nicht schwer, hinter dem "Pokerface" Anzeichen der echten Emotion zu entdecken: Trotz großer Beherrschung verraten uns nämlich kleinste Veränderungen der Mimik, sogenannte Mikroausdrücke. Sie blitzen kaum eine Viertelsekunde lang auf, verschwinden also so schnell, dass man sie kaum wahrnimmt. Dafür sind sie absolut ehrlich, denn sie entstehen unwillkürlich, ohne Absicht.

Mit ihrer Hilfe können Experten sehen, ob jemand lügt – oder zumindest seine wahren Gefühle verbergen will. Ablesen kann man das auch gut an einem abgebrochenen Mienenspiel: Wird einer Person bewusst, was gerade auf ihrem Gesicht passiert, ändert sie blitzschnell den Ausdruck. Häufig versucht sie, wahre Gefühle durch ein leichtes Lächeln zu kaschieren.

Die Gesichtsform verrät den Charakter

Weitere Zeichen einer Täuschung: ein asymmetrischer Gesichtsausdruck, der auf einer Seite stärker ausfällt als auf der anderen; ein lang anhaltender Gesichtsausdruck, der mehr als fünf bis zehn Sekunden gleich bleibt; und natürlich das bekannte "unechte Lächeln", das man am fehlenden Spiel des Augenringmuskels erkennt. Echtes Lächeln geht mit kleinen Krähenfüßchen einher.

Im Laufe eines Lebens graben sich oft gebrauchte Ausdrücke ins Gesicht ein und prägen das Aussehen. "Solche Mimikfältchen sind Indizien dafür, wie ein Mensch gelebt hat und welche Grundeinstellung er hat", sagt Physiognomik-Expertin Tatjana Strobel. Fältchen um die Augen sind etwa ein Zeichen für einen grundsätzlich fröhlichen Menschen.

Strobel ist zudem überzeugt, dass auch die naturgegebenen Merkmale unseres Antlitzes Schlüsse auf den Menschen zulassen: Aus der Form von Augen, Nase, Ohren und Lippen liest sie den Charakter ab. "Man kann viele Eigenschaften sehen, etwa ob jemand eher rational oder emotional geprägt ist, ob er ein Gespür für andere Menschen hat, kommunikativ ist, offen und neugierig oder sich eher in seinem gewohnten Umfeld wohlfühlt", sagt die Expertin.

Und erklärt auch gleich, warum Optik und Charakter zusammenhängen: "Ich habe aufgrund meiner Forschung unter anderem sehr viele Zusammenhänge zwischen Hormonen und Aussehen festgestellt. Wer viel weibliches Östrogen in sich trägt, ist ein weicherer Typ und besitzt ein eher rundliches Gesicht. Hat man mehr Testosteron, also männliche Hormone, ist man kantiger."

Autor: Melanie Schirmann