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Masas Kriegsherr vor einer wichtigen Entscheidungsschlacht.

Masas Kriegsherr (Yoshiro Murakami, Mi., Statisten) wartet im Kreis seiner Generäle auf den Beginn einer wichtigen Entscheidungsschlacht. - Foto © Hiromichi Nakatani/Urban Canyons Ltd,

TV-Tipp: Doku am 25.01., 21:05, Arte

Die Samurai

Die Wahrheit über die Samurai: Ihr Umgang mit dem Schwert gilt als unübertroffen, ihr Ehrenkodex ist bis heute legendär. Japans Samurai hatten allerdings auch sehr dunkle, grausame Seiten. TV-Tipp: "Die Samurai" - Liebe, Grausamkeiten und Intrigen. Dokumentation über Japans legendäre Elitekrieger; Sa., 25.01., 21:05, auf Arte.

Elitekrieger, Meister der Schwertkunst, fernöstliche Ritter: Unzählige Legenden ranken sich um die Samurai. Sieben Jahrhunderte lang bestimmten sie das Schicksal Japans, ihr Ehrenkodex prägt das Land bis heute. Doch die Helden hatten auch dunkle Seiten. Die Doku "Die Samurai" - Liebe, Grausamkeiten und Intrigen enthüllt die ganze Wahrheit – und zeigt eine Welt voller Intrigen und schockierender Grausamkeit.

Arte-Doku Die Samurai

Am Tag nach der Schlacht werden dem Kriegsherren (Yoshiro Murakami, Mi., Statisten) die abgeschlagenen Köpfe der Gegner präsentiert. Danach bemisst sich die Entlohnung eines Samurai. - Foto © Hiromichi Nakatani/Urban Canyons Ltd,

Der Aufstieg der Samurai zur mächtigsten Kriegerkaste begann im 8. Jahrhundert. "Hervorgegangen sind sie aus Polizei- und Schutztruppen der höfischen Aristokratie", erklärt Prof. Wolfgang Schwentker, Historiker an der Universität von Osaka. Als Söldner zogen sie für ihre Herren in den Krieg, schützten sie als todesmutige Leibwächter und trieben für sie Steuern ein.

Der Ehrenkodex der Samurai

Der Name Samurai leitet sich von "samurau" ab, was so viel wie "dienen" bedeutet. Experte Schwentker: "Dementsprechend begegnen uns die Samurai immer in einer Doppelrolle: Sie waren Diener und Herrscher zugleich." Nur so wird der Mythos verständlich, der uns so fasziniert. "Ihrem Herrn gegenüber waren sie äußerst loyal", sagt Wolfgang Schwentker. "Wenn nötig, folgten sie ihm bis in den Tod."


Die Rüstung der Samurai

1. Kabuto: Helm mit Geweih und Zierelementen
2. Nodowa: Halsschutz. Hinten: Nackenschutz Shikoro
3. Sode: Schulter- und Oberarmschutz
4. Do: Brustpanzer. Hinten: Wappenbanner Sashimono
5. Kote: Armschutz aus lackiertem Metall
6. Kusazuri: Schürze aus Lamellen, mit Fäden verbunden
7. Haidate: Unterrock, der die Oberschenkel bedeckt
8. Suneate: Schienbeinschutz


Auch wer seine Ehre verloren hatte, beging rituellen Selbstmord: Beim sogenannten Seppuku schlitzten sich die Samurai mit ihrem Kurzschwert nach genau festgelegten Regeln den Bauch auf. Treue, Mut, Ehre, Gerechtigkeit, Höflichkeit, Wahrheit und Güte gehören zu den Tugenden, wie sie etwa im Bushido, dem legendären Ehrenkodex, festgehalten sind. Doch wie verträgt sich all das mit der angeblichen Grausamkeit?

Arte-Doku Die Samurai

Okyo (Chika Katou) ist die große Liebe Masas (Luis Nishio). Um sie heiraten zu können, dient sich Masa hoch. Vom einfachen Fußsoldaten zum Strategen seines Kriegsherren. - Foto © Hiromichi Nakatani/Urban Canyons Ltd,

Samurai waren in erster Linie Krieger. Jederzeit bereit zu töten. Und zu sterben. Kriegshandbücher und Schlachtszenen auf historischen Schriftrollen zeigen die blutige Realität: Japans Samurai schnitten getöteten Feinden den Kopf ab, um ihn als Trophäe vom Schlachtfeld zu tragen. Je mehr Köpfe, umso mehr Ehre – so einfach war die Rechnung. Skrupellose Kämpfer töteten sogar die eigenen Männer, um ihren Kriegsherren genügend Trophäen präsentieren zu können.

Blutiger Weg an die Macht

Elitekrieger als brutale Kopfjäger? "Dass sie gegenüber ihren Feinden grausam sein konnten, war keine Eigenart nur des japanischen Kriegeradels", stellt Samuraiexperte Schwentker klar. "Ähnliches findet sich auch in der europäischen Geschichte." So berichten etwa deutsche Chroniken von unvorstellbaren Gemetzeln während des Dreißigjährigen Krieges. Gelegenheit zum Köpfesammeln hatten die Samurai allerdings genug. Immer wieder stritten Clans um die Macht im Land. Das änderte sich auch nicht, als die Samurai selbst um 1200 die Herrschaft über Japan übernahmen.

Rivalisierende Samuraifamilien lieferten sich weiter erbitterte Schlachten. Verrat, Intrigen und Parteiwechsel bestimmten das Kriegsglück. Erst als die Tokugawa-Dynastie nach 1600 ihre Macht festigte, änderte sich auch die Funktion des Kriegerstandes. "Er wuchs in einer Zeit ohne innere und äußere Feinde in die Rolle einer Verwaltungselite hinein", erklärt Wolfgang Schwentker. Aus den gefürchteten Söldnern von einst wurden fleißige Bürokraten. Arbeitslose Samurai ohne Herren, sogenannte Ronin, rutschten oft sogar in die Armut ab.

1868 war die Zeit der Samurai endgültig vorbei. Sie verloren ihren Status und alle Privilegien. Wolfgang Schwentker: "Ihr Ehrenkodex aber lebte weiter. In Militär und Verwaltung, in Handel und Industrie dienten die Abkömmlinge der alten Herrschaftselite genauso aufopferungsvoll wie früher." Das moderne Japan hat den Mythos noch lange nicht vergessen.

Autor: Kai Riedemann