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Hausfrau

Hausfrau sein ist nicht leicht. Bild: © picture alliance/chromorange

Vom Heimchen zur Familienmanagerin

Die Rolle der Hausfrau

Schnell noch die Flusen vom Jackett des Gatten gewischt, dem Jüngsten die Brote geschmiert, danach das Geschirr zusammengeräumt: ran an den Abwasch, der Hausfrauenalltag konnte beginnen. Bis in die 60er-Jahre hinein waren weibliche Lebenswege vorgezeichnet: Eine Frau hatte zu heiraten, danach bekam sie Kinder und führte den Haushalt.

Auf der "deutschen Hausfrau" ruhten der Erfolg des Ehemannes – "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau" – und die erfolgreiche Schulkarriere der Kinder. Denn auch das deutsche Halbtags-Schulsystem vertraute voll auf den Einsatz der Mütter, die nachmittags bei den Hausausgaben halfen.

Vom Heimchen zur Familienmanagerin

Und heute? Eine Revolution hat stattgefunden hinter den Gardinen mit der Goldkante. Die "Nur-Hausfrau" hat ausgedient, es lebe die berufstätige Familienmanagerin, die den Haushalt organisiert, die Kinder betreut und sich dabei ohne Gewissensbisse helfen lässt.

Seit 1995 ist in der deutschen Bevölkerung der Hausfrauenanteil von 20 auf 13 Prozent gesunken. Wer derzeit zu Hause bleibt, ist entweder gut verheiratet oder Überzeugungstäterin. Junge Frauen sind heute nur vorübergehend daheim, solange es gut für die Kleinkinder ist. Schon wird das Klischee der hausbackenen Familienfrau von schicken Prosecco-Müttern abgelöst, die ihre Designerbuggys vor In-Cafés parken, an der Leine den Golden Retriever.

Kaum noch Akzeptanz für Hausfrauen

Tatsache ist: Die traditionelle Hausfrau findet kaum noch Akzeptanz. Nur 20 Prozent aller Eltern halten es für ideal, wenn der Mann Vollzeit berufstätig ist und die Frau sich ganz auf Kinder und Haushalt konzentriert.

Die Politik hat gleichgezogen: Konnte sich die "Nur-Hausfrau" jahrzehntelang auch nach der Scheidung auf die Versorgung durch den Ex-Mann verlassen, wäre eine Trennung heutzutage der existenzielle Super-GAU. 2008 wurde die Unterhaltsverpflichtung neu geregelt, nach einer Kulanzzeit ist die Exgattin nun gezwungen, wieder arbeiten zu gehen. Auch die Auszeit für Kinderbetreuung wurde gekürzt: Früher konnte sich die Frau auf die Versorgung der Kinder berufen, bis diese 8 Jahre alt waren, musste dann bis zu deren 15. Lebensjahr nur halbtags arbeiten gehen. Heute wird ihr schon vom dritten Lebensjahr des Kindes an eine Teilzeitarbeit abverlangt.

Auslaufmodell Hausfrau

Kein Zweifel: Die klassische Hausfrau ist ein Auslaufmodell. Aber wie bei allen Revolutionen geht auch bei der Wandlung des Frauenbildes vom Heimchen am Herd zur berufstätigen Familienmanagerin vieles verloren.

Das Grundwissen über Nahrungsmittel und deren Zubereitung, die vielen kleinen Tricks, mit denen Mütter und Großmütter sich das Leben erleichterten, geraten in Vergessenheit. "Viele Menschen wissen heute gar nicht mehr, was es alles an Gemüsesorten gibt", so Anne Mitschulat vom Hausfrauenbund Hessen. Weshalb unter den Gemüsesorten, die bei den gemeinnützigen Tafeln für Bedürftige angeliefert werden, überdurchschnittlich viel Brokkoli sei. "Dieses Gemüse kennen die wenigsten. Darum bleibt es liegen."

"In 20 Jahren wird es altes Hexenwissen sein, wie man eine Erdbeermarmelade kocht oder eine Esse aus Edelstahl sauber kriegt", ergänzt Yvonne Willicks, Hauswirtschaftsmeisterin und Vorzeige-Hausfrau im WDR-Fernsehen. Ihre Sendung heißt "Yvonne Willicks: Der Große Haushaltscheck".

Den anhaltenden Boom der TV-Kochshows beobachtet sie mit Kopfschütteln: "Danach buchen die Leute einen teuren Kochkurs beim Sternekoch, und der zeigt ihnen dann, wie man eine einfache Mehlschwitze macht." Die deutsche Hausfrau konnte das aus dem Effeff. Schon deshalb soll sie nicht aussterben.

Netzwerk Haushalt, Berufsverband der Haushaltführenden

Mag die untertänige Putzfee, die von ihrem Ehemann wirtschaftlich abhängig ist, tatsächlich ohne Zukunft sein – die Familienmanagerin könnte altes Wissen retten. Und verfügt obendrein über eine tatkräftige Lobby: Der Deutsche Hausfrauenbund, gegründet 1915, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Seit einigen Jahren nennt er sich "Netzwerk Haushalt, Berufsverband der Haushaltführenden" und peilt auch Haus- und Ehemänner an. Denn ohne Familien, findet Präsidentin Angelika Grözinger, knirscht es im Gebälk einer Gesellschaft.

Nicht nur das Wissen um Kochen und Ernährung geht verloren, sondern auch die familiäre Solidarität, die sich etwa im gemeinsamen Essen zeigt. Die Berliner Sektion des "Netzwerks Haushalt" bietet neuerdings den "Haushaltsführerschein für Schulkinder" an und wirbt dort besonders um Jungen. Allen Absolventen werden Fertigkeiten in Hauspflege, Nahrungszubereitung und Nähen attestiert. Die Nachfrage ist groß. Wer an der Spielkonsole virtuos ist, für den liegt die wahre Herausforderung darin, Garn in ein Nadelöhr zu fädeln.

Den letzten Haushaltsführerschein schafften übrigens vier Mädchen und elf Jungen. Und was ist mit den Frauen, die von Herzen gern Kuchen backen und den Kleinsten Legohäuschen bauen? Die darin aufgehen, das Haus zu schmücken und dem Mann die Hemden zu bügeln? "Wer heute noch Hausfrau sein will, sollte sich absichern. Wir raten deshalb dringend zu einem Ehevertrag", sagt der Hamburger Familienanwalt Michael Dittmann. Früher wurde so ein Vertrag oft aufgesetzt, um den Fortbestand eines Unternehmens vor Forderungen der Ehefrau zu sichern, heute, um der Frau eine faire Beteiligung am Familienvermögen zu garantieren. Denn Vertrauen ist gut, Vorsorge ist besser. Netzwerk-Präsidentin Angelika Grözinger wundert sich: "Es soll immer noch Frauen geben, die nicht wissen, was ihr Mann verdient und die auch nicht im Grundbuch stehen."

Interview mit der Präsidentin des Berufsverbandes der Haushaltführenden e. V., Angela Grötzinger, über die Zukunft des Berufs Hausfrau:

HÖRZU: Würden Sie Frauen noch raten, Hausfrau zu werden?

Angela Grötzinger: Für uns ist das Wichtigste die freie Wahl des Lebensweges. Wer den Weg der Hausfrau wählt, sollte sich aber absichern. Die Neuregelung des Unterhaltsrechtes trifft viele Frauen nach einer Scheidung hart. Hausfrauen, die heute Ende 50, Ende 60 sind, gelten als "Altlast". Passen Sie auf, dass Sie nicht wie eine Altlast behandelt werden!

HÖRZU: Wie kann eine Frau da vorsorgen?

Angela Grötzinger: Sie muss sich weiterbilden und darf sich nicht über den Partner definieren. Ich plädiere dafür, nebenbei noch einen Job zu haben.

HÖRZU: "Nur-Hausfrauen" haben heute nicht den besten Ruf. Woran liegt das?

Angela Grötzinger: Ein Vorurteil. Die Zahl der im Haushalt geleisteten Arbeitsstunden ist höher als das Zeitvolumen der Erwerbstätigkeit, hat das Statistische Bundesamt herausgefunden.

HÖRZU: Früher konzentrierten sich Frauen auf die berühmten drei "Ks": Kinder, Küche, Kirche. Wie ist das heute?

Angela Grötzinger: Das haben wir neu definiert: Kreativität, Kompetenz, Konfliktfähigkeit. Wie kaufe ich ein, wie ernähre ich die Familie, wie vermittle ich Kindern Solidarität, Verlässlichkeit, Eigenverantwortung. Was in der Haus- und Familienarbeit geleistet wird, ist für die ganze Gesellschaft wichtig. Das kann ich nicht mit Kochen und Putzen abtun.

HÖRZU: Kann man Hausfrau eigentlich lernen?

Angela Grötzinger: Wir bieten zahlreiche Kurse an, etwa den Haushaltsführerschein. Da wird Zeitmanagement gelehrt, Haushaltsorganisation, gesunde Ernährung, alles über Nachhaltigkeit.

HÖRZU: Und wo bleibt bei diesem Modell die Partnerschaftlichkeit?

Angela Grötzinger: Unser Netzwerk ist offen für Männer. Einige Mitglieder haben wir auch schon.

Autor: Angela Meyer-Barg