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Der Mafiaboss Bernardo Provenzano wurde 2006 nach 43 Jahren Fahndung verhaftet.

Der Mafiaboss Bernardo Provenzano wurde 2006 nach 43 Jahren Fahndung verhaftet. / Foto: © dpa - Report

TV-Tipp: "Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra''

Die Mafia - Wahrheit und Mythos

Seit Jahren steht der Italiener Roberto Saviano unter Personenschutz: Er lebt versteckt an ständig wechselnden Orten. Seitdem der Schriftsteller 2006 sein Buch "Gomorrha" veröffentlichte, ist sein Leben in Gefahr. "Ständig erhalte ich Morddrohungen", sagt Saviano. Sein Werk beschreibt die Machenschaften der Unterweltbosse und ist Vorlage zum Film "Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra".


Sendehinweis:

"Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra''

Italienischer Spielfilm aus dem Jahr 2008
MI 8.2., 22.55 Uhr, SWR

Neben der neapolitanischen Mafia kommen aus Italien drei weitere verbrecherische Organisationen: die ’Ndrangheta, die Sacra Corona Unita und die sizilianische Mafia, deren Ableger sich auch in den USA als Cosa Nostra ausbreitete. Die Mafia selbst strickte stets am Mythos von Ehre und Ritterlichkeit, aber diese romantische Verklärung geht völlig an ihrer brutalen Wirklichkeit vorbei: Sie ist eine Terrororganisation, die seit jeher mit Gewalt ihre Interessen durchsetzt.

Aber sie hat sich auch gewandelt. "Die neue Mafia passt sich vollkommen der Lebensweise der modernen Gesellschaft an", sagt Leoluca Orlando, ehemaliger Bürgermeister von Palermo, der sein Leben dem Kampf gegen die Mafia gewidmet hat. Heute setzt die Mafia zunehmend auf Internetbetrug und Börsengeschäfte, sie arbeitet weltweit mit anderen Organisationen zusammen. Experten schätzen ihren jährlichen Gewinn auf 150 Milliarden Euro. Moderne Mafiosi sind smarte Geschäftsleute, die ihre finanziellen Vorteile genauso gnadenlos verfolgen wie einst ihre Ahnen.

Die blutige Geschichte der Mafia reicht mehr als 150 Jahre zurück. Sie begann mit der Unabhängigkeit Italiens im Jahr 1860, als die adligen Großgrundbesitzer auf Sizilien ihre Besitzrechte verloren und Verwaltern die Kontrolle ihrer Plantagen überließen. Mithilfe gewalttätiger Milizen pressten diese Verwalter den Bauern die ersten Schutzgelder ab. Wer sich weigerte, wurde bedroht. Gleichzeitig boten die Verwalter Hilfe an. Weil die Bevölkerung Polizei und Justiz misstraute, wandte sie sich bei Streitfällen an die "Ehrenmänner". Die regelten die Angelegenheiten, schreckten dabei aber auch vor Mord nicht zurück. Damals tauchte der Begriff Mafia auf, der ursprünglich "mutig" und "vornehm" bedeutete.

Unaufhaltsamer Aufstieg der Mafia

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten Hunderttausende Sizilianer in die USA aus. In New Yorks Stadtviertel Little Italy, neue Heimat italienischer Einwanderer, war Schutzgelderpressung an der Tagesordnung. Die Stunde der Mafia schlug ab 1920: Während der Prohibition, dem Alkohol-verbot, verdiente sie mit Schmuggel ein Vermögen. Al Capone schoss sich an die Spitze und wurde König der Unterwelt.

Nach Capones Verurteilung 1931 wegen Steuervergehen – seine Morde konnten ihm nie nachgewiesen werden – reformierte Charles "Lucky" Luciano die Mafia und machte sie zur Cosa Nostra, zu "Unserer Sache". Im Gegensatz zum Einzelkämpfer Capone stört es ihn, dass die internen Kriege dem Geschäft schadeten. "Mit der Waffe in der Hand können wir kein Geld verdienen", hieß sein Credo. Er gründete eine übergeordnete Mafia-Kommission. Luciano verstand sich als Manager, unter seiner Führung investierte die Mafia nach dem Ende der Prohibition ihr Geld auch in legale Geschäfte – und wurde zum Vorbild heutiger Gangster.

Lucianos Herrschaft erstreckte sich über einen Zeitraum von fast 30 Jahren. Ende der 50er führte er die italienische und US-amerikanische Mafia zusammen. Nachdem sie jahrelang das Glücksspiel in Las Vegas und auf Kuba beherrschte, stieg die Cosa Nostra auch ins Drogengeschäft ein. Das brachte zwar jede Menge Geld, verstärkte aber auch die Rivalität unter den Clans.

Autor: Thomas Kunze