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Die jungen Alten bleiben geistig und körperlich aktiv.

Die jungen Alten starten im Ruhestand noch einmal voll durch. / Foto: © picture alliance/Beyond

Plus: Zehn Regeln für den Ruhestand

Die jungen Alten: So aktiv sind die neuen Senioren

Wenn Peter Reinfeldt aus Hamburg den Raum betritt, steht einen Moment lang die Zeit still. Ein Mann wie Sean Connery! Gletscherbart, freundliche Augen, gesunde Gesichtsbräune. Und das Lächeln eines Hanseaten, der viel gesehen hat. Der Rechtsanwalt im Ruhestand versteht es, Menschen für sich einzunehmen, formuliert geschickt. Und wenn er erzählt, dass er gerade an einer Dissertation über "Die vom Erblasser festgesetzte Vergütung des Testamentsvollstreckers" arbeitet, klingt selbst das spannend. Er ist einer, der aus allen Poren Entschlossenheit verströmt, der den festen Willen hat, das Leben mit all seinen Facetten auszukosten.

Unglaublich nur: Peter Reinfeldt ist 75 Jahre alt. Er arbeitet bis zu vier Stunden pro Woche ehrenamtlich für verschiedene Stiftungen, engagiert sich für SOS-Kinderdorf, reist hin und wieder nach Bolivien, um sein Patenkind zu besuchen. Und fährt für seine Doktorarbeit durch ganz Deutschland – zu den Amtsgerichten, um Testamente zu sichten. Mit hohem Zeit- und Kostenaufwand betreibt er seine Forschung.

Weiterentwicklung statt Ruhestand!

Warum tut er das? "Weil mein Kopf noch funktioniert und ich nicht nur zu Hause herumsitzen will." Den Doktortitel brauche er nicht. Er habe auch so fast 50 Jahre erfolgreich eine Anwaltspraxis geführt. Dass er in seinem Alter noch promoviert, sei für ihn nichts Besonderes. Er sehe sich nicht als Vorbild, sondern als Vorbote. Lebenslanges Lernen werde in einem Jahrzehnt ganz normal sein.

So gewagt ist seine Prognose nicht. Dafür sprechen neue Erkenntnisse in der Hirnforschung. "Das menschliche Gehirn bleibt bis ins hohe Alter
veränderbar. Durch Training und Bewegung lässt sich die geistige Leistungsfähigkeit steigern", weiß Prof. Ursula Staudinger von der Bremer Jacobs Universität. Die Altersforscherin plädiert dafür, dass alle Menschen ein Leben lang Neues lernen sollten. "Es geht nicht darum, dass wir im Alter kein Recht auf Ruhestand haben. Allerdings wünschen sich viele Menschen im Ruhestand eine Beschäftigung."

Tatsächlich sind die über 60-Jährigen vitaler, aktiver und engagierter denn je. Sie wagen mit 60 noch den beruflichen Neustart, sie gründen mit 70 ehrenamtliche Privatinitiativen, sie sitzen mit 80 in den Hörsälen der Universitäten. Und sie gehen online. 41 Prozent der 65- bis 74-Jährigen nutzen das Internet.

Das Leben ist noch lang. 65-jährige Männer haben heute durchschnittlich 17 Lebensjahre vor sich, Frauen mehr als 20 Jahre. Die jungen Alten probieren aus, was noch möglich ist. Und das ist viel!

Im Alter Träume erfüllen

Anke Brand aus Hamburg sieht das genauso. "Nach einem Jahr passiver Altersteilzeit fragte ich mich: Was kann ich machen?", erzählt die ehemalige Leiterin eines Seniorenheims. Ihr kam auch sofort eine Idee: "Warum nicht mal als Au-pair-Oma für ein Jahr ins Ausland gehen?" Gesagt, getan. Seit sechs Monaten wohnt die 62-Jährige in London bei der alleinerziehenden Deutschen Elke Hoffmann, kümmert sich jeden Nachmittag um deren zweieinhalbjährige Tochter Johanna. "Kinder faszinieren mich", sagt Brand. "Und ich freue mich, dass ich hier helfen kann." Bei einer derart intensiven Betreuung wachse man richtig zusammen, sie selbst sei jetzt eine Art Ersatzoma. "Diese Erfahrung ist eine Bereicherung fürs Leben", sagt sie.

Vor einem Jahr gründete Michaela Hansen ihre Agentur "Granny Aupair", die ältere Frauen an Familien im Ausland vermittelt. Schon jetzt führt die 49-Jährige 200 Interessentinnen in ihrer Kartei. "Alle wollen sich noch einmal ihren Traum vom Ausland erfüllen", berichtet Hansen. 100 Frauen hat sie bereits einen Aufenthalt in einer Gastfamilie verschafft.

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Autor: Anja Matthies