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"Teures Abenteuer im All" - Foto © ZDF/ Stefan Paintner; Marquardt Medienprodukt

Im Mai fliegt der Deutsche Alexander Gerst für sechs Monate zur Raumstation "ISS".
Hier verrät er, was ihn erwartet & was ihn bewegt.- Foto © ZDF/ Stefan Paintner; Marquardt Medienproduktion

Doku

Die ISS - "Teures Abenteuer im All"

Er werde immer ruhiger, je näher der große Tag rückt, der 28. Mai. Dann wird Alexander Gerst vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zur Internationalen Raumstation "ISS" starten. "Nach dem langen Training freue ich mich einfach nur noch, auf der Zielgeraden zu sein", sagt der 38-jährige Geophysiker, der als dritter Deutscher nach Thomas Reiter und Hans Schlegel auf der "ISS" leben und arbeiten wird. Sechs Monate lang.

163 Experimente betreut die sechsköpfige Crew, davon 40 aus Deutschland. In 400 Kilometern Höhe umrundet die "ISS" mit 28.000 Stundenkilometern in etwa 91 Minuten die Erde. Ihre Nutzfläche ist vergleichbar mit der eines Jumbojets. "Die meiste Zeit arbeitet man in einem Modul für sich allein, sodass man sich freut, wenn man die anderen beim Abendessen trifft, habe ich mir sagen lassen", so Gerst. Dann ist auch Zeit, mit den Kameraden die Science- Fiction-Schocker "Alien 1 – 3" aus der Bordvideothek zu schauen. Wenn er Glück habe, schicke ihm die Bodenkontrolle auch mal einen "Tatort" rauf. Den aus Münster mag Gerst besonders.

16 Sonnenauf- und -untergänge

Das beste Programm bietet aber ein Blick aus der "ISS"-Kuppel: 16 Sonnenauf- und -untergänge. Pro Tag! Zwei Stunden Sport stehen täglich auf dem Programm, damit sich Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit nicht zu stark zurückbilden. Und natürlich hat jeder Astronaut die Möglichkeit, sich in seinen Privatbereich zurückzuziehen – der allerdings nicht viel größer ist als eine Telefonzelle. Nur 1,5 Kilogramm an Privatem darf Gerst mitnehmen – die Bordgepäckregeln der Europäischen Weltraumorganisation Esa sind noch strenger als die der Billigfluglinie Ryanair. Fotos und andere Erinnerungsstücke an Freunde und Verwandte wird er dabeihaben und ein Steinchen vom Kölner Dom, Leihgabe der Dombauhütte, die es später wieder einsetzen wird.


Alexander Gerst
Nach Thomas Reiter und Hans Schlegel wird Alexander Gerst als dritter Deutscher auf der "ISS" leben und arbeiten. - Foto © AFP/Getty Images

Er will die Welt verbessern

Gerst wird E-Mails empfangen und versenden können, auch Nachrichtensendungen und elektronische Zeitungen werden ihm an Bord "gebeamt". Er darf jederzeit mit seiner Familie telefonieren und sie einmal die Woche per Videokonferenz sehen. Was wird er am meisten vermissen? "Duschen, im Regen joggen, Salat essen." Denn auch wenn die Astronautenkost mittlerweile besser ist als ihr Ruf und Essen aus der Tube der Vergangenheit angehört: Frisches Gemüse hat die "ISS" (noch) nicht zu bieten.

Wichtig sei ihm vor allem, von seiner Misallersion etwas mitzubringen, "das das Leben auf der Erde verbessert", sagt Gerst. Etwa neue Impfstoffe. Oder Metalllegierungen, die sich auf der Erde nicht erzeugen ließen, aber bessere Hüft- und Kniegelenke ermöglichen. Der Legierungsschmelzofen, der ihm mit der Versorgungsfähre ("Automated Transfer Vehicle") nachgeschickt wird, spiele bei den deutschen Experimenten deshalb eine zentrale Rolle.

Alltag in der Schwereslosigkeit

Die größte Herausforderung an Bord wird die Schwerelosigkeit sein: "Man kann sich nicht von A nach B bewegen, wie man es ein Leben lang gewohnt ist. In der ersten Woche ist man noch sehr unbeholfen, danach gibt sich das, heißt es." Wie schläft es sich in der Schwerelosigkeit? Wie geht man zur Toilette? Wie macht man Sport? Kein irdisches Training wird diese Fragen erschöpfend beantworten können: "20 Prozent des Bordalltags werden ein Sprung ins kalte Wasser sein."

Mit dem Amerikaner Gregory Wiseman und dem Russen Maxim Surajew, die gemeinsam mit ihm zur "ISS" fliegen, verbindet Gerst eine tiefe Freundschaft, gewachsen im dreijährigen Training, das unter anderem Übernachtungen bei minus 20 Grad ohne Zelt im Freien umfasste. Die Reise ins All war Gersts Kindheitstraum, seit ihn sein Opa, ein Hobbyfunker, ein paar Worte ins Mikrofon sprechen ließ, die er als Radiowellen zum Mond schickte und wieder auffing. Was kann danach noch kommen? "Jeder, der sich für Raumfahrt interessiert, träumt von einer Reise zum Mars", antwortet Alexander Gerst in schwärmerischem Ton. "Wenn wir dort existierendes oder ausgestorbenes Leben finden, würde das bedeuten, dass es im Universum von Leben nur so wimmelt. Und das hätte gigantische Folgen für unser menschliches Selbstverständnis."

Autor: Thomas Röbke