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Hagia Sophia

Es ist ein Wunder, dass die gigantische Kuppel der Hagia Sophia bis heute auf ihren Pfeilern
thront: Istanbul wurde auf einer sehr aktiven seismischen Verwerfung errichtet.
Foto: ARTE France / © ZED/Providence Pictures

Doku "Denkmäler der Ewigkeit"

Die Hagia Sophia in Istanbul

Seit 1500 Jahren trotzt die Hagia Sophia allen Erdbeben. Wie lange noch? Das Istanbuler Wahrzeichen bröckelt.

Die Kuppel überragt alles. Himmlisch, heilig, von märchenhafter Harmonie. Ein Monument für die Ewigkeit? Die Hagia Sophia, Wahrzeichen von Istanbul, zieht jedes Jahr mehr als 3,3 Millionen Besucher an. Doch hinter den Kulissen des legendären Bauwerks bröckelt es gewaltig. Experten suchen jetzt fieberhaft nach Schwachstellen, um den Einsturz des Unesco-Weltkulturerbes zu verhindern.


Im TV-Programm: "Denkmäler der Ewigkeit"

Sa., 2.5.: "Die Hagia Sophia in Istanbul", Dokumentation, Arte, 20.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm)


Eigentlich ist es ein Wunder, dass die einstige byzantinische Kirche seit rund 1500 Jahren den häufigen Erdbeben in der Bosporus-Region standhält. Denn als Roms Kaiser Justinian (um 482 bis 565) den Prachtbau als Zeichen seiner Macht errichten ließ, forderte er von den Architekten Unmögliches. "Der Entwurf der Hagia Sophia sollte einzigartig sein", erklärt US-Kunsthistoriker Robert Ousterhout. "Kein erfahrener Baumeister hätte sich je an so etwas herangewagt."

Geniale Konstruktion

Die Hagia Sophia schrieb Geschichte, und das auch durch ihren revolutionären Bauplan:

1. Die Kuppel

55,6 Meter hoch, 31 Meter Durchmesser. Sie ist so konstruiert, dass sogar eine Fensterreihe die Stabilität nicht beeinträchtigt

2. Die Halbkuppeln

Sie stützen im Westen und Osten des Gebäudes die gigantische Hauptkuppel

3. Die Bögen

Diese Bauelemente bilden den Übergang von der Kuppel zum quadratischen Unterbau

4. Die Strebewerke

Verstärken im Süden und Norden die Tragfähigkeit

5. Die Seitenschiffe

Sie sind durch Säulen abgeteilt und prägen den klassischen Kirchengrundriss

6. Das Hauptschiff

Mit 7570 Quadratmeter Grundfläche so groß wie ein Fußballfeld

7. Die Pfeiler

Tragen die Hauptlast und sind mit farbigem Marmor verkleidet

Monument für die Ewigkeit

Die Kuppel, der eckige Grundriss, die tragenden Bögen - alles Pionierarbeit. Trotzdem wurde die Hagia Sophia 537 nach nur sechs Jahren Bauzeit eingeweiht. Schon 21 Jahre später stürzte die Kuppel ein - bei einem Erdbeben. Baumeister Isidor von Milet der Jüngere ließ deshalb die Wölbung erhöhen und die Strebepfeiler verstärken. Seitdem konnte nichts die Hagia Sophia wirklich erschüttern. Auch nicht die wechselvolle Geschichte.

Die wechselvolle Geschichte

Fast 1000 Jahre lang galt die Kirche als Symbol des ersten christlichen Reiches Byzanz, dann eroberten im Jahr 1453 osmanische Truppen die Stadt. Die Hagia Sophia wurde zur Moschee, viele christliche Mosaiken verschwanden hinter dickem Putz. Das dritte Kapitel wurde 1934 aufgeschlagen: Die junge türkische Republik wandelte die Moschee in ein Museum um.

Istanbuls Wahrzeichen bröckelt

Auf den ersten Blick wirkt das Meisterwerk der Architektur auch heute noch massig und robust. Doch unsichtbar für die Besucher messen Sensoren jede Erschütterung, jede Schwingung, jede Verformung. Die Daten gehen direkt an ein Kontrollzentrum der Istanbuler Bogaziçi-Universität, wo auch seismografische Messwerte aus dem ganzen Land ausgewertet werden.

Wo zittern Pfeiler bedrohlich? Wo könnten Bögen bei Erdbeben nachgeben? Mit maßstabsgetreuen Modellen testen Experten zusätzlich die Belastbarkeit der großen Kuppel. An den erkannten Schwachstellen setzen dann die Sanierungsarbeiten ein. Damit die Hagia Sophia ein Monument für die Ewigkeit bleibt.

Autor: Kai Riedemann