HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Nachdenken lohnt sich: Wird das Gehirn gefordert, enstehen neue Zellen.

Nachdenken lohnt sich: Wird das Gehirn gefordert, enstehen neue Zellen und Verknüpfungen. / Foto: © picture-alliance

Doping für die grauen Zellen

Die Geheimnisse unseres Gehirns

Auf der Wiese glitzert Tau. Empfindlich kühl ist es an diesem Herbstsonntag, und die kleine Gruppe von Spaziergängern hält sich mit Übungen warm. Bälle wandern von Hand zu Hand. Doch es geht hier nicht um Fitness, sondern um den Kopf. "Brainwalking" heißt das Konzept, mit dem Körper und Geist auf Trab gebracht werden.

Seit sieben Jahren bietet Stefanie Probst, Expertin für mentales Aktivierungstraining, Erlebnisspaziergänge durch Hamburger Parks an. Hören, Riechen, Tasten, Grübeln – alle Sinne werden gefordert. "Das Zusammenwirken von Bewegung und geistigem Training", so die Psychologin, "erhöht die Leistungsfähigkeit des Gehirns um bis zu 20 Prozent." Damit setzt sie um, was neue Studien enthüllen: Das Wunderwerk im Kopf, rund 1300 Gramm schwer, mit 100 Milliarden Nervenzellen, ist keine starre Masse, sondern lässt sich formen. Wir müssen seine Möglichkeiten nur richtig nutzen.

Turbo fürs Gehirn

Bei einem Experiment an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg mussten Testpersonen per Knopfdruck signalisieren, ob ein gezeigtes Bild neu oder bekannt war. Nach 200 Millisekunden funkte das Gehirn die Antwort. Und wenn eine Belohnung lockte? Dann gaben die grauen Zellen Gas: Schon nach 85 Millisekunden lag das Ergebnis vor. "Diese Befunde zeigen", so das Forscherteam um Prof. Emrah Düzel, "dass eine ausgeprägte Beschleunigung des Gehirns möglich ist." Geschwindigkeit beim Denken ist also keine Hexerei, sondern eine Frage der Motivation. Nur 50 Cent Belohnung reichten, um das Gehirn der Probanden in Topform zu bringen.

Doch egal ob Geld, Süßes oder Lob – alles reizt unser Belohnungszentrum und führt zu besserer Leistung. Forscher vermuten, dass der Hirnbotenstoff Dopamin dabei eine zentrale Rolle spielt – denn der gilt als Gehirndoping pur."Die Belohnung muss nicht immer von außen kommen", betont Psychologe Dr. Siegfried Lehrl, Vorsitzender der Gesellschaft für Gehirntraining. "Auch wenn wir uns mit einfachen Aufgaben in Schwung bringen, werden diese biochemischen Stoffe freigesetzt. Wir wollen weitermachen und haben ein gutes Gefühl dabei. Die Belohnung liegt in der Sache selbst.“

Das richtige Aufwärmtraining animiert zum Lernen und stärkt unseren Arbeitsspeicher. Lehrl: "Er dient dazu, Informationen für kurze Zeit abzulegen und damit zu arbeiten – etwa beim Kopfrechnen, Planen, Entscheiden, Erinnern.“ Seine Leistung lässt sich in Geschwindigkeit messen, aber auch in der Merkspanne: Wie viel passt gleichzeitig in meinen Kopf?

Bewegung hilft

Forscher aus Kanada und den USA wollten wissen: Macht Tanzen schlau? Im Kernspintomografen wurde analysiert, welche Hirnregionen beim Tango besonders aktiv sind. Rückwärtsschritt, Seitwärtsschritt, Drehung, Stopp – auf Hochtouren liefen nicht nur Teile, die für Motorik zuständig sind, sondern auch der sogenannte Precuneus im Scheitellappen. Der ist wichtig für Orientierung und Raumsinn und eng mit Hirnfunktionen wie Gedächtnis und Vorstellungskraft verknüpft. "Wer tanzt, ist besonders fit im Kopf", fasst Dr. Siegfried Lehrl die neuen Erkenntnisse der Forscher zusammen. "Denn beim Tanzen nimmt man ständig Informationen auf, setzt sie schnell um. Bewegung, Ausdauer, Koordination, Reaktionen – all das erfordert geistige Hochleistung und ist deshalb so effektiv."

Autor: Kai Riedemann