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Am 15.06.2011 gibt es eine totale Mondfinsternis.

Am 15.06.2011 gibt es eine totale Mondfinsternis - eine der längsten dieses Jahrhunderts. / Foto: © Bernd Rohrschneider/OKAPIA

So beeinflusst er die Erde

Die Geheimnisse des Mondes

Man sagt, er habe magische Kräfte. Wer kann sich dem Bann des Mondes entziehen, wenn er eine funkelnde Lichtspur auf die Wellen wirft? Oder wenn eine Mondfinsternis für spektakuläre Momente sorgt – wie am 15. Juni? Kein anderer Himmelskörper fasziniert die Menschen so sehr. Mond und Erde – die vielleicht spannendste Beziehung des Weltalls.

Wissenschaftler unterstellen gar eine enge Verwandtschaft: Nach ihrer Theorie ist der Mond ein uneheliches Kind der Erde. Vor rund 4,5 Milliarden Jahren traf der marsgroße Asteroid Theia die junge Erde. Das explosionsartige Rendezvous, von den Astronomen "Giant Impact" genannt, schleuderte gigantische Gesteins- und Gasmassen ins All. Wie ein Ring umkreisten sie den Planeten, ballten sich zum Mond. Auch die Erde selbst erhielt erst durch diese Begegnung ihre endgültige Gestalt. Inzwischen bestätigen viele Indizien diese Theorie. Analysen von Mondproben zeigen Übereinstimmungen mit Erdgestein in der Zusammensetzung der Sauerstoff-Isotope. Vaterschaftstest im Weltraum!

Der Mond hat eine Beule

Lange rätselte die Wissenschaft: Warum ist die Mondkruste auf der Rückseite deutlich dicker als etwa an den Polen? Jetzt glaubt ein Team der University of California in Santa Cruz die Lösung gefunden zu haben: Die Beziehung zur Erde ist schuld. Ihre Anziehungskraft hat den Mond vor vier Milliarden Jahren regelrecht durchgeknetet. Was heute bei uns für Ebbe und Flut sorgt, wirkte damals auch umgekehrt. Der Erdtrabant war heiß, die Kruste schwamm auf einem "Ozean" aus flüssigem Gestein – und ließ sich von den Gezeitenkräften leicht verformen. Ursprünglich muss es auch auf der Vorderseite eine solche Beule gegeben haben, die im Lauf der Jahrmilliarden abflachte.

Was wäre die Erde ohne Mond? Computersimulationen führen zu verblüffenden Ergebnissen: Erst unser himmlischer Begleiter macht Leben auf unserem Planeten möglich. Die junge Erde raste noch binnen sechs Stunden um die eigene Achse – so kurz war ein Tag. Mit seiner Anziehungskraft bremst der Mond den wilden Wirbel und sorgt für Stabilität. Ohne ihn würde die Erde taumeln, ihre Achse häufig kippen. Folge: Stürme und starke Klimaschwankungen – mal Eiszeit, mal Hitze bis zu 80 Grad.

Kein Wunder, dass der Mensch vom nächtlichen Begleiter fasziniert ist und über viele Phänomene staunt. Etwa darüber, dass der Vollmond wie eine riesige Kugel zwischen den Häusern emporsteigt, um dann auf dem Weg in den Nachthimmel zu schrumpfen. Physikalisch unmöglich? Richtig! Unser Auge lässt sich täuschen. Durch Vergleiche etwa mit Bäumen in scheinbarer Nähe kommt uns der Mond größer vor.

Das reicht als Erklärung aber nicht aus, denn der Effekt tritt auch in der Wüste auf. Vermutlich spielt das abgeflacht wirkende Firmament eine Rolle. Der Horizont scheint stets weiter entfernt als das Himmelsgewölbe über uns. Deshalb schätzt der Mensch die dortigen Himmelsobjekte kleiner ein. Endgültig geklärt ist das Täuschungsphänomen aber noch nicht.

Der Mondstaub ist aus Silber

Auch die totale Mondfinsternis verdeutlicht dem Menschen eine ungewöhnliche Liaison zwischen Erde, Mond und Sonne. Früher glaubten die Chinesen, in solchen Nächten verschlinge ein Drache den himmlischen Begleiter. Doch in Wahrheit fällt der Schatten der Erde auf den Mond. Denn der leuchtet nicht von selbst – er reflektiert lediglich das Licht der fernen Sonne. Wie bei einem Apfel, den der Lichtkegel einer Taschenlampe aus der Finsternis reißt.

Da der Mond mit der Erde verwandt ist, vermuten Forscher dort schlummernde Bodenschätze. Was liegt in den Kratern verborgen? Die Nasa ließ bei ihrer Suche die Sonde "LCROSS" (Lunar Crater Observation and Sensing Satellite) gezielt auf der Oberfläche zerschellen. Die Analyse des aufgewirbelten Mondstaubs ergab: Wasser, Natrium, Ammoniak – und Silber. Eine Schatzkiste, auch wenn sich die Edelmetalle kaum bergen lassen.

Weitere Erkenntnisse könnten bemannte Mondflüge bringen – doch das Nasa-Programm wurde aus Kostengründen gestoppt. Dabei haben die "Apollo"-Missionen gezeigt, dass es auch ohne teuren Hightech geht. Für den Rückstart von "Apollo 11" musste Astronaut Edwin Aldrin das Triebwerk der Landefähre "Eagle" mit einem Filzstift zünden. Und "Apollo 12"-Astronaut Alan Bean schlug zum Öffnen einer verklemmten Klappe mit dem Hammer zu. Sein Rat: "Flieg niemals ohne Hammer zum Mond."

Autor: Kai Riedemann