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Apfel: die Lieblingsfrucht der Deutschen

Apfel: die Lieblingsfrucht der Deutschen - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Plus: Lieblingsobst von A bis Z

Die faszinierende Welt der Früchte

Sie heißen Nabella, Cerella, Nalina und warten nur darauf, vernascht zu werden. Mal leuchten sie hellrot, mal glänzen sie geheimnisvoll dunkel. Was könnte verführerischer sein als Kirschen, die gestern noch am Baum reiften? Sieben magische Wochen dauert die Ernte, während wir noch die letzten Erdbeeren genießen und uns schon auf neue knackige Äpfel freuen. Allein 2009 wurden in Deutschland 1,46 Millionen Tonnen Obst geerntet. Ein Geschenk der Natur, direkt vor unserer Haustür gepflückt. Wie im Alten Land, dem Obstkorb der Nation.

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Lieblingsobst von A bis Z:

Zehn leckere Verführer aus deutschen Landen

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Das größte zusammenhängende Anbaugebiet Mitteleuropas beweist, dass Apfel nicht gleich Apfel ist. Aufs Wetter kommt es an. Im milden, feuchten Klima vor den Toren Hamburgs verändert sich das Zucker-Säure-Verhältnis. Während beim Reifen im Süden die Süße überwiegt, wird das Obst im Norden aromatischer. Kein Wunder, dass im Alten Land mit seinen 1500 Sonnenstunden Obstanbau schon für das Jahr 1320 nachweisbar ist und heute Obstbäume auf insgesamt 105 Millionen Quadratmetern wachsen – der Fläche von etwa 15.000 Fußballfeldern.

Bei den Obstsorten herrscht eine faszinierende Vielfalt. So hat jedes Bundesland seine eigenen Apfel-Favoriten. In Baden-Württemberg reift jetzt vor allem der Jonagold, in Niedersachsen der Elstar, in Sachsen der Idared. Doch egal ob Apfel, Kirsche oder Himbeere – über allem wacht das Bundessortenamt. Während wir im Supermarkt einfach nach einer Schale Himbeeren greifen, unterscheiden die Experten aus Hannover Klangvolles wie Annamaria, Glenn Rosa oder Preußen. "Der Sortenschutz ist so etwas wie Copyright für Obst", erklärt Dr. Burkhard Spellerberg vom Bundessortenamt. "Nur der Schutzinhaber darf seine Neuzüchtung vermehren und in Verkehr bringen." Experten prüfen im Feldanbau, vergleichen Blatt, Blüte und Fruchtmerkmale mit anderen Sorten. Gärtnern im Namen des Gesetzes.

Warum werden überhaupt neue Sorten gezüchtet? Widerstandsfähiger sollen sie sein, die Früchte fester, saftiger, haltbarer. Deshalb experimentiert etwa das Institut für Obstzüchtung in Dresden-Pillnitz seit fast 90 Jahren mit Äpfeln, Kirschen oder Erdbeeren. "Zunächst wird das Zuchtziel bestimmt und die passenden Elternsorten ausgewählt", sagt Institutsmitarbeiter Dr. Andreas Peil. Alles Neue beginnt mit einer Kreuzung des Bewährten. Aus den Blüten des "Vaters" werden die Staubgefäße geknipst. Andreas Peil: "Nach zwei Tagen Trocknung können die Pollen ausgeschüttelt, mit einem Pinsel aufgenommen und auf die Blütennarben der Muttersorte aufgetragen werden." Damit keine Biene mit fremden Pollen dazwischenfunkt, bedeckt eine Plastiktüte die Blüte.

Ist der Apfel reif, entnehmen die Forscher die Kerne und ziehen damit im Gewächshaus erste Sämlinge. Was so einfach klingt, entpuppt sich in der Praxis als steiniger Weg. Bis zu 40 Jahre kann es dauern, bis eine Sorte endlich veredelt, geschützt, in großem Stil angebaut und geerntet wird. So knackig Apfel-Neuzüchtungen wie Pisaxa aus Dresden-Pillnitz auch sein mögen, ohne die Vielfalt der Oldtimer würde der Natur etwas fehlen. "Wir wissen über das Obstparadies Altes Land müssen die köstlichen alten Sorten erhalten, bevor sie ganz aussterben", sagt Ute Hoffmann, die sich auf ihrem Hof in Asendorf (Niedersachsen) um Hedefinger Riesenkirsche oder Zwiebelapfel kümmert. "Es gibt mehr unterschiedliche Aromen, als man sich vorstellen kann. Einige Äpfel schmecken sogar nach Erdbeere, andere wiederum nach Himbeere.“

Mittlerweile wird in Dresden-Pillnitz eine Genbank aufgebaut. Auf einem rund zehn Hektar großen Acker in Elbnähe reifen Sorten heran, werden katalogisiert und für die Nachwelt erhalten. Im Institut laufen auch alle Fäden des bundesweiten Netzwerks "Deutsche Genbank Obst" (DGO) zusammen – eine Sammlung leckerer Erdbeeren, verlockender Kirschen und mehr als 1200 Apfelsorten, darunter seltene Wildformen, deren Früchte nur wenige Millimeter groß sind. Und was ist das Reizvollste an der neuen Lust aufs Landobst? Die Vorfreude! Denn während Bananen oder Orangen das ganze Jahr über im Supermarktregal liegen, hat deutsches Obst wenige Monate lang Saison. Je nach Wetter können wir nur bis zum August Kirschen genießen, auf frische Heidelbeeren müssen wir bis Juli warten. Lediglich der Apfel tanzt aus der Reihe. In Speziallagern hält er sich monatelang – kühl, feucht, bei niedrigem Sauerstoffgehalt. Einfach zum Reinbeißen.

Autor: Kai Riedemann