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SPACE-TECH: RAUMANZÜGE

Selbst die kühnsten Astronauten überleben einen Ausflug ins All nur im Raumanzug. Eine Doku zeigt, wie die Hightech-Wunderwerke funktionieren. © Arrow Media/ TCB Media Rights Limited

SPACE-TECH: RAUMANZÜGE - Die Entwicklung und Anwendung der Hightech-Overalls

Der Stoff, aus dem die Helden sind

Der erste Spaziergang im Weltraum endet beinahe tödlich: Am 18. März 1965 verlässt der sowjetische Kosmonaut Alexej Leonow die Luftschleuse der "Woschod 2" und verbringt zwölf Minuten im All. Beim Wiedereinstieg ist sein Raumanzug durch den Innendruck aber so stark aufgebläht, dass Leonow nicht durch die enge Klappe passt.

Krimi im All - Alexej Leonow berichtet

Sein Sauerstoffvorrat reicht nur noch für knapp sechzig Minuten. Erst in letzter Sekunde gelingt es ihm, den Anzugdruck zu senken und einzusteigen. "Ich weiß bis heute nicht genau, wie ich das Problem überhaupt gelöst habe", erinnert sich der Pionier in der sehenswerten Doku "Space-Tech: Raumanzüge". Wie der Weltraum auf ihn wirkte, das allerdings weiß er noch: "Es war unglaublich leise. Das hat mich am meisten beeindruckt. Ich konnte meinen Herzschlag hören."

Mit seiner mutigen Expedition erbrachte Leonow den Beweis, dass der Mensch trotz der Extrembedingungen im All überleben kann – aber nur, wenn er einen Raumanzug trägt. Ohne dieses technische Wunderwerk wäre jeder Astronaut innerhalb von Sekunden tot, denn es gibt dort draußen keinen Sauerstoff. Aufgrund des Vakuums, das im freien Weltraum herrscht, würden Blut und Wasser im Körper schnell anfangen zu kochen, das Gehirn bekäme keinen Sauerstoff. Die Anzüge müssen also einen Überdruck erzeugen und die Astronauten mit Sauerstoff versorgen. Doch es drohen weitere Gefahren, vor denen die Anzüge schützen müssen.

Raumanzüge
Ein ungewöhnlicher Job: Lisa Young arbeitet als Raumanzug-Konservatorin am Smithsonian National Air and Space Museum in Washington D.C. Das Bild zeigt sie bei der Arbeit am Raumanzug des Astronauten Charles Duke, der 1972 als zehnter Mensch den Mond betrat.
© Arrow Media/ TCB Media Rights Limited

Mikrometeoriten sind eine Gefahr

Etwa Mikrometeoriten, die nur einen halben Millimeter dick sind, aber kleine Löcher in den Anzug reißen könnten. Oder die gesundheitsschädliche UV-Strahlung der Sonne sowie die Temperaturen zwischen minus 156 und plus 120 Grad Celsius. Ein Schichtsystem aus diversen Hightechmaterialien sorgt für Sicherheit. Gleichzeitig muss der Anzug maximale Beweglichkeit ermöglichen, damit der Astronaut auch Forschungstätigkeiten und Reparaturarbeiten durchführen kann.

Dazu kommt der Helm. Er besteht aus Fiberglas, und sein integrierter Sichtschild schützt vor der Helligkeit der Sonne. Das Herzstück aber ist das Primary Life Support System, kurz PLSS, übersetzt etwa: primäres Lebenserhaltungssystem), das die Astronauten wie einen Rucksack tragen. Unter anderem befinden sich darin Sauerstoff für acht Stunden, Kühl- und Trinkwasser sowie ein Kommunikationssystem. Mithilfe eines Kontrollmoduls kann der Astronaut alle Funktionen des PLSS steuern.

Raumanzüge
Das Bild zeigt den von Wiley Post entwickelten Druckanzug, mit dem er im Jahr 1934 als erster Mensch eine Flughöhe von 12.000 Metern erreichte. Sein Druckanzug gilt als Vorläufer heutiger Raumanzüge.
© Arrow Media/ TCB Media Rights Limited

Ein Anzug mit Windel für 12 Millionen Dollar

Was von außen wirkt wie ein simpler Overall, ist also in Wahrheit ein komplexes System. Deshalb dauert es auch etwa 45 Minuten, den Raumanzug anzuziehen. Früher wurden die Modelle für jeden Raumfahrer maßgeschneidert, heute werden sie mit unterschiedlich großen Komponenten geliefert, sodass sie von mehreren Astronauten geteilt und ein paar Jahre genutzt werden können. 80 Firmen sind an der Produktion eines Anzugs beteiligt, die Kosten für ein einziges Exemplar betragen 12 Millionen Dollar.

Trotz des hohen Budgets wird ein delikates Problem auf klassische Weise und kostensparend gelöst: Jeder Astronaut trägt eine Windel mit einem Fassungsvermögen von knapp einem Liter.

Autor: SVEN SAKOWITZ