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Palmöl in Indonesien

Eine Palmöl-Plantage in Südostasien. Foto: © ZDF / Wolfgang Thaler

Doku "Palmöl: Vom Urwald in die Schokocreme"

Der Palmöl-Skandal

Schokoriegel, Shampoo, Sprit: Fast alles enthält das Öl der Palmen. Um sie anzubauen, wird weltweit tropischer Regenwald zerstört.

Palmen, nichts als Palmen. Wie ein dicht geknüpfter Teppich zieht sich die Plantage über die Hügel im Norden Borneos - bis zum Horizont. "Eine grüne Wüste ohne Leben", sagt Regisseur Kurt Langbein. "Tiere gibt es dort schon lange nicht mehr."

Doku im TV: "Palmöl: Vom Urwald in die Schokocreme"

Denn was auf den ersten Blick beinahe idyllisch wirkt, ist in Wahrheit eine ökologische Katastrophe. Tausende Hektar Regenwald wurden abgeholzt, um diese Monokultur anzupflanzen. Wie skrupellos Agrarkonzerne dabei vorgehen, zeigt Langbein nun in seiner Dokumentation "Palmöl: Vom Urwald in die Schokocreme" (So., 11.10., ZDF, 20.15 Uhr).

Das Öl der Palmen ist das begehrteste der Welt, 60 Millionen Tonnen davon werden pro Jahr verbraucht. Es ist in etwa der Hälfte unserer Supermarktprodukte enthalten, von der Schokolade bis zur Pizza, in zahlreichen Riegeln, in Eis und Margarine. Es macht Cremes sowie Shampoos geschmeidig und lässt Waschmittel schäumen.

"Palmöl ist sehr lange haltbar, wird praktisch nicht ranzig und lässt sich in eine feste und eine flüssige Form aufspalten", so Langbein. "Es lässt sich einfach perfekt verarbeiten." Und dabei auch noch extrem billig erzeugen. Denn Ölpalmen sind zehnmal ertragreicher als Soja, sechsmal ertragreicher als Raps.

Dafür brauchen sie viel Sonnenlicht und etwa 150 Milliliter Regen pro Monat - beides gibt es in den Regionen um den Äquator, wo vor allem tropischer Regenwald wächst.

Indonesien setzt auf Palmöl

Als größter Produzent rodet Indonesien pro Jahr 620.000 Hektar für den Palmölanbau, das entspricht einer Fläche von ungefähr 100 Fußballfeldern - pro Stunde.

Seit Indonesien auf Palmöl setzt, belegt es auch in einer anderen Liste einen Spitzenplatz: Nach den USA und China ist das südostasiatische Land der drittgrößte Kohlendioxid-Erzeuger. Denn durch das Fällen der Regenwaldbäume wird das im Boden gespeicherte Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt.

Es klingt unglaublich, aber die Europäische Union fördert den Anbau von Palmöl sogar - indirekt: Um die eigenen Klimaziele einzuhalten, müssen bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Treibstoffs für den Straßenverkehr aus erneuerbaren Quellen stammen - und dazu gehören auch die Ölpalmen. Unterm Strich, so Experten, ist Palmöl aber klimaschädlicher als Erdöl. Langbein: "Das ist Irrsinn mit Methode."

Um Land für ihre Palmen zu gewinnen, ist den Ölkonzernen beinahe jedes Mittel recht. Allein in Indonesien gab es laut der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) 2012 fast 400 Landkonflikte im Zusammenhang mit dem Pflanzenöl. Häufig wird
den Ureinwohnern ihr Grund und Boden schlicht geraubt, Regierung und Justiz schauen dabei einfach weg.

Aber nicht nur die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Auch Orang-Utans, die in großen Wäldern heimisch sind, leiden unter der Rodung. Bis zu 2000 von ihnen sterben pro Jahr, weil ihr Lebensraum schrumpft.

Fragwürdiges Zertifikat

Als sich 2004 der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) gründete, galt das als Zeichen der Hoffnung. Denn hier wollte
der World Wide Fund For Nature (WWF) mit den Palmölkonzernen eine Strategie gegen den Raubbau entwickeln.

Tatsächlich gibt es seit 2008 ein Zertifikat für nachhaltig produziertes Palmöl. Doch das Siegel sei nichts wert, sagt Langbein, denn es sei bedingungslos zu haben: "Abholzung ist erlaubt, Chemie ist erlaubt, das ist ein Etikettenschwindel übelster Art." Auch die Umweltorganisation Robin Wood kritisiert den RSPO: "Er verhindert weder Regenwaldzerstörung noch Zwangsenteignungen."

In seinem Kinofilm "Landraub", der gerade angelaufen ist, lässt Regisseur Kurt Langbein den Investitionsberater Suriya Moorthy vorrechnen, wie man mit Palmöl reich werden kann. Dazu genüge schon eine Plantage von 10.000 Hektar. Moorthy: "Sie können pro Jahr mit einem Profit von 38 bis 40 Millionen Dollar rechnen."

Wie mächtig die Palmöllobby ist, demonstrierte sie in diesem Jahr in Frankreich: Als dort Umweltministerin Ségolène Royal zu einem Boykott der Schokocreme Nutella aufrief, weil sie neben Zucker vor allem Palmöl enthält, schlug ihr ein so rauer Wind entgegen, dass sie kurz darauf über Twitter "tausendmal um Entschuldigung" bat. Nutella-Hersteller Ferrero gehöre, so betonte die Politikerin plötzlich, zu den Unternehmen, die Palmöl "mit am fortschrittlichsten" einsetzen.

Tatsache ist: Auf seiner Internetseite schreibt der Süßwarenhersteller, die Nuss-Nugat-Creme werde seit 2013 hergestellt mit nachhaltig produziertem Palmöl - zertifiziert vom umstrittenen RSPO.

Autor: Michael Fuchs