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Das Grab von Pharao Tutanchamun gilt als Sensationsfund.

Das Grab von Pharao Tutanchamun gilt als Sensationsfund. / Foto: © picture alliance/Bibliographisches Institut/Prof. Dr. H. Wilhelmy

Wahrheit oder Illusion?

Der Fluch des Pharaos Tutanchamun

Die Geschichte beginnt mit einem einzelnen Grab – und sie endet mit insgesamt elf. Am 4. November 1922 gelingt dem Briten Howard Carter der wohl größte archäologische Fund der Historie: Im "Tal der Könige" in Ägypten entdeckt er den Zugang zur Gruft von Pharao Tutanchamun, der dort 3245 Jahre zuvor beigesetzt wurde. Das fast unberührte Grab mit mehreren Tausend wertvollen Artefakten und der Mumie des Herrschers ist eine Weltsensation.

Bald aber machen andere Ereignisse Schlagzeilen: Insgesamt elf Menschen, die mit dem Grab zu tun gehabt haben, sterben innerhalb weniger Jahre nach dem Fund, einige sogar nur Wochen danach, zum Teil unter mysteriösen Umständen. war es der "Fluch des Pharaos"? Der Begriff geisterte jedenfalls nach 1923, als das Grab erstmals geöffnet wurde, schnell durch die Zeitungen.

Die neue TV-Doku ''Tutanchamun'' (29.3., Discovery Channel, 17.50 Uhr) geht jetzt den letzten Geheimnissen rund um Pharao Tutanchamun nach, der im Alter von nur 18 Jahren verstarb. Dazu gehört eben jenes jahrzehntealte Rätsel um die zahlreichen Todesfälle unter den ersten Besuchern des Pharaonengrabs.

Art und Anzahl der Fälle sind zunächst in der Tat erstaunlich. Der US-Millionär George Jay Gould etwa stirbt kurz nach einem Besuch der Gruft an einem Fieber. Der ägyptische Prinz Ali Kamel Fahmi Bey wird 1923 von seiner Frau erschossen. Politiker Aubrey Herbert stirbt an einer Blutvergiftung. Woolf Joel, ein südafrikanischer Millionär, wird 1923 in Johannesburg erschossen, der Politiker Lee Stack wird ein Jahr später Opfer eines Attentäters. Auch das Ausgrabungsteam war betroffen: Der Radiologe Archibald Douglas-Reid hatte die Mumie geröntgt und stirbt 1924 an einer mysteriösen Krankheit.

Howard Carter

Der englische Archäologe Howard Carter im Jahr 1935 / Foto: © picture alliance / akg

Prominentestes Opfer ist Lord Carnarvon. Der Adlige, dessen Highclere Castle in Südengland heute übrigens als Drehort der TV-Serie "Downton Abbey" dient, ist der Finanzier der Grabungen. Ohne sein Geld wäre der Fund undenkbar gewesen. Der Ägyptenliebhaber wähnt sich am Ziel seiner Träume, als er im Februar 1923 erstmals das Grab betritt. Keine sieben Wochen später ist Carnarvon tot. Die offzielle Todesursache lautete: Lungenentzündung infolge einer Blutvergiftung. Doch für Teile der Presse war er das erste Opfer des Mumienfluchs.

Gerüchten zufolge hatten die Erbauer der Grabstätte auf einer Tontafel eine Warnung an mögliche Eindringlinge hinterlassen: "Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharaos stört." Grabflüche gab es durchaus in altägyptischen Totenbauten. Aber: In Tutanchamuns Gruft ist von besagter Tontafel keine Spur. Und das obwohl jedes der insgesamt 5000 Artefakte genauestens verzeichnet wurde. Verschwörungstheoretiker meinen, Carter hätte die Tafel versteckt, um sein Team nicht zu verschrecken.

"Hätte es so etwas wie einen Fluch gegeben, hätte es andere viel eher treffen müssen", meint der Ägyptologe Jaromir Malek, Ex-Leiter des Carter-Archivs an der Universität Oxford. "Etwa Douglas Derry, er hat als Pathologe die Mumie des Pharaos ausgewickelt." Von vorzeitigem Ableben kann aber bei ihm nicht die Rede sein. "Derry", weiß Malek, "starb erst 1961 im Alter von 87 Jahren."

Solche Unstimmigkeiten taten der Fluch-Legende keinen Abbruch; jeder Todesfall aus dem Umfeld der Entdeckung wurde zum übernatürlichen Phänomen erklärt. Denn lange schon ging von Mumien eine große Faszination aus, speziell von solchen, die vermeintlich unter Lebenden wandeln.

In den 1820er-Jahren gab es in London eine bizarre Theateraufführung, in der Mumien ausgewickelt wurden. Und Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle schrieb bereits 1892 eine Kurzgeschichte, in der eine zum Leben erweckte Mumie zum Mörder wird.

Aleister Crowley

Der Londoner Okkultist Aleister Crowley / Foto: © picture-alliance / United Archives/TopFoto

Einen Täter aus Fleisch und Blut hat dagegen Mark Beynon im Verdacht. Der Historiker und Autor ("London’s Curse", 2011) vermutet hinter vielen der Todesfälle Aleister Crowley. Der berüchtigte Londoner Okkultist (1875–1947) wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von seinen Anhängern kultisch verehrt. Seine schwarzen Messen samt Drogenexperimenten waren ein offenes Geheimnis in Londons Upperclass, sogar Gerüchte über Menschenopfer gab es.

Als selbst ernannter Prophet verkündete Crowley den Beginn einer neuen Ära. Darin kam den altägyptischen Göttern eine besondere Rolle zu, die Öffnung des Grabes Tutanchamuns muss für ihn ein Sakrileg gewesen sein. Der Doku zufolge kannte Crowley alle Todesopfer persönlich. "Die meisten Todesfälle ereigneten sich nicht weit von Caxton Hall entfernt, wo Crowley seine eigene Religion predigte", sagt Autor Mark Beynon. Beweise gegen Crowley als Mörder gibt es allerdings nicht.

Realer ist ein anderer Verdächtiger. In Tutanchamuns Grab fanden Forscher mehrere Schimmelpilzarten, etwa Aspergillus flavus. Die Erreger haben sich nach der Öffnung des Grabes 1923 auf beigelegten Nahrungsmitteln bilden können. Der US-Biologe Dr. Ralph Cavaliere hat im Labor Proben aus dem Grab untersucht. "In den meisten Fällen hat das Einatmen von Pilzsporen keine ernsten Folgen", erklärt er HÖRZU. "Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, kann gefährdet sein. Pilzinfektionen können schwere Gesundheitsprobleme verursachen, manchmal sogar tödlich sein."

War es das, was dem nach einem Autounfall chronisch erkrankten Carnarvon 1923 den Rest gab? Howard Carter meinte seinerzeit, angesichts der hygienischen Bedingungen in Ägypten sei Carnarvon im Grab sicherer gewesen als außerhalb. Carter selbst übrigens lebte bis 1939. Sollte ausgerechnet der Entdecker vom Fluch verschont worden sein?

Nicht ganz. Denn die Erforschung seines Fundes erlebte Carter nicht. Die Menge der Artefakte, die Komplexität der Arbeit und bürokratische Hürden sorgen dafür, dass bis heute erst 30 Prozent erforscht sind. Abergläubische könnten meinen, Tutanchamun halte mit aller Kraft an seinen letzten Geheimnissen fest – der letzte Racheakt eines in seiner Ruhe gestörten Pharaos.


Sendehinweis: ''Tutanchamun''

Doku über den mysteriösen Pharao
FR, 29.3., Discovery Channel, 17.50 Uhr

Autor: Michael Tokarski