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Arte-Doku Der Fluch des Edgar Hoover

"Der Fluch des Edgar Hoover": Zu seinem Stellvertreter Clyde Tolson (Anthony Higgins, re.)
pflegt der Direktor des FBI, John Edgar Hoover (Brian Cox, li.), eine enge Beziehung.
Foto: ARTE France / © Xavier Lahache/Program33/Planète +

Dokudrama über den FBI-Chef

"Der Fluch des Edgar Hoover"

Als FBI-Chef wollte J. Edgar Hoover Amerika retten. Doch mit seinen zweifelhaften Methoden setzte er selbst sich über die Gesetze hinweg.

Er kämpfte gegen das Verbrechen – und ließ dafür Tausende Bürger bespitzeln: J. Edgar Hoover war von 1924 bis 1972 Amerikas Oberpolizist, nämlich FBI-Chef, und so einer der mächtigsten Männer des Landes. Das Dokudrama "Der Fluch des Edgar Hoover" auf Arte zeigt die Rivalität zwischen ihm und der Kennedy-Familie. Denn der FBI-Chef kam den Liebesaffären von John F. Kennedy auf die Schliche – wusste allerdings zu viel, um abgesetzt zu werden.


TV-Tipp

Sa, 1.11.: "Der Fluch des Edgar Hoover", Dokudrama über den FBI-Chef und sein Duell mit den Kennedys; Arte, 20.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Hoovers Aufstieg begann 1919 im Justizministerium. Er verschrieb sich einem Krieg, den er sein Leben lang erbittert führte: dem Kampf gegen die Kommunisten. Buchautor Tim Weiner ("FBI: Die wahre Geschichte einer legendären Organisation", Fischer, 704 Seiten, 12,99 €) meint dazu: "Er sah sich als Oberbefehlshaber des Antikommunismus in Amerika." Für Hoover waren Kommunisten Staatsfeinde, die in den USA eine gewaltsame Revolution planten. Immerhin gewannen kommunistische Bewegungen zu dieser Zeit in Europa viele Anhänger, in Russland hatten die Bolschewiki bereits die Macht an sich gerissen. Als eine Bombenserie 1919 die USA erschütterte, organisierte Hoover die größte Massenverhaftung der US-Geschichte. Da war er 24 Jahre alt. Er ließ zwischen 6000 und 10.000 verdächtige Personen aufgreifen – und stieg in den Jahren danach schnell auf.

Hoover warnte vor Anschlägen

1924 wurde er zum Direktor des Bureau of Investigation (BOI) ernannt, der Vorgängerorganisation des FBI. Ein Posten, den Hoover 48 Jahre lang unter insgesamt acht Präsidenten innehatte – und erst mit seinem Tod wieder abgab. Hoover krempelte den Geheimdienst radikal um. Weiner: "Im Laufe der Zeit führte er eine Verbrechensstatistik ein, baute ein modernes Kriminallabor sowie eine Ausbildungsakademie auf und organisierte eine landesweite Fingerabdruckdatei." Darin hatte das FBI bei Hoovers Tod die Fingerabdrücke von 159 Millionen Menschen archiviert. Der FBI-Chef stationierte überall im Land Agenten, die mutmaßliche Kommunisten ausspionierten. "Mit der Zeit wurde der Mann zur Institution", so Weiner. "Er verlor nie den Glauben daran, dass das Schicksal der Nation von ihm und seiner Arbeit abhing."

Zugleich setzte er sich bei den Medien wie ein Filmstar in Szene. Er posierte mit einem Maschinengewehr in der Hand für die Pressefotografen und ließ sogar nachspielen, wie das berühmte Verbrecherpaar Bonnie und Clyde im Kugelhagel starb. Hoover schuf einen Apparat, in dem nur er selbst die Fäden in der Hand hielt. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, als Nazispione die USA unterwanderten, gab Präsident Roosevelt dem FBI-Chef grünes Licht für Telefonabhöraktionen. "Ab den 1930er-Jahren gehörten die Telefonüberwachung, das Installieren von Wanzen und Einbrüche zum festen Repertoire der Geheimoperationen des FBI", so Weiner.

Die Geheimdossiers

Hoover legte Geheimdossiers über Tausende Bürger an. Er jagte Linke in den Gewerkschaften, an den Universitäten, in Hollywood und in der Politik. Selbst Senatoren spionierte er aus. Das FBI hörte in Restaurants, Kasinos, Hotelzimmern und Privatwohnungen mit – alles ohne rechtliche Grundlage. Hinter vorgehaltener Hand wurde es deshalb auch Gestapo genannt.

Mit seinen Geheiminformationen brachte Hoover etliche Karrieren zu Fall, wodurch er sich eine Vielzahl von Feinden machte. Auch über ihn selbst kursierten Gerüchte: Angeblich hatte er eine Liebesbeziehung mit seinem Assistenten Clyde Tolson. Beweise gibt es dafür allerdings nicht.

Seine Position sicherte der FBI-Chef mit apokalyptischen Warnungen ab. Neben biologischen und chemischen Angriffen auf amerikanische Städte warnte er vor Selbstmordanschlägen mit Flugzeugen, die Regierungsgebäude in die Luft sprengen – und das schon im Jahr 1947, lange vor den Anschlägen des 11. September 2001.

Hoovers Informationen machten ihn praktisch unangreifbar. Das bekamen in den 60er-Jahren auch Präsident John F. Kennedy und sein Bruder Robert zu spüren. Hoover und Justizminister Robert Kennedy wurden zu erbitterten Gegnern. Kennedy verlangte, das FBI solle das organisierte Verbrechen ins Visier nehmen. Hoover hielt die Kommunisten für gefährlicher, da sie im Gegensatz zu den Mafiosi das politische System stürzen wollten. Seine Furcht vor Kommunisten ging so weit, dass er das Schlafzimmer des Bürgerrechtlers Martin Luther King abhören ließ. Er glaubte, King spiele eine Führungsrolle in der kommunistischen Verschwörung gegen die USA.

Komplott gegen Fidel Castro

Letztlich konnten die Kennedys dem FBI-Chef nichts anhaben. Er stützte sich auf die Macht der Geheiminformationen: Er kannte Kennedys Frauengeschichten, etwa die Affäre mit Filmstar Marilyn Monroe. Und er wusste, dass die Kennedys mit der Mafia in einen Attentatsversuch auf Kubas Staatschef Fidel Castro verstrickt waren. Damit hatte er die Brüder in der Hand. Und er ließ sie das auch wissen. So blieb Hoover weiter FBI-Chef – bis er 1972 einem Herzinfarkt erlag. Seine Hinterlassenschaft prägt den Geheimdienst noch heute. Weiner: "Jeder aktenkundige Fingerabdruck, sämtliche biografischen und biometrischen Daten in den Datenbanken der Regierung verdanken ihm ihren Ursprung."

Autor: Manuel Opitz