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Caren Miosga ist Patin der ARD-Themenwoche "Essen ist Leben"

Caren Miosga ist Patin der ARD-Themenwoche "Essen ist Leben"; Bild: © picture-alliance / SCHROEWIG/Schoen

Caren Miosga exklusiv in HÖRZU

Das schmeckt Kindern

Als Moderatorin der "Tagesthemen" im Ersten serviert Caren Miosga (41) den Zuschauern regelmäßig das Weltgeschehen in pointierten Texten. Dabei immer häufiger im Brennpunkt: Meldungen über Kinderarmut in Deutschland und die falsche Ernährung vieler Mädchen und Jungen. Als Patin der ARD-Themenwoche "Essen ist Leben" schreibt Caren Miosga, selbst zweifache Mutter, exklusiv in HÖRZU über das Thema Kinderernährung:

Adrian (8) kippelte auf seinem Stuhl hin und her. Es sah halsbrecherisch aus. Der Junge war zu Gast bei uns, ein älterer Freund meiner Tochter. Ihn hielt es kaum am Tisch, obwohl es Waffeln gab. Wenn Sie mich fragen, hat der süße, warme Duft von Butterwaffeln mit Puderzucker eigentlich auf alle Kinder eine beruhigende Wirkung. Eigentlich. Doch Adrian war von Anfang an nervös. Als ich ihn nach dem Grund für seine Ungeduld fragte, gab er eine erstaunliche Antwort: "Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal gemeinsam mit meinen Eltern gegessen habe – auch nicht zu meinem Geburtstag." Er war es einfach nicht gewohnt, mit anderen ruhig am Tisch zu sitzen und die gemeinsame Zeit zu genießen.

Am Geld liegt es nicht: Der Vater ist Anwalt, die Mutter Ärztin. Beide sind viel unterwegs. Adrian bekommt genug Bares, damit er sich selbst versorgen kann – mit Fast Food. Ein paar Moppel-Polster hat er sich bereits angefuttert. So erhielt der Begriff "Wohlstandsverwahrlosung" für mich erstmals ein Gesicht. Adrian ist keine Ausnahme, nicht mal ein Extrem. Vier von zehn Kindern essen am liebsten Fast Food: Pizza, Burger und Pommes. Das ergab eine repräsentative Elternumfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Bei Gurke, Zucchini und Co. winkt jedes dritte Kind ab: "Schmeckt nicht."

Die Folgen einer fett- und zuckerreichen Kost zeigen sich in der Kleidergröße: Wer sich wenig bewegt und viel Fast Food und Süßes isst, wird zu dick. In Städten wie Köln leiden bereits zwölf Prozent der Kindergartenkinder unter Fettleibigkeit, im Schulalter sind es sogar rund 20 Prozent. Gesundheitsexperten beklagen: Stark Übergewichtige neigen eher zu Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes – schon in jungen Jahren. Die Gewohnheiten der Kindheit halten sich meist so hartnäckig wie das Hüftgold. Und das ein Leben lang.

Oft wird einseitig gegessen und zum falschen Zeitpunkt: Jeder siebte Schüler kommt mit leerem Magen in die Klasse. Ein hungriger Körper aber bringt nur die halbe Leistung. Ohne Frühstück sind die Kinder nervös, angespannt und können sich schlecht konzentrieren. In der Pause greifen dann viele zu Zuckerbomben, die den Insulinspiegel schnell und kurz hochtreiben – ein Strohfeuer. Hinterher schaltet das Gehirn wieder auf Sparflamme.

Ein weiterer Aspekt ist die wachsende Kinderarmut: Der deutsche Kinderschutzbund geht davon aus, das hierzulande mehr als vier Millionen Jungen und Mädchen in relativer Armut leben. Jugendhäuser wie die in Berlin gegründete "Arche" mit insgesamt sieben Standorten in Deutschland und der Schweiz geben kostenlose Mittagessen an bedürftige Kinder aus. Arche-Mitarbeiter erleben täglich, dass in bildungsfernen, einkommensschwachen Familien das knappe Geld in andere Dinge gesteckt wird als in gesundes Essen.

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Autor: Caren Miosga