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Waldrapp

Nachdem er lange Zeit als ausgerottet galt, kehrt der Waldrapp wieder nach Deutschland zurück.- Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Abenteuer Wissen

Das Projekt "Waldrappteam"

Blauer Frühlingshimmel über dem bayerischen Burghausen. Ein paar Wölkchen, ein paar Kondensstreifen von Flugzeugen. Doch die Forscher halten nach etwas ganz anderem Ausschau: kleine schwarze Punkte am Horizont, die beim Näherkommen zur Silhouette von Vögeln werden. Genauer: von Waldrappen, jener bizarren Ibisart, die bei uns seit 350 Jahren ausgestorben und nur noch im Zoo zu bewundern ist. Ob es gelingt, die Tiere wieder in freier Natur anzusiedeln, könnte sich jetzt in Burghausen zeigen.

Hier arbeitet ein Forscherteam an dem ehrgeizigen Projekt: Rettet den Waldrapp! Ihn auszuwildern ist schwierig, denn er ist ein Zugvogel, im Herbst packt ihn das Reisefieber. Doch Tiere aus dem Zoo kennen den Weg nicht, statt in den Süden flatterten einige sogar gen Polen. "Offenbar müssen sie die Route erst von Altvögeln lernen", erklärt Verhaltensbiologe Dr. Johannes Fritz.

Waldrappe müssen die Zugroute erst lernen

Weil es in Zoos keine reiseerfahrenen Waldrappe gibt, springt der Mensch ein. Seit acht Jahren bringen Fritz und sein Team den Zugvögeln das Fliegen bei (Das Projekt "Waldrappteam"; Mittwoch, 30.03.2011, 22.15 Uhr, ZDF). Erstes Schulfach: Wer ist der Boss? Dr. Fritz: "Schon kurz nach dem Schlüpfen müssen sich die Jungvögel an ihre Zieheltern gewöhnen. Die Prägung erfolgt auf niemanden sonst." Beim bislang letzten Versuch im April 2010 adoptieren Daniela Trobe und Sinja Werner Waldrappküken. Das bedeutet: pro Tag 13 Stunden füttern, säubern, kraulen.

Auf dem Speiseplan im Münchner Tierpark Hellabrunn stehen Insekten, Mäuse, Ratten. Immer wieder röhrt Motorenlärm vom Band. Fritz: "Bevor die Vögel das Fluggerät erstmals sehen, sind sie schon an den Lärm gewöhnt." Zweites Fach: Wie hebt man ab? Am 27. Mai 2010 wechseln Daniela Trobe und Sinja Werner mit ihren Schützlingen ins Trainingscamp. Die jungen Waldrappe sind jetzt flügge. In Burghausen dürfen sie ihre Flugkünste erproben, den Himmel erkunden. Dabei lernen sie auch das lärmende Fluggerät kennen. "Die Vögel zeigten sich überraschend vertraut und unerschrocken", erinnert sich Dr. Fritz. "Und das Wichtigste: Sie folgten ihren Ziehmüttern."

Laguna di Orbetello: Ferien in der Toskana

Drittes Fach: Wo geht’s lang? Im August 2010 ist es so weit: Start Richtung Winterquartier, 1300 Kilometer von Burghausen über Slowenien bis in die Toskana. Dr. Fritz: "Natürlich läuft nie alles nach Protokoll." Erst verhindern Regen und Sturm den Start, doch am 20. August klappt es: Der Motor des Ultraleichtfliegers röhrt, sein mächtiger Schirm bläht sich auf, er hebt ab. Mit kräftigen Flügelschlägen folgen ihm 16 Vögel in perfekter Formation. Doch auf der zweiten Etappe verheddert sich ein Waldrapp in den Leinen des Schirms. Und am 27. August verzweifeln die Ziehmütter fast: Die Vögel wollen einfach nicht mehr folgen.

Nach zwei Stunden gibt das Team erst mal auf. Dafür werden die nächsten Etappen zum Erfolg. Bis zu 275 Kilometer nonstop legen die Vögel zurück. Am 12. September landen sie an der Laguna di Orbetello. Viertes Fach: Wie finde ich den Rückweg? Da sind die Waldrappe auf sich allein gestellt. Bis sie geschlechtsreif werden, bleiben sie drei Jahre lang in der Toskana. Während der Jagdsaison schützt der WWF Italien die inzwischen 32 Vögel in einer Voliere. Nach drei Jahren wollen sie zum Brüten zurück in die Heimat. Dort wartet man nun gespannt: Werden im Frühjahr 2011 die ersten von Burghausen aus gestarteten Waldrappe den Rückflug schaffen? Alle Blicke richten sich voll Hoffnung in den Himmel.

Autor: Kai Riedemann