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Der britische Archäologe Howard Carter um 1925

Der britische Archäologe Howard Carter um 1925 - drei Jahre nach dem Fund des Grabs von Pharao Tutanchamun / Foto: © picture-alliance / Imagno

Entdeckt von Howard Carter

Das Grab des Pharaos Tutanchamun

Künftige Weltstars sehen weiß Gott anders aus. Es ist das Jahr 1891, und Howard Carter betritt in der Hafenstadt Alexandria erstmals ägyptischen Boden: ein 17-jähriger, etwas kränklicher Jüngling, der hier sein Glück versuchen will. Talentiert mit dem Zeichenstift, gewiss, aber ohne richtige Schulbildung, geschweige denn mit formellen Kenntnissen in Archäologie und Ägyptologie. Ohne die aber wird Howard Carters fixe Idee, eine bedeutende archäologische Entdeckung zu machen, wohl ein naiver Teenagertraum bleiben.

So scheint es. Doch in Ägypten wird aus dem unauffälligen Jungen jener Mann, der 1922 den größten Fund in der Geschichte der Archäologie machen wird: das Grab von Pharao Tutanchamun. Die Nachricht von der Entdeckung geht um die Welt, löst eine Faszination für das antike Weltreich aus, die bis heute anhält. Selbst wer nichts über das alte Ägypten weiß, kennt die blau-goldene Totenmaske Tutanchamuns. Doch wer war Carter, jener Mann, der dem alten Ägypten ein Gesicht gab? Wie gelang dem wissenschaftlichen Außenseiter die Weltsensation?

Mit 30 Jahren wird Howard Carter gefeuert

Geboren wird Howard Carter 1874 in London. Aus gesundheitlichen Gründen lässt man ihn zu Hause unterrichten. Hier bringt ihm sein Vater, der Maler Samuel Carter, auch das Zeichnen bei. Ein glücklicher Zufall legt den Grundstein zur späteren Karriere des Jungen: Unweit der Familie lebt Lord Amherst, der eine riesige Sammlung ägyptischer Kunst besitzt. Amherst engagierte Samuel Carter für Zeichenaufträge, wobei Howard seinen Vater begleitete.

"Dort", sagt Dr. Jaromir Malek im Gespräch mit HÖRZU, "hat Howard Carters Faszination für Ägypten wohl ihren Ursprung." Dr. Malek ist Ägyptologe und zählt zu den größten Carter-Kennern der Welt. Als Leiter des Howard-Carter-Archivs am Griffith-Institut der Universität Oxford ist er Hüter der Aufzeichnungen des Entdeckers. "Carter war ein Autodidakt mit ungeheurer Entschlossenheit", erklärt Malek. "Angesichts seiner bescheidenen Herkunft könnte er eine Art Minderwertigkeitskomplex entwickelt haben, der ihn besonders hart arbeiten ließ."

Die Wissbegierde des Jungen spricht sich herum. Förderer aus besseren Kreisen verschaffen ihm Arbeit am Britischen Museum. Mit 17 Jahren reist Carter erstmals ins sagenumwobene Ägypten. Als Zeichner begleitet er Ausgrabungen und dokumentiert Grabanlagen. Während Carter Malereien und Reliefs kopiert, erlernt er die Grundlagen der Ägyptologie.

Der ehrgeizige Engländer steigt auf. Nach Jahren bei Ausgrabungen wird Carter 1899 Oberinspektor der Altertümerverwaltung. Doch 1904 kommt es zu einem Zwischenfall: Als ein französischer Tourist in Sakkara einen ägyptischen Wächter angreift, erlaubt Carter diesem ausdrücklich, sich zu wehren. Später verweigert Carter dem französischen Generalkonsul eine Entschuldigung für den Vorfall. Resultat: Er wird entlassen.

Mit 30 Jahren steht Howard Carter vor den Trümmern seiner Karriere. Jahrelang hält er sich in Luxor über Wasser – als Aquarellmaler, Händler, Dolmetscher. Erst 1908 wendet sich Carters Schicksal: Er trifft Lord Carnarvon, einen bedeutenden Aristokraten und Hobby-Ägyptologen mit großem Vermögen. "Es war ein extrem ungewöhnliches Duo, das da zusammenkam", sagt Dr. Jaromir Malek. "Hier der Autodidakt aus bescheidenen Verhältnissen, dort einer der wichtigsten Adligen seiner Zeit. Aber es funktionierte."

Autor: Michael Tokarski / Kai Riedemann