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Nähe: Sie zeigt uns, dass wir geliebt werden.

Nähe: Sie zeigt uns, dass wir geliebt werden. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Wahre Freunde

Das Glück der Freundschaft

Was ist ein Freund? Diese Frage stellte sich schon Aristoteles vor mehr als 2300 Jahren. Seine Antwort: eine einzige Seele, die in zwei Körpern wohnt. Und heute? Wie sieht Freundschaft in unserer modernen Welt aus?

"Meine Freunde bedeuten für mich vor allem Halt", sagt Ingrid König aus Frankfurt am Main. "Gerade in Zeiten, in denen es mir schlecht ging, waren meine Freundinnen immer für mich da. Als ich mich scheiden ließ und mit zwei Kindern plötzlich alleinerziehend war, als ich schwer erkrankte und als ich verlassen wurde – auf meine drei engsten Vertrauten konnte ich immer zählen." Wenn die 67-Jährige über Freundschaften spricht, verwendet sie gern das Wort "freiwillig". Oder auch "bedingungslos", denn so sollte man ihrer Meinung nach diese wichtigen Beziehungen leben.

"Enge Freundschaft zeichnet sich dadurch aus, dass eine hohe gegenseitige Wertschätzung vorhanden ist", sagt der Psychologe Dr. Horst Heidbrink von der Fernuniversität Hagen. "Man unterstützt sich gegenseitig. Nicht etwa weil man es muss, sondern weil man es will – ganz anders als bei Verwandten, bei denen man eine gewisse Verpflichtung hat", erklärt der Experte. "Freunde kann man sich eben aussuchen, Verwandte nicht."

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Buch-Tipp:
Martin Hecht - Wahre Freunde. Von der hohen Kunst der Freundschaft.
Goldmann, 224 S., 8,95 Euro

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Um große Nähe zu Menschen aufzubauen, die nicht zu unserer Familie gehören, ist vor allem eines nötig: viel Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen. Besonders in Frauenfreundschaften spielen Einfühlungsvermögen und der rege Austausch von Gefühlen eine große Rolle.

Das ist bei Männern ganz anders. Sie leben eher Seite an Seite. Das bedeutet, dass sie sich stark auf gemeinsame Interessen beziehen, zum Beispiel auf Sport oder Hobbys. "Männer teilen eher zwischen den Zeilen mit, wie es ihnen geht", sagt Dr. Heidbrink.

Wie wichtig den Deutschen Freundschaften sind, zeigt eine aktuelle Studie der BAT Stiftung für Zukunftsfragen. Demnach gehören sie bei 92 Prozent der Bundesbürger zur "unverzichtbaren persönlichen Lebensqualität". Zum Vergleich: Vor acht Jahren waren es noch 83 Prozent. Bei Alleinstehenden sagen derzeit sogar 95 Prozent: Ohne Freunde geht es nicht. "Für viele sind sie inzwischen zu einer Art zweiter Familie geworden. Vor allem für Singles und verwitwete Menschen stellen sie echten Familienersatz dar", sagt Soziologe und Buchautor Dr. Martin Hecht.

Doch gerade ältere Menschen tun sich häufig schwer, neuen Freundschaften eine Chance zu geben. "In jungen Jahren ist es ein Automatismus. Nähe entsteht fast wie von selbst, etwa in der Schule. Später werden die Kriterien härter, nach denen man sich Freunde aussucht", so Hecht. "Wir werden anspruchsvoller, haben andere Vorstellungen davon, wie der andere sein sollte." Für einige Menschen werden sogar Beruf und Status entscheidend.

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Autor: Antje Raupach