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Wer sich richtig motiviert, kann fast alles erreichen.

Wer sich richtig motiviert, kann fast alles erreichen. / Foto: © picture-alliance/chromorange / Foto Flashbühne: © picture-alliance / Pressefoto ULMER/Bjoern Hake

Mit Psychologe Dr. Manuel Tusch

Das Geheimnis der Motivation

Es waren nur helle Flecke auf den Aufnahmen eines Computertomografen, doch sie retteten Rom Houben das Leben. 1983 war der damals 20-Jährige nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Mit offenen Augen lag er ab da im Klinikbett. Alle glaubten, er sei hirntot. Die Wahrheit aber klingt noch schrecklicher: Der Belgier war 23 Jahre lang im eigenen Körper eingeschlossen. Er nahm die ganze Zeit seine Umgebung wahr: wie sich Mediziner nach dem Unfall über ihn beugten, wie sie mit der Zeit seltener kamen, wie eines Tages ein Arzt feststellte: "Der Patient ist so gut wie tot."

Houben sah auch die Tränen seiner Mutter – konnte sich aber keinen Millimeter bewegen. Konnte nicht zeigen: Ich bin noch hier, ich sehe, höre, fühle euch. Hätte der aufmerksame Mediziner Steven Laureys den Patienten 2006 nicht intensiver untersucht und eine Computertomografie seines Gehirns gemacht – Houben läge noch heute unbeachtet in seinem Bett. Nun kann der ehemalige Ingenieurstudent wieder mit anderen kommunizieren. Moderne Apparate machen es möglich. Mit ihrer Hilfe verriet er auch sein Überlebensgeheimnis: eisernen Willen. Er vertraute darauf, als Lebender "entdeckt" zu werden: "Ich meditierte 23 Jahre lang."

Ein Lehrstück, nicht nur für Mediziner. Auch Psychologen horchten auf, als Rom Houbens Geschichte publik wurde. Denn sie zeigt den Wissenschaftlern, was unser Wille zu leisten vermag. Und sie rückt drei zentrale Fragen unseres Menschseins ins Zentrum der Forschung: Können wir alles schaffen, was wir wollen? Wozu ist die Kraft unseres Willens wirklich imstande? Und: Wie kann jeder normale Mensch seine Willensstärke entdecken und von ihr profitieren?

"Es stimmt, dass Menschen alles schaffen können, was sie wollen", sagt der Psychologe Dr. Manuel Tusch, Autor des Ratgebers "Das Frustjobkillerbuch". "Aus dem Extrembeispiel dieses Menschen, der in seinem eigenen Körper eingeschlossen war, können wir lernen, dass unsere Ziele erreichbar sind, wenn wir uns extrem stark auf sie konzentrieren, wenn wir wie Houben unsere gesamte Energie darauf fokussieren."

Doch welche Rolle spielt der Realitätssinn, wenn es um unsere Ziele geht? Bislang war man der Auffassung, ein hohes Amt wie das des Bundeskanzlers könne man auch über den zweiten Bildungsweg erreichen – wie es etwa Gerhard Schröder tat. Aber es sei nicht möglich, als Analphabet einen Bestseller zu schreiben, der den Pulitzer-Preis gewinnt. Dr. Tusch wendet sich vehement gegen diese These: "Es gibt Menschen, denen das scheinbar Unrealistische gelingt. Wer seinen Blick nur auf das Machbare richtet, blendet viele Möglichkeiten aus. Wer Angst hat und seinen Zielen ausweicht, beugt sich der Furcht – und die ist ein Willensschwächer. Denn der Weg zum Ziel führt manchmal auch über Träume."

Zu den Menschen, die diesen Weg gingen, zählt Christiane Dierks aus Hamburg. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – sie war damals Geschäftsbereichsleiterin für Mode in einem großen Konzern – erkrankte sie im Jahr 2000 an Brustkrebs. Zugleich war die 35-Jährige schwanger. Ärzte rieten Dierks, das Kind abzutreiben: "Durch die Schwangerschaft wäre der Krebs um das Zehnfache potenziert worden. Er hatte gestreut und war hormonpositiv." Weil sie keine andere Überlebenschance sah, befolgte Dierks alle Ratschläge der Mediziner: Obwohl es sie todunglücklich machte, beendete sie die Schwangerschaft und ließ eine monatelange Chemotherapie über sich ergehen: "Ich hatte nur ein Ziel: gesund zu werden und mich auf keinen Fall unterkriegen zu lassen."

Vier Jahre nach Brustamputation und Chemotherapie plante Dierks eine gewagte Expedition: Gemeinsam mit neun anderen Krebspatienten wollte sie den höchsten Berg Südamerikas bezwingen, den Aconcagua, 6962 Meter hoch. "Ich wollte diesen Gipfel stürmen, um anderen Menschen Mut zu machen – und zu zeigen, dass man nach dieser Krankheit wieder zu Höchstleistungen fähig ist." Ihre Erkenntnis: "Auf dem Weg zum Ziel helfen uns Optimismus, Unbeirrbarkeit und der Glaube daran, dass wir das Bestmögliche aus uns herausholen können."

Die "Berge", an die man sich wagt, müssen ja nicht immer so hoch sein wie jener, den Dierks bezwang: "Es gibt auch viele ‚kleine Berge‘. Und die kann jeder bezwingen." Heute arbeitet die Hamburgerin als Coach und hilft anderen Menschen dabei, ihre Träume zu verwirklichen (Infos unter: www.the-image-institute.de).

Neues Motivations-Training – entwickelt von Diplom-Psychologe Dr. Manuel Tusch.

Autor: Mike Powelz