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Chinesische Fabrikarbeiterinnen setzen Mobiltelefone zusammen.

Chinesische Fabrikarbeiterinnen setzen Mobiltelefone zusammen. / Foto: © dpa

Chance oder Bedrohung?

China: 10 Wahrheiten über das Reich der Mitte

Bis 2017 wird China die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt sein – so die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Für deutsche Firmen, die ihre Produkte im Reich der Mitte herstellen oder unter seinen 1,3 Milliarden Einwohnern absetzen wollen, heißt das: Der Wettbewerb ist schärfer geworden. Wer mithalten will, muss die Gebräuche des kommunistischen Landes inhalieren wie das Abc. Denn China tickt anders.

Das beginnt mit der Art, Kontakte zu knüpfen, und reicht über die ausgeprägte Bürokratie bis hin zum Ideenklau. "Laut Konfuzius ist die Kopie das höchste Lob an den Urheber", erläutert Jens Aßmann von der Handelskammer Hamburg. Gegenstrategie: Kerntechnologien werden wieder in Deutschland hergestellt. Wer frühzeitig investiert hat, wie etwa der VW-Konzern, ist heute auf der Siegerstraße.


Videos über China:


Wer die Mentalitätsunterschiede ignorierte, musste scheitern. "In China braucht man einen langen Atem", sagt Christine Adelhardt, Leiterin des ARD-Studios Peking. Ihre Einschätzung: Die Goldgräberzeiten sind vorbei. China hat selbst Know-how angesammelt, die Konkurrenz durch chinesische Unternehmer ist größer geworden, die Lohnkosten steigen. Adelhardt: "Bei allem Fortschritt ist China ein autoritärer Staat, der keine Rechtsstaatlichkeit kennt." Typisch: Bei einer Umfrage der Außenhandelskammer nannten deutsche Unternehmer als eines ihrer größten Probleme die Korruption.

Christine Adelhardt, Leiterin des ARD-Studios Peking

Christine Adelhardt, Leiterin des ARD-Studios Peking / Foto: © NDR/Klaus Westermann

1 Ist China Bedrohung oder Chance für die deutsche Wirtschaft?
Beides. Noch haben deutsche Unternehmen einen technologischen Vorsprung. China braucht Innovationen und technologisches Know-how, um sich weiterzuentwickeln. Andererseits holt das Land auf. Es verfügt über gigantische Devisenreserven. Überall in der Welt investieren Chinesen und kaufen sich Fachwissen, Kompetenzen und Rohstoffe zusammen. Der autoritäre Staatskapitalismus unterstützt zudem heimische Unternehmen durch billige Kredite. Das sind Wettbewerbsnachteile für Unternehmen, die eine freie Marktwirtschaft gewohnt sind.

2 Was haben Chinesen uns voraus?
Sie sind unglaublich fleißig und wollen etwas erreichen. Ähnlich wie in den USA glauben viele daran, dass es zumindest ihren Kindern einmal besser gehen wird, wenn sie jetzt nur hart genug arbeiten. Die Mehrheit der Bevölkerung hat – anders als bei uns – mehr zu gewinnen als zu verlieren.

3 Wo sind die Deutschen stärker?
Kreativität, die Fähigkeit, Dinge infrage zu stellen und daraus neue Ideen zu entwickeln – das alles gehört bei uns zum Grundgerüst einer guten Ausbildung und ist Fundament unseres Erfolgs. In China fehlt das weitgehend. Es wäre gut, wenn wir uns mehr darauf besinnen würden, wie weit uns unsere aufgeklärte, freiheitliche Gesellschaftsform gebracht hat. Und wir sollten diese Werte auch entsprechend

Smog in Peking

Die Menschen tragen gegen den Smog in Peking einen Mundschutz. / Foto: © picture alliance / landov

4 Droht China ein Umweltkollaps?
Die Folge von 30 Jahren hemmungslosem Wirtschaftswachstum sind verseuchte Böden, verschmutztes Wasser, verdreckte Luft. Die Nachfrage nach Umwelttechnologie steigt. Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften werden wichtiger. Es gibt ernst zu nehmende Pläne, die Elf-Millionen-Stadt Peking, die neben Smog auch unter dem Flugsand der Wüste Gobi leidet, in eine andere Region umzusiedeln.

5 Erfordert der chinesische Markt Produktanpassungen?
Ja. Zum Beispiel bei Internetdiensten: Wegen der strengen Zensur sind Facebook und Twitter nicht zugelassen, Skype hat sich den chinesischen Vorgaben angepasst und eine spezielle Version seines Produkts entwickelt. Oder auch im Bereich Kosmetik: Die Firma Beiersdorf hat eine "Whitening"-Creme – also eine aufhellende Hautcreme – nur für den asiatischen Markt entwickelt.

6 Verändert sich die chinesische Kultur durch deutsche Importe?
Nicht nur durch deutsche! Früher klapperten Millionen Fahrräder durch die Straßen, heute stecken die Menschen in ihren Mittelklassewagen im Stau. Früher hat man hier keinen Wein getrunken, heute gilt das als schick. Früher waren Mao-Anzüge die Einheitskluft, jetzt gelten westliche Marken als cool, auch wegen der besseren Qualität.

7 Welche deutschen Produkte werden von Chinesen gekauft?
Vor allem deutsche Autos, insbesondere VW. Und Produkte im Luxussegment: Montblanc-Füller, Braun-Rasierer, Solingen-Messer. Chinesen lieben "Brands", also Marken.

8 Welche Branchen haben Zukunft?
Die deutschen Autobauer erzielen immer noch glänzende Geschäftsergebnisse. Deutsche Autos sind Statussymbole für die neue Mittelschicht. Zukunft haben auch Filtertechniken für den Umweltschutz, Maschinenbau, Krankenhausausstattung, Klinikmanagement und natürlich – wie bei uns auch – Produkte für eine älter werdende Gesellschaft, etwa Handys mit großen Tasten.

9 Werden die Chinesen auch in Deutschland alles wegkaufen?
Diese Angst ist unbegründet. Beispiel: Der schwäbische Betonpumpenhersteller Putzmeister wurde 2012 von Chinesen gekauft. Die Firma blieb an ihrem Standort, die Mitarbeiter erhielten eine Arbeitsplatzgarantie.

Chinesen beim Oktoberfest

Auch im Leipziger Freizeitpark Belantis wird das Oktoberfest stilecht gefeiert. Chinesische Touristen lieben es. / Foto: © dpa - Report

10 Ist Deutschland als Urlaubsland für Chinesen interessant?
Nur am Rande. Auch auf Reisen suchen Chinesen "Brands". In Deutschland punkten da nur Kölner Dom, Oktoberfest, Brandenburger Tor. Immerhin: Auf Chinesisch heißt Deutschland "Land der Tugend".


Sendehinweis: ''China, die neue Supermacht''

Die letzten 100 Jahre im Reich der Mitte
DI, 30.4., ARTE, 20.15 Uhr

Autor: Angela Meyer-Barg