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Einkaufstipps für gesundes Essen

Sendungstipp: "Hilfe! Was essen wir?"; Bild: © HR

50 Tipps

Besser einkaufen, besser essen

Der Mensch muss essen, Tag für Tag. Und weil die meisten von uns Obst, Gemüse oder Getreide nicht selbst anbauen, sind wir auf den Handel angewiesen – wohl oder übel. Denn leider kann man heute nicht mehr darauf vertrauen, gute und gesunde Nahrung zu bekommen. Tricksereien sind an der Tagesordnung: Da wird an den Zutaten gespart, werden uns dubiose Zusatzstoffe untergejubelt und gesundheitsfördernde Wirkungen vorgegaukelt. Der einzige Ausweg für uns Verbraucher: genau hinschauen, was man kauft und isst. Die folgenden Fragen und Antworten helfen, Qualität bei Lebensmitteln zu erkennen.

1. Warum soll man bevorzugt Obst und Gemüse aus der Region kaufen?
Wegen der kurzen Transportwege werden sie erst geerntet, wenn sie reif sind. Sie enthalten daher mehr Nährstoffe und schmecken besser. Konventionell erzeugte regionale Ware ist oft auch weniger belastet als importierte.

2. Worauf ist beim Kauf von Importiertem Obst zu achten?
Viele Früchte werden wegen des langen Transports unreif geerntet, doch nicht alle reifen auch nach. Ananas, Erdbeeren, Trauben, Kirschen und Zitrusfrüchte sollten Sie nur reif kaufen, weil sie sonst kaum Aroma haben. Noch ein Nachteil der importierten Produkte: Ihre Klimabilanz ist schlechter.

3. Darf es bei Obst und Gemüse auch mal Tiefkühlkost sein?
Natürlich. Gemüse, das direkt nach der Ernte schockgefroren wird, enthält mitunter sogar mehr Vitamine als Frischkost, weil viele davon durch Transport und Lagerung verloren gehen. Vorsicht: TK-Gemüse mit Sauce ist oft reich an Zusatzstoffen – und Kalorien!

4. Paprika aus konventionellem Anbau gelten als stark mit Pestiziden belastet. Wie ist das bei anderem Obst und Gemüse?
"Die Konzentration einzelner Pestizide ist gesunken", sagt Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace. "Dafür ist die Anzahl der Pestizide pro Frucht gestiegen." Forscher streiten darüber, ob sich die Stoffe addieren oder gar potenzieren. Anfang 2011 erscheint ein neuer Pestizid-Ratgeber von Greenpeace.

5. Können auch Kräuter und Gewürze pestizidbelastet sein?
Ja. Vor zwei Jahren fand Greenpeace 53 verschiedene Pestizide in Kräutern und Gewürzen, im Schnitt vier pro Probe. 18 dieser Stoffe waren in der EU nicht zugelassen. Stark belastet waren Paprika, Dillspitzen und getrocknete Petersilie. Pfeffer, Ingwer und frische Petersilie schnitten besser ab. Wer sichergehen will, kauft auch hier Bioware.

6. Sind Obst und Gemüse aus Bioanbau nährstoffreicher?
Das ist umstritten. Studien zeigen aber, dass Bioprodukte durchweg mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Und Biomilch enthält rund 60 Prozent mehr Omega-3-Fettsäuren als konventionell erzeugte Milch.

7. Gibt es bei Biolebensmitteln große Qualitätsunterschiede?
Ja. Das staatliche Biosiegel garantiert nur einen Mindeststandard in Sachen Anbau und Tierhaltung. Verboten ist etwa der Einsatz von Gentechnik, Pestiziden und vielen Zusatzstoffen, Tiere werden artgerecht gehalten und gefüttert. Anbauverbände wie Demeter, Bioland und Naturland arbeiten darüber hinaus nach eigenen, strengeren Richtlinien.

8. Ist auch auf frische Bioware aus dem Ausland Verlass?
Was die Pestizidbelastung betrifft, ja. Laut aktuellem Bericht zum Ökomonitoring 2009 aus Baden-Württemberg haben Prüfer selten Rückstände gefunden, und wenn, nur geringe. Selbst zuvor kritisierte Länder wie Italien oder die Türkei haben sich verbessert.

9. Der Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl ist 24 Jahre her. Sind Pilze heute wirklich noch strahlenbelastet?
Das ist eine Frage des Bodens. Am höchsten ist die Belastung mit radioaktivem Cäsium 137 in Baden-Württemberg und Bayern. Vor selbst gesammelten Pilzen in diesen Gegenden raten Experten ab. Die Werte variieren aber. Mehr Informationen bietet das Bundesamt für Strahlenschutz. Zuchtpilze sind nicht betroffen.

10. Sind Wurst und Käse von der Frischetheke besser als verpackte Ware?
Wer an der Frischetheke kauft, vermeidet jedenfalls gefährliche Weichmacher, die aus der Folie in die Nahrung übergehen können. Nachteil ist die fehlende Kennzeichnung an der Theke. Die lässt sich aber erfragen.

11. Ist Analogkäse noch im Umlauf? Woran ist er zu erkennen?
Der Skandal um den falschen Käse hat 2009 hohe Wellen geschlagen. "Alle damals von uns genannten Produkte sind vom Markt verschwunden", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Zu erkennen wäre er an der Zutatenliste: Pflanzenfett, Aromen und Geschmacksverstärker statt echter Milch. Im Supermarkt werde das Imitat derzeit nicht mehr verkauft, eventuell aber in der Gastronomie noch eingesetzt.

12. Spricht etwas dagegen, Fertig geriebenen Käse zu kaufen?
Tütenkäse muss mit Trennmitteln versetzt werden, damit er nicht klumpt. Außerdem ist er häufiger von Schimmel befallen. Stiftung Warentest fand bei einer Prüfung weitere Keime. Daher: lieber selber reiben.

13. Sind deutsche Milchprodukte frei von Gentechnik?
Nein. Genmais oder Gensoja im Tierfutter ist nicht kennzeichnungspflichtig. Daher gelangen diese Pflanzen über die Tiere auf den Teller der Verbraucher, denn viele große Hersteller verzichten nicht auf Genpflanzen beim Tierfutter. Weitere Infos bietet der Ratgeber "Essen ohne Gentechnik" von Greenpeace.

14. Gibt es einen Vitaminverlust bei der "längerfrischen" Milch?
Nein, die sogenannte ESL-Milch (Extended Shelf Life) enthält ebenso viele Vitamine wie Frischmilch. Die längere Haltbarkeit gilt nur für die geschlossene Packung: Nach dem Öffnen verdirbt sie ebenfalls in einer Woche.

15. Sind fettarme Produkte tatsächlich besser für das Herz?
Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis. Zahlreiche Studien konnten keinen Zusammenhang finden zwischen dem Konsum fettreicher Milchprodukte und einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten. "Zwei jüngere Studien aus Schweden ergaben, dass reichlicher Konsum von fetten Milchprodukten die Herz- und Hirngefäße sogar schützen könnte", sagt Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder.

16. Welchen Nutzen haben probiotische Joghurts?
Das ist umstritten. Unabhängige Forscher zweifeln Herstellerstudien an, schreibt Autor Hans-Ulrich Grimm in seinem neuen Buch "Die Ernährungsfalle" (Heyne). Ob probiotische Produkte hilfreich sind, sei fraglich. Die angeblich gesunden Bakterien im Joghurt können sogar unkontrollierte Entzündungsreaktionen auslösen. Einige Wissenschaftler bemängeln, dass es an Langzeitstudien zu Auswirkungen der künstlichen Zufuhr von Bakterien fehlt.

17. Sind Braune Eier besser als weiße?
Nein. Die Farbe der Schale hängt allein von der Rasse der Hühner ab.

18. Warum ist das Eigelb von Bioeiern blasser als das von konventionellen?
Manche Erzeuger geben Karotin ins Tierfutter, damit die Eidotter später eine kräftig orangegelbe Farbe haben. Das aber wird bei Biohühnern nicht gemacht.

19. Worauf muss man achten, wenn man Eier aus Käfighaltung meiden will?
Die Haltungsform ist auf der Schale abzulesen: 3 steht für Käfig-, 2 für Boden-, 1 für Freiland-und 0 für Biohaltung. Übrigens: Eier, die in Industrieprodukten wie Gebäck, Nudeln oder Desserts verarbeitet werden, stammen meist aus Käfighaltung.

20. Woran kann man gutes Fleisch erkennen?
Das ist für Verbraucher meist schwer ersichtlich und eine Frage des Vertrauens. Geruch und Optik liefern Hinweise: Gutes Rindfleisch ist dunkelrot und fein marmoriert, Kalbfleisch eher rosa. Schweinefleisch ist hellrot bis rot, Geflügelfleisch hell. Ein guter Fleischer kann sagen, wie das Tier gehalten und womit es gefüttert wurde, ob es beispielsweise ohne Auslauf im Stall gemästet wurde oder auf der Weide grasen durfte. Finger weg von Fleisch, das im eigenen Saft liegt, denn es würde beim Braten austrocknen!

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Autor: Sonja Popovic; Bild: © HR