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Der norwegische Schauspieler Pål Sverre Valheim Hagen

Der norwegische Schauspieler Pål Sverre Valheim Hagen spielt im Kinofilm ''Kon-Tiki'' den Abenteurer Thor Heyerdahl (siehe Plakat). / Foto: © dpa

Neuer Kinofilm über den Abenteurer

Auf den Spuren von Thor Heyerdahls ''Kon-Tiki''

Der Hafen von Callao wird immer kleiner, als der Schlepper die "Kon-Tiki" aufs Meer vor Peru zieht. Bald sind sie auf sich allein gestellt, die sechs Männer auf ihrem wackeligen Floß, mit dem sie den Pazifik überqueren wollen. Das Gefährt ist aus Balsaholz gebaut, als Antrieb dienen die Segel und der Humboldtstrom. "Kapitän" ist der Norweger Thor Heyerdahl, mit 32 Jahren bereits ein bekannter Forscher und Abenteurer – aber Nichtschwimmer! Der Spielfilm ''Kon-Tiki'' erzählt jetzt die Geschichte seiner legendären Expedition neu (Kinostart: 21. März). Er brachte den Machern eine Nominierung für den "Oscar" ein.

Der erste, "originale" Film aus dem Jahr 1950 gewann 1951 den Wettbewerb als beste Dokumentation. Am 28. April 1947 brechen sechs Männer von Peru Richtung Südsee auf, neben Heyerdahl vier weitere Norweger und ein Schwede. Erfahrung als Seemann hat keiner von ihnen. Auf den Weiten des Pazifischen Ozeans sind sie den Naturgewalten schutzlos ausgesetzt, immerhin haben sie mehrere Funkgeräte dabei.

Wird der Proviant aus 1100 Litern Wasser, 200 Kokosnüssen, Süßkartoffeln und eingelegtem Kürbis reichen? Der Optimist Heyerdahl zerstreut beim Start alle Zweifel – und wird es noch öfter tun auf dieser Expedition über 102 Tage und 8000 Kilometer. Sein Ruf "Glaubt an Kon-Tiki!" wird zum Motto der Reise. Das Antlitz des gleichnamigen Inkagottes prangt auf dem Segel, das sich im Wind wölbt, der das Floß gen Südsee treiben soll.

Kon-Tiki

Das Floß ''Kon-Tiki'' 65 Jahre nach der legendären Pazifik-Überquerung des Norwegers Thor Heyerdahl / Foto: © dpa

Der neue Film beginnt zehn Jahre früher und zeigt den 23-jährigen Heyerdahl (Pål Sverre Valheim Hagen) und seine Frau Liv (Agnes Kittelsen) auf der Südseeinsel Fatu Hiva. Nach ihrer Hochzeit leben die beiden dort fast ein Jahr lang wie Adam und Eva im Paradies. Immer wieder lauscht der junge Norweger den Legenden der Eingeborenen über den Sonnengott Kon-Tiki, der einst auf einem Floß aus Balsaholz gekommen sein und die Region besiedelt haben soll.

Im Paradies kam die Idee

Heyerdahl findet alte Monumente, die denen in Südamerika ähneln. Und dann ist da noch das seltsame Treibholz, welches eindeutig von Osten her angespült wird. Bald ist Heyerdahl überzeugt: Die Südsee wurde gar nicht, wie bisher angenommen, von Asien her besiedelt, sondern von Amerika aus! Der junge Forscher will der Welt seine Theorie beweisen – mit einer waghalsigen Reise. Ein Floß, gebaut nach den Berichten spanischer Eroberer aus dem 16. Jahrhundert über die Boote der Eingeborenen vor der Küste Südamerikas. Es soll Heyerdahl und seine Crew mit der Strömung vom amerikanischen Kontinent über den Pazifik bis nach Polynesien treiben.

Ein Sturm im Wassertank

Im norwegischen Sandefjord träumen 50 Jahre später die beiden Freunde Espen Sandberg und Joachim Rønning davon, berühmte Regisseure zu werden. Am liebsten würden sie einen Film über Thor Heyerdahl drehen, der ihr größtes Vorbild ist, wie Sandberg HÖRZU verrät. "Alt und Jung kennt in unserer Heimat die Geschichte der ,Kon-Tiki‘. Heyerdahl ist in Norwegen eine Art Held. Und er stammte aus unserem Nachbardorf!"

Der Traum der beiden Freunde ging in Erfüllung, und heraus kam der teuerste und aufwendigste norwegische Film aller Zeiten. Gedreht wurde unter anderem auf den Malediven und in Thailand. Aber der größte Teil entstand auf Malta. Der perfekte Drehort, so Sandberg. "Schon Steven Spielberg machte Malta für seinen Film ‚München‘ zum Schauplatz von sechs Ländern, weil es so vielseitig ist."

Und noch etwas bot Malta: einen gigantischen Wassertank. In diesem bis zu 50 Meter tiefen Bauwerk der Mediterranean Film Studios, das mit Wellenmaschinen, Hebebühnen und Wasserkatapulten ausgestattet ist, entstanden bereits die "Wickie"-Filme (2009 und 2011) und das TV-Piratenepos "Blackbeard" (2006). Perfekt also, um den Sturm zu drehen, in den die "Kon-Tiki" gerät. Das kleine Floß wird von den tosenden Wellen wie ein Spielzeug umhergeworfen.

Wer seinen Film auf hoher See spielen lässt, braucht Dramatik. Da liegt ein Haiangriff nahe. Die Szene, in der Crewmitglied Herman Watzinger attackiert wird, sorgt für Spannung. "Das ist damals tatsächlich passiert", erzählt Regisseur Espen Sandberg. "Herman wollte seinen Schlafsack aus dem Wasser fischen. Sein Kamerad Knut sprang hinterher und rettete ihn in letzter Sekunde vor einem Hai. Der hat dann nur den Schlafsack gefressen."

Der dramatische Höhepunkt in der Südsee: Das Floß steuert mit rasender Geschwindigkeit auf das messerscharfe Raroia-Riff zu. "Haltet euch fest!", ruft Heyerdahl. Wird die "Kon-Tiki" so kurz vor dem Ziel untergehen? Werden alle Crewmitglieder sterben? Fakt ist: Die "Kon-Tiki" erreicht am 7. August 1947 das Raroia-Atoll – und zwar unbeschadet. Das Korallenriff hatte Thor Heyerdahl tatsächlich überhaupt nicht einkalkuliert.

"Das Hauptproblem lag darin, das Floß zu manövrieren. Deswegen sind sie in Polynesien auf das Riff aufgelaufen", erklärt Heyerdahls Enkel Olav, der 2006 dieselbe Route über den Pazifik nachfuhr. Sein Floß "Tangaroa" war ein fast identischer Nachbau, allerdings hatte Olav bei seiner Abenteuerfahrt ein modernes GPS-System an Bord. Und so war es denn auch die "Tangaroa", die für den Dreh zum Einsatz kam. "Wir konnten ja nicht die originale ,Kon-Tiki‘ aus dem Museum holen", erklärt Regisseur Espen Sandberg. "Aber es ist faszinierend zu wissen, dass das Filmfloß dieselbe Reise auf dem Buckel hat."

Autor: Wiebke Toebelmann