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Arte-Doku Spur der Tempelraeuber Kunstschaetze im Nationalmuseum von Phnom Penh

Arte-Doku "Die Spur der Tempelräuber" (2.9., 20.15 Uhr): Die Kunstschätze im National-
museum von Phnom Penh sind Kambodschas ganzer Stolz. © SWR/Luckfilm Foto: SWR

Dokus über Handel mit Kunst

Arte-Themenabend: "Kunstmafia und Kriegsmillionen"

Alte Preziosen aus Tempeln und Gräbern werden geraubt und in Europa verkauft. In dem illegalen Geschäft mischen sogar Terrormilizen mit.

Alles nur geklaut: jahrhundertealte Statuen aus Kambodscha, wertvolle Keramiken aus Afghanistan, einzigartige Goldmünzen aus Israel. Von Kunsträubern aus der Erde gegraben oder aus Tempeln gestohlen – und nach Europa geschafft. Der illegale Kunstmarkt blüht rund um den Globus: Das zeigt auch der Arte-Themenabend "Kunstmafia und Kriegsmillionen" in zwei Dokus. Ein Milliardengeschäft, in dem nicht nur skrupellose Plünderer, Schmuggler und Händler mitmischen: Die Spuren führen sogar bis zu Terrororganisationen.


TV-Tipp

Di, 2.9.: "Kunstmafia und Kriegsmillionen", Themenabend mit zwei Dokus über Handel mit Kunst; Arte, ab 20.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Die wahren Ausmaße dieser illegalen Machenschaften können nur geschätzt werden: Der amerikanische Geheimdienst CIA beziffert den Schaden durch Kunstkriminalität auf sechs Milliarden Euro im Jahr. Nur Geldwäsche, Drogen- und Menschenhandel sind noch lukrativere Kriminalitätszweige. Betroffen sind vor allem krisengeschüttelte, instabile Länder, in denen dem Staat die Kontrolle entglitten ist: beispielsweise Afghanistan, Irak und Syrien.

Der Kunstexperte Arthur Brand aus den Niederlanden versucht herauszufinden, wer antikes Diebesgut schmuggelt, wo es herkommt – und wer es kauft. Er ist überzeugt: "Auf jeden offiziellen Archäologen kommen 400 bis 500 illegale Grabräuber." Das alles klingt nach hoch professionellen Tätern – doch der Holländer stellt klar: "Meist sind es Bauern oder Dorfbewohner, die in bitterer Armut leben und aus ihrer Not heraus nach Antiquitäten graben."

Wie kommt die Hehlerware nach Europa?

Vom Gesamterlös sehen sie jedoch kaum etwas, nur zwischen einem und fünf Prozent, schätzt Brand. Den Löwenanteil teilen die vielen Zwischenhändler unter sich auf. Doch wie kommt die Hehlerware überhaupt nach Europa? Entweder verkaufen die Finder sie auf örtlichen Märkten, oder sie bieten sie lokalen Machthabern an. Und das sind in Afghanistan häufig die Taliban, im Irak ist es die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und im Libanon die Hisbollah. Sie treten als gut vernetzte Zwischenhändler auf – und betreiben den illegalen Vertrieb mit System. Brand: "Die Taliban nutzen ihre Schmuggellinien für Heroin auch für Kunstgegenstände, um Waren von Afghanistan nach Pakistan und letztendlich nach Europa zu schaffen." Das erfolgt per Schiff oder auch mit dem Flugzeug. Korrupte Beamte lassen sich von den dubiosen Zwischenhändlern bestechen – und drücken bei der illegalen Fracht ein Auge zu.

Die wichtigsten internationalen Drehkreuze sind Dubai und die Schweiz. Von dort treten die gestohlenen Kunstwerke die Reise zu ihrem Bestimmungsort an: häufig Paris, London oder Brüssel. "In Deutschland laufen die Fäden der illegalen Kunstszene in München zusammen", berichtet Brand. Sind die Antiquitäten erst einmal in Europa, werden dort rigoros Dokumente gefälscht und so illegal eingeführte Waren legalisiert. Seit 1970 legt eine Konvention der Unesco zwar fest, dass Händler nachweisen müssen, woher die Antiquitäten stammen. Doch in der Praxis funktioniert diese Regelung längst nicht immer. Brand: "Auf dem Papier wurde ein Kunstschatz dann eben nicht gerade ausgebuddelt, sondern befindet sich schon viele Jahrzehnte in Familienbesitz."

Zweifelhaften Herkunft der Ware

Westliche Kunsthändler wissen in der Regel von der zweifelhaften Herkunft der Ware. Und verkaufen sie trotzdem. Was zählt, ist der Profit. "Die Händler argumentieren, bei diesem Geschäft gebe es ja keine Toten", erklärt Brand. Ein Trugschluss. Der Experte gibt zu bedenken: "Terrororganisationen finanzieren ihre Waffen und Feldzüge auch mit Geldern aus dem Kunsthandel." Er schätzt: Zehn bis 20 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Antiquitätengeschäft. Deshalb nennt er die gestohlenen Kunstschätze auch "blutige Beute".

Der Schaden für die Länder, aus denen die Kulturgüter geklaut werden, ist enorm hoch. Arthur Brand: "Das ist so, als wenn man Seiten aus einem Geschichtsbuch herausreißt." Mit jedem gestohlenen Kunstschatz verlieren die Staaten auch ein Stück Identität. Die Zollbeamten in Europa stehen den Machenschaften hilflos gegenüber. Herauszufinden, ob ein antikes Kunstwerk geraubt wurde oder nicht, ist äußerst schwierig. Außerdem gibt es zu wenig Personal, um den riesigen Markt zu kontrollieren. "Hunderttausende Kunden im Westen wollen solche Kunstschätze um jeden Preis in ihrer Sammlung haben", so Brand. "Und die stellen keine Fragen."

Autor: Manuel Opitz