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Christiane Hörbigers Lieblingsort in Wien: das Schloss Belvedere

Das Schloss Belvedere in Wien - Foto: © www.piqs.de / happyfranse, CC (Some rights are reserved.)

Exklusiv in HÖRZU

Christiane Hörbigers Wiener Geschichten

Ein berühmter Name kann ein Geschenk sein – oder eine Bürde. Christiane Hörbiger aus dem berühmten Clan der Burgschauspieler hat ihre Geburtsstadt lange lieber aus respektvoller Distanz betrachtet. Doch das ist Vergangenheit. Unterdessen wohnt sie nahe dem Stephansdom und ist längst überall nur noch "die Hörbiger".

Im vergangenen Jahr erhielt sie die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien – die vorerst letzte Auszeichnung in einer langen Reihe von österreichischen Ehrungen. Exklusiv in HÖRZU beschreibt die 71-Jährige, warum sie sich von ihrer Geburtsstadt wieder "in den Arm genommen" fühlt:

Lange hatte ich ein komisches Gefühl, wenn ich im ersten Bezirk, der Innenstadt, unterwegs war. Hoffentlich sind meine Fingernägel sauber, hoffentlich schaut keiner. Ich fühlte mich ganz klein. Es war nicht leicht, eine aus dem Hörbiger-Clan zu sein, die versucht, die Spur der berühmten Eltern Paula Wessely und Attila Hörbiger aufzunehmen.

Unvergessen eine kleine Episode, viele Jahre her: Ich hatte gerade meinen ersten Film gedreht und wurde auf der Straße von einer Frau angesprochen: "Sie sind doch die Tochter von der Wessely?" Ich, geschmeichelt: "Ja." – "Ihnen hängt da am Mantel ein Banderl raus. Das wollte ich Ihnen nur sagen. Das sieht so schlampert aus."

Für eine längere Phase meines Lebens bin ich nach Zürich ausgewichen und habe dort am Schauspielhaus Theater gespielt. Den freien Fernsehmarkt gab es damals noch nicht, und ich trug die Verantwortung für meinen Sohn Sascha. Später bin ich mit meinem Lebenspartner Gerhard Tötschinger nach Baden bei Wien gezogen. Inzwischen haben wir auch eine kleine Wohnung in Wien. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich eine Mauer, einen Baum mit Vögeln. Nachts leuchtet gegenüber ein Fenster. "Hallo, mein schlafloser Freund", grüße ich dann. Ein gutes Gefühl, mittendrin zu sein: im Herzen der Stadt, in meinem Wien!

Mittlerweile bin ich ganz unbeschwert im ersten Bezirk unterwegs. Sogar U-Bahn fahre ich gern. Kopftuch umgebunden, Sonnenbrille auf der Nase: Von den jungen Studenten und den Neubürgern aus der EU erkennt mich keiner. Im ersten Bezirk versammelt sich alles: die vielen Kaffeehäuser, der Stephansdom, die Betenden, die nicht Betenden. Der Kohlmarkt mit all den Nobelboutiquen von Armani über Chanel bis Louis Vuitton.

Wenn ich Zeit habe, gehe ich ins Café Frauenhuber in der Himmelpfortgasse, Zeitung lesen. Cafés sind ausgelagerte Wohnzimmer, und dieses sieht auch so aus mit den verschwiegenen Räumen und den rot bezogenen Stühlen. Bei Cafés hat man in Wien wirklich die Qual der Wahl: Gern bin ich auch im Café Schwarzenberg am Kärntner Ring oder im Café Diglas am Fleischmarkt. Danach ein Bummel durch die Weihburggasse: In dem antiquarischen Buchladen Aichinger, Bernhard & Comp. in einem wunderschönen Barockhaus kann ich stundenlang stöbern.

Wer gern einmal die Leiter in die Vergangenheit hinabsteigen möchte, ist in Wien im Paradies. Wenn mein Enkel Luca zu Besuch kommt, nehmen wir uns einen Fiaker und machen die kleine Kutschenrunde bis zum Michaelerplatz. Weiß und golden strahlt er – eine Pracht! Dann natürlich das Burgtheater, wo meine Eltern Attila Hörbiger und Paula Wessely gefeiert wurden, wo ich als Recha in "Nathan, der Weise" meine Feuerprobe bestand. Dieses Theater mit dem üppigen Stuck ist ein Palast, in dem der Kunst gehuldigt wird. Der Name Hörbiger steht übrigens weiter auf dem Spielplan: Kürzlich habe ich dort meine Nichte Mavie Hörbiger gesehen in einem Thomas-Bernhard-Stück. Und meine Schwester Elisabeth Orth in einer Inszenierung von Andrea Breth.

Manchmal fahre ich nach Grinzing hinaus und besuche den Friedhof. Meine Eltern sind hier begraben. Wenn ich die stillen Wege gehe, erinnern mich die Grabsteine an viele andere Künstler aus Wien: den Schriftsteller Thomas Bernhard, den Komponisten Gustav Mahler und seine Frau Alma Mahler-Werfel. In Grinzing steht in der Himmelstraße 24 auch mein Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Meine Schwester Maresa Hörbiger hat die Villa übernommen und dort einen Kultursalon eingerichtet. Das "Theater zum Himmel" fördert junge Künstler aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien. So wird die Tradition von Generation zu Generation weitergetragen. Tradition – auch das liebe ich so an Wien.

Reise-Info: Wien erleben

Flug z. B. ab Frankfurt, ab 99 Euro hin und zurück (Lufthansa, www.flug.de)

Hotel "Altstadt Vienna" in der Kirchengasse im Künstlerviertel Wiens mit stilvollen, individuellen Zimmern (Doppelzimmer ab 139 Euro inkl. Frühstück, www.altstadt.at Tel. 0043/1/522 66 66).

Café Prückel, Stubenring 24, Mohnkuchen 3 Euro, Wiener Melange 3,20 Euro.

Reisezeit: Besonders angenehm ist es von April (14° C) bis Juni (22° C).

Autor: Christiane Hörbiger