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Gewürze auf dem bunten Basar in Chiwa in Usbekistan.

Gewürze auf dem bunten Basar in Chiwa in Usbekistan. Chiwa ist ein traditioneller Handelsort. - Foto © picture-alliance / Rolf Philips

Städte der Seidenstraße

Zauber des Orients

Ein Märchen wird wahr: Heute erstrahlen die Städte der Seidenstraße wieder in altem Glanz. Erleben Sie den Orient hautnah.

Früher müssen diese Türme und Tore mit ihrem Mosaikschmuck auf die Menschen gewirkt haben wie heute die glänzend verglasten Hochhäuser New Yorks auf uns. Etwa die Minarette von Chiwa, dessen Altstadt als Ensemble zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Früher muss man sich auf dem Registan-Platz in Samarkand gefühlt haben wie in einer Schatztruhe. Früher? Nein, auch heute! Diese Architektur. Diese Ornamentik. Die ganze Struktur der Anlage.

Urlaub Seidenstraße

Im Gur-Emir-Mausoleum in Samarkand. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH


Erlebnis Orient

Anreise: Uzbekistan Airways fliegt zweimal pro Woche von Frankfurt nach Taschkent. Der Flug dauert sechs Stunden. Eine Reihe von Veranstaltern bietet Pauschalreisen an, z. B. www.dertour.de
Unterkunft: Es existiert ein gutes Angebot an Hotels, aber auch an Bed-and-Breakfast-Unterkünften. Tipps von Reisenden unter www.tripadvisor.de
Souvenirs Weltberühmt sind die Buchara-Teppiche. Günstig: Seidenstoffe und alte Bücher.


Drei islamische Universitäten, jeweils Hunderte Jahre alt, liegen sich hier gegenüber mit ihren riesigen kachelbedeckten Portalen. Innen wurde früher der Koran gelehrt, aber beispielsweise auch Mathematik und Astronomie. Rund hundert Studenten lebten und studierten in den Hochschulen. Der Registan, ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe, ist das Herzstück der zentralasiatischen Stadt Samarkand. Stadt und Platz sind ein Muss für alle Reisenden, die sehen wollen, wie es früher auf der Seidenstraße zuging. Denn Samarkand ist 2700 Jahre alt und historisch ähnlich bedeutsam wie etwa Rom, Alexandria oder Konstantinopel.

Orientalische Schönheiten

Als Alexander der Große im Jahr 329 vor Christus die Stadt eroberte, konnte er vor Begeisterung kaum an sich halten: "Alles, was ich über die Schönheit dieser Stadt gehört habe, ist tatsächlich wahr", soll er gesagt haben. "Außer, dass sie viel schöner ist, als ich sie mir vorgestellt habe." Dabei sind Samarkand und Chiwa nur zwei von vielen Perlen in einer Kette orientalischer Schönheiten entlang der alten Seidenstraße. Über die Jahrtausende lief über sie der Handel zwischen Ostasien und Europa.

Buchara und Taschkent heißen etwa zwei jüngere Schwestern, die nicht weniger wertvoll sind. Ihre beste Zeit hatten die Seidenstädte im Mittelalter, als der Handel seinen Höhepunkt erreichte. Dann brach er ab, und ihr Glanz verblasste, weil ihre Schätze langsam verfielen. Heute hat der Staat Usbekistan die einstige Strahlkraft wiederhergestellt. Aufwendig hat er die historischen Zentren restaurieren und für den Tourismus herrichten lassen.

Urlaub Seidenstraße

Chiwa ist die Museumsstadt Usbekistans, hier das Haupttor Ota-Darvoza. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Eine Tour durch die Städte der Seidenstraße ist nun wie eine Traumreise ins Mittelalter. Die Mausoleen des Fürsten Timur und seiner Schwester Shirinbeka Oqa in Samarkand sind in manchen Details von geradezu überirdischer Schönheit. Ebenso die Madrasa von Buchara, eine der Universitäten, die Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet wurden vom berühmten Gelehrten Ulugh Beg – eine zentrale Figur in der Verfilmung des Bestsellers "Der Medicus", die zu Weihnachten in den Kinos anlaufen wird.

Angefangen hat alles vor etwa 5000 Jahren, als im Tausende Kilometer entfernten China die Seide erfunden wurde. Manchmal gelangte ein Seidenkleid auf abenteuerlichen Wegen in das antike Europa, sodass die Reichen Kenntnis von dem edlen Stoff erhielten. Erst vor etwa 2500 Jahren entstanden dann allerdings geregelte Handelsverbindungen zwischen China und Europa.

Zusammen mit Porzellan, Weihrauch und Gewürzen wurden die Güter 10.000 Kilometer weit in Richtung Westen transportiert – durch Wüsten und über schwindelerregende Hochgebiete, durch Flüsse und feindliche Länder. Manchmal wechselte die Route, wenn etwa feindselige Stämme die Durchreise blockierten, Brunnen in der Wüste versiegten oder Lawinen und Bergrutsche den Weg versperrten. Die Hauptroute aber führte stets durch Samarkand und dann nördlich des Himalajas nach China.

Ein sündhaft teurer Stoff

Die römische Oberschicht war geradezu süchtig nach Seide – ein Stoff, so unvergleichlich leicht und kühl! Zudem mit göttlichem Faltenwurf. Allerdings war er damals obszön teuer. Ein Landarbeiter in der römischen Provinz hätte 6000 Tage arbeiten müssen, um 500 Gramm Seidenstoff zu bezahlen. Selbst Kaiser Aurelian (214 – 275) bekam Ärger mit seiner Frau, weil er ihr das purpurrote Seidenkleid nicht kaufte, das sie sich so sehr wünschte. Er konnte es sich schlicht nicht leisten.

Für die Städte an der Seidenstraße bedeutete der zunehmende Ost-West-Handel vor allem eines: Reichtum. Wenn eine Karawane durchzog – rund 100 Treiber und bis zu 1000 Lastentiere, meist Kamele –, dann füllten sich die Städte und Basare mit Fremden, die handelten und kauften und von denen man Zölle und andere Abgaben kassierte. Viele der Fremden blieben auch und ließen sich nieder.

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Weltberühmt sind die Buchara-Teppiche aus Turkmenistan. - Foto © picture-alliance/ dpa

Noch heute verrät ein Blick in die Gesichter der Usbeken, aus welchen Regionen einst Menschen als Wirtschaftsflüchtlinge ins heutige Usbekistan einwanderten. Russische Gesichter, chinesische, mongolische, türkische – alle wurden angezogen vom materiellen Reichtum an der Seidenstraße, aber sicher auch von ideellen Werten. Denn nicht nur Waren wurden über die älteste Handelsverbindung der Welt transportiert, über sie wanderten auch Ideen und Religionen: Missionare brachten Christentum und Judentum nach China und den Buddhismus sogar bis nach Japan, wo sich noch heute 71 Prozent der Bevölkerung zu dieser Religion bekennen.

Die Seidenstraße ist wieder mit Leben erfüllt

Heute kann man die Seidenstraße im Zug vom chinesischen Pazifik bis zum europäischen Atlantik abfahren. Mit Milliardenaufwand ist auch ein Fernstraßennetz entstanden, sodass man in Wochen gefahrlos eine Strecke bewältigt, für die Reisende früher drei und mehr Jahre benötigten. Vor fast genau 500 Jahren brach der Handel über den Himalaja und durch die Taklamakan-Wüste allerdings jäh ab. Im Jahr 1514 nämlich fanden portugiesische Seefahrer den Weg rund um den afrikanischen Kontinent nach China und brachten die beliebten Schätze des Orients nun schneller und kostengünstiger nach Europa.

Damit war, nach 2000 Jahren, die Geschichte der Seidenstraße zu Ende. Erst einmal. Heute, nach dem Zerfall der Sowjetunion, wird sie wieder fortgeschrieben. Die Altstädte von Samarkand, Buchara und Chiwa füllen sich wieder mit Menschen, in den Basaren mit ihrem typischen Duft nach Hammelfleisch, Teppichen und Knoblauch tauchen wieder Fremde auf und handeln und kaufen. Bezahlen Zölle und Abgaben. Heute sind es Touristen.

Autor: Walter Karpf