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Der romantische Südwesten Englands.

Der romantische Südwesten Englands. - Foto © picture alliance / Arco Images

Judy Winter exklusiv

Verliebt in Cornwall

Anfangs ist es eine Schwärmerei, dann verliert man sich aus den Augen, trifft sich erst nach Jahren wieder und kann nicht lange bleiben, weil Verpflichtungen rufen. Doch plötzlich ist das Feuer entfacht, das Verlangen so groß, dass man nicht mehr voneinander lassen kann. Ein Rosamunde- Pilcher-Film? Nein, Judy Winters ganz persönliche Liebesgeschichte mit Cornwall!

Die gleichermaßen grüne wie mythische Landschaft im Südwesten Englands ist Millionen Deutschen durch die Verfilmungen der Pilcher-Romane ein Begriff geworden. Doch Judy Winter, die nun in der Dora- Heldt-Verfilmung „Unzertrennlich“ zu sehen ist (s. TV-Tipp), kennt Cornwall schon viel länger. Hier ihre Erinnerungen:


Judy Winter

Der romantische Südwesten weckt auch in Judy Winter große Gefühle - Foto © picture alliance / dpa


Unendlicher Frieden

Das erste Mal ging viel zu schnell. Es ist bald 25 Jahre her, gerade mal drei Tage war ich dort. Und so verliebt, dass ich Cornwall gar nicht richtig wahrnahm. Das zweite Mal war wunderschön: Als ich ein paar Jahre später zu Dreharbeiten zurückkam, wurde mir klar, was für eine großartige Landschaft da vor mir lag. Seitdem reiste ich noch öfter beruflich nach Cornwall – jedes Mal wieder ein Traum. Es ist eine im positiven Sinne verwunschene, sehr grüne Region voll freier Wiesen und Felder, über denen unendlicher Frieden zu liegen scheint. Und tatsächlich hat sie sich kaum verändert, seit ich sie zum ersten Mal besucht habe.

Du fährst über Land, immer auf der linken Seite – was auf gerader Strecke kein Problem ist, mir im Kreisverkehr aber einiges abverlangt. Plötzlich stehst du an einer dieser schroffen Steilküsten, an deren Fuß sich das Meer rau und wild gebärdet. Die zerklüftete Küstenlinie bei Land’s End sieht auf geradezu mystische Weise immer wieder anders aus. Am besten erschließt sie sich beim Wandern. Wege gibt es für jedes Temperament, vom entspannten Anfänger bis zum wagemutigen Abenteurer.

Ein paar Kilometer östlich baute 1929 eine theaterbegeisterte junge Dame namens Rowena Cade oberhalb von Porthcurno eine Freilichtbühne in die Klippen. Von Mai bis September werden hier Dramen, Opern und Musicals mit Meerblick aufgeführt. Ganz in der Nähe bietet Logan Rock traumhaften Strand und spektakuläre Felsen.

Fährt man von hier die Ostküste hoch Richtung Penzance, kommt man durch Newlyn, den größten Fischereihafen Englands. Dicht an dicht liegen hier die Boote, frischeren Fisch kann man sich schlicht nicht vorstellen. Ebenfalls ganz in der Nähe befindet sich das Örtchen Marazion. Hier legt regelmäßig die Fähre zur Gezeiteninsel St. Michael’s Mount ab, auf der eine Burg aus dem 15. Jahrhundert thront. Bei Ebbe kann man sie sogar zu Fuß erreichen.


Cornwall

Die historischen Herrenhäuser liegen oft in üppigen Gärten - Foto © picture alliance / Arco Images


Wo König Artus wohnte

Der Sage nach soll die Burg von Tintagel im Norden der Geburtsort von König Artus sein. Das passt perfekt zum wilden Flair Cornwalls. Unterhalb der Anlage, deren Ruinen dramatisch aus den Klippen ragen, soll Zauberer Merlin in einer Höhle gehaust haben. Man kann es sich sofort vorstellen.

Der Küstenort Newquay gehört zu den ersten Anlaufstellen für Windsurfer – und fehlt in kaum einem Pilcher-Film. Das ist so seit den „Muschelsuchern“. Die könnten hier auch im „Fifteen“ fündig werden: Das von Starkoch Jamie Oliver gegründete Lokal setzt ganz auf regionale Zutaten.

Der Wechsel aus Wildheit und Ruhe prägt die gesamte Region – auch ihr Klima. Selbst im Hochsommer gibt es keine „klebrige“ Hitze, die sich nur im Pool ertragen ließe. Die Temperatur bleibt immer angenehm und ausgewogen. Die Einheimischen sind ebenfalls nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen und zeichnen sich durch große Toleranz aus. Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist. Schließlich macht erst ein kleiner Spleen einen Menschen zum Engländer.


Es grünt so grün

Als wäre Cornwall nicht schon Traumlandschaft genug, legen die Lost Gardens of Heligan bei Mevagissey noch einen drauf: Der Holländer Tim Smit rekonstruierte einen verwilderten viktorianischen Garten, in dem es dank des günstigen Mikroklimas geradezu subtropisch sprießt und grünt. Smit rief auch das „Eden Project“ ins Leben, Hightech-Gewächshäuser mit verschiedenen Klimazonen. So wandelt man auch bei Regenwetter trockenen Hauptes unter Zitrus- und Olivenbäumen oder durch den weltgrößten Regenwald unter Glas.

Manchmal sind die schönsten Dinge eben gerade dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Das gilt auch für die Tate Gallery, die nicht nur in London und Liverpool zu finden ist, sondern auch eine Dependance mit moderner Kunst in St. Ives unterhält, einer im wörtlichen Sinne malerischen Hafenstadt: Der romantische Fischerort zieht schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Schriftsteller, Maler, Bildhauer und andere Künstler an. Galerien, Ateliers und Werkstätten für geschmackvolles Kunsthandwerk liegen hier Tür an Tür.

Englands südlichster Punkt darf natürlich auf keiner Cornwall-Reise fehlen: die Lizard-Halbinsel mit dem Lizard Point. Sie ist touristisch längst nicht so überlaufen wie etwa Land’s End und bietet obendrein wunderbare Wandermöglichkeiten.

Geheimtipp: der Öko-Bauernhof Roskilly’s bei St. Keverne. Sein Eis ist längst legendär!

Zum Schluss noch ein kleiner Ratschlag: Nach Cornwall sollte man nie mit der festen Absicht reisen, eine Liste bestimmter
Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Man sollte sich entspannt zurücklehnen und abwarten, was passiert. Sich einfach verzaubern lassen. Dieser Merlin macht seinen Job wirklich sehr, sehr gut.

Autor: Judy Winter