HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Bretagne

Stürmisch: Bei Saint-Malo mündet der Fluss Rance im Meer; Bild: © picture alliance / AFP Creative

"Meine wilde Liebe"

Ulrich Pleitgen über die Bretagne

Mit dicken Mauern schützen die Bretonen ihre Schätze vor Wind und Meer: 4000 Schlösser, Herrenhäuser und Landsitze gibt es im Nordwesten Frankreichs. Ulrich Pleitgen ist froh, dass die Einwohner ihr Land nicht vor Besuchern abschotten. Der Hamburger Schauspieler dreht dort zurzeit für das ZDF den Vierteiler "Wilde Wellen" und ist gepackt von diesem Landstrich. Exklusiv in HÖRZU schreibt er über seine Neuentdeckung.

In der Bretagne bin ich im Naturrausch. Die zerklüfteten Felsen, die nur darauf warten, mit den Wellen zu spielen. Diese Weite, die so guttut, dass man am liebsten die ganze Welt umarmen möchte, um sich bei ihr für diesen tollen Ausblick zu bedanken. Das gefällt mir. Klar, als Norddeutscher wird man geboren, um das Meer zu lieben. Aber die Bretagne erfüllt mehr als die normale Sehnsucht. Sie ist wild und weit, rau und romantisch. Eine Landschaft, die glücklich macht.

Das schmeckt nach Meer!

Im Winter wirkt sie besonders intensiv. Es gibt Tage, an denen der Himmel nur aus Regenbögen zu bestehen scheint. Selbst wenn es morgens tröpfelt, bekommt man keine schlechte Laune, denn ganz plötzlich wird es wieder blau. Das ist faszinierend: Die Sonne schiebt die Wolken beiseite, und in kürzester Zeit wird es auch im Winter richtig warm. Und was passiert? Die Menschen sitzen plötzlich draußen, zum Beispiel vor dem "Café du Finistère" in Quimper (34, place Saint-Corentin). Genießen ihr "petit déjeuner", ihr Frühstück. Essen Croissants, trinken Café au lait, reden miteinander. Die Kommunikation ist unglaublich: Die Franzosen lassen sich gegenseitig überhaupt nicht ausreden. Das ist mir sehr nahe, denn ich kann es auch nicht gut – ich erzähle einfach zu gern.

Einmal Durchpusten

Mal ehrlich, was gibt es Besseres als ein intensives Gespräch während eines guten Essens? Die Speisen sind hier fürs Vergnügen gemacht und nicht zum Sattwerden. Genuss steht ganz oben. Die Region ist ein Dorado für Fischliebhaber. Ich glaube, es gibt kein Meer, das so voll ist von unterschiedlichen Fischen und Meeresfrüchten wie der Atlantik im Nordwesten Frankreichs. Ein Tipp: Gute Meeresfrüchte gibt es in der "Brasserie Armoricaine" in Saint-Malo (6, rue du Boyer). Und wem nach einem anderen Geschmack ist, der geht in eine der vielen Creperien. Empfehlen kann ich die "Creperie Ar Pillig" in Rennes (10, rue d’Argentré). Die hauchdünnen Eierkuchen sind in der Bretagne so gut wie nirgendwo sonst auf der Welt. Mit Marmelade, Käse oder Schinken. Das ist wie mit der Pizza, die in Italien am besten ist – auch wenn überall versucht wird, sie genauso gut zu machen. Das Allergrößte für mich sind allerdings die Galettes. Unscheinbare braune Kekse, die aussehen wie verbranntes Brot. Sie sind so gut, dass ich jedesmal welche in den Koffer packe, wenn ich zurück nach Hamburg fliege.

Fantastisch ist, dass man trotz der kulinarischen Verführungen kein schlechtes Gewissen bekommt: Ich genieße stundenlange Strandspaziergänge (z. B. in Pléhérel-Plage bei Saint Malo) oder Fahrradtouren an der Küste – sie erstreckt sich mit vielen wildromantischen Kaps über eine Länge von 2730 Kilometern. Zu meinen Lieblingsplätzen gehören: die Mündung des Odet (von Quimper aus lohnt sich eine Flussfahrt, sie dauert fünf Stunden); die einzigartige Altstadt von Quimper; Pointe du Raz mit schroffen Klippen; die gewaltige Burg in Fougères; und das Schloss in Josselin (das schönste in der Bretagne!).

Ich bin natürlich nicht der Erste, der die Reize der Bretagne entdeckt hat. Künstler wie Paul Gauguin, Pablo Picasso, Marc Chagall oder Max Ernst haben hier gemalt. Fasziniert von dem einzigartigen Licht, das besonders klar ist. Die Kunstwerke sind meisterlich. Ich schaue sie gern an, aber am liebsten mache ich mir immer noch selbst ein Bild und atme dabei die herrlich salzige Atlantikluft ein.

Die Bretagne erleben

Anreise: Direktflüge nach Brest gibt es von Deutschland aus kaum, der Weg führt zumeist über Paris. Etwa von Hamburg mit Air France hin und zurück ab 205 Euro.
Hotels: Best Western Hotel Kregenn in Quimper (13, rue des Reguaires), ab 80 Euro pro Nacht im Doppelzimmer. Internet: www.hotel-kregenn.fr
Museen: Musée des Beaux-Arts in Quimper mit bretonischer, flämischer, italienischer Malerei (40, place Saint-Corentin). Bretonisches Landeskundemuseum in Quimper (1, rue du Roi Gradlon).

Autor: Ulrich Pleitgen