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Skyline von Kairo

Kontraste: Traditionelle Segelboote, Feluken, vor der Skyline von Kairo. - Foto © picture-alliance / Herve Champol

Pharaonen und Pyramiden

Saskia Vester über Ägypten

Es gibt Reisen, die ewig im Gedächtnis bleiben. Saskia Vester würde sagen: "die in die Festplatte eingebrannt sind". So wie jene Tour, die sie nach Kairo und in die nahe Wüste führte. Eine eindringliche Erfahrung – ähnlich berührend wie die Wanderung auf dem Jakobsweg, die sie jetzt im TV-Film "Die Dienstagsfrauen" unternimmt. Hier ihre Erinnerungen an Ägypten, das Land der Pharaonen.

Der Nil in Ägypten

Ägypten ist ein Geschenk des Nils, schrieb der Historiker Herodot schon vor 2000 Jahren. Ich möchte hinzufügen: Der Nil ist auch ein Geschenk an die Besucher. Flüsse seien "Lebensadern", heißt es oft. Auf keinen trifft das so sehr zu wie auf den Nil. Seine fruchtbaren Ufer sind von Palmen und Schilf gesäumt, doch wenige Meter dahinter verschwindet das Grün – und die Wüste beginnt. Am ersten Abend sitze ich auf der Terrasse des Hotels "Mena House" am Stadtrand von Kairo und blicke auf die Pyramiden von Gizeh. Ein Gefühl wie aus der Zeit gefallen. Du schwenkst also deinen Drink, hörst das Klirren der Eiswürfel und wirst übergossen von einem goldenen, dunstigen Licht, das sich kaum beschreiben lässt. Die Pyramiden, die früher blendend weiß waren, müssen den Menschen des Altertums in diesem Licht wie Wunder erschienen sein.

Kairo: Ägyptens Hauptstadt

Ägyptens Hauptstadt Kairo ist ein Moloch. Einerseits modern, geprägt von eiligen Geschäftsleuten in westlichen Anzügen. Andererseits uralt. Gleich neben Shoppingmeilen liegen die Souks, die alten Märkte, in denen Verkäufer feilschen wie eh und je. Gut, dass wir von unserem Taxifahrer Ibrahim begleitet werden. Seine Tipps gebe ich gern weiter. Erstens: Als blonde Frau immer langärmlige Blusen und weite lange Hosen tragen. Das ist nicht nur dem Klima angemessen, sondern erspart einem unangenehme Belästigungen. Zweitens: Falls man sich in der Enge eines Basars doch einmal bedrängt fühlt, einfach umdrehen, den Finger an die Lippen legen und „Ssssch!“ sagen – wie zu einem ungehörigen Kind. So werden in arabischen Haushalten kleine Jungen zur Ordnung gerufen, erklärt Ibrahim. Tatsächlich: Die mütterliche Geste wirkt, die erwachsenen Söhne Allahs schauen betreten zu Boden.

Mein Besuch der Pyramiden von Gizeh ist ein sehr gemischtes Erlebnis. So hoheitsvoll die Bauwerke von außen wirken, so eng sind die Gänge drinnen. Während des Einstiegs gibt es einen Stromausfall. Das ist das Ende meiner Besichtigung! Ich brauche dringend wieder Licht. Zum Abenteuer entwickelt sich auch der Ausflug zu den Sakkara-Pyramiden gut 20 Kilometer von Kairo entfernt. Wir nähern uns wie einst Lawrence von Arabien: verhüllt und auf kleinen Araberpferden durch die Wüste galoppierend. Mein Mann reitet einen Hengst, wird prompt abgeworfen. Ich habe Glück – oder ein sanftmütigeres Pferd.

Der Gegensatz zwischen der quirligen Millionenstadt Kairo und der Stille der Wüste ist unbeschreiblich. Nirgendwo sonst hatte ich so sehr das Gefühl, bei mir zu sein, wie hier. Nach stundenlangem Ritt: endlich die Pyramiden! Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Ein Wunder! Wiederhole ich mich? Sei’s drum. Sakkara, ab 2665 v. Chr. von dem mächtigen Priester und Baumeister Imhotep errichtet, diente 3000 Jahre lang als Begräbnisstätte. Ungewöhnlich sind die Stufen, aus Steinen erbaut statt aus Lehmziegeln. Faszinierend finde ich, dass längst nicht alle Schätze der alten Ägypter gehoben sind.

Nilaufwärts im Tal der Könige warten weitere Wunder auf Entdeckung. Ein Beispiel: Der Karnak- und der Luxor-Tempel waren einst durch eine Allee verbunden, gesäumt von Sphinx-Skulpturen. Unermüdlich ist man damit beschäftigt, verschüttete Teile zu heben und die Prachtallee wiederherzustellen. Die Hochkultur hatte übrigens großen Einfluss auf die einfachen Menschen des alten Ägyptens: Neben dem Tal der Könige liegt das Tal der Handwerker. Viele, die an den Pyramiden schufteten, bauten sich hier eigene Grabstätten, ausgemalt mit Motiven wie Weinlaub – ein Dokument aus der Welt der kleinen Leute.

Zurück zum heutigen Alltagsleben. Unser Fahrer Ibrahim nimmt uns mit auf eine Hochzeit: Etwa 160 Menschen kommen in einem Zelt zusammen, die Tische brechen unter den Köstlichkeiten schier zusammen. Für mich als Europäerin ungewöhnlich: Männer und Frauen sitzen getrennt. Irgendwann schlendere ich – Bierflasche in der einen, Zigarette in der anderen Hand – ins "Reich" der Frauen. Gut kommt sie nicht an, diese Deutsche, die sich so nonchalant über die Regeln des Landes hinwegsetzt. Die verschleierten Frauen scheinen mir sehr selbstbewusst und fröhlich zu sein, sie versichern mir, dass sie gern unter sich bleiben. Ich gebe es zu: Dieses Erlebnis hat mein Bild von der unterdrückten arabischen Frau, die angeblich nichts zu melden hat, verändert.

Ein Tipp zum Schluss: Heute wird der Nil von riesigen Schiffen befahren, die Motoren lärmen, in der Luft liegt Dieselgeruch. Wer seinen unverfälschten Zauber erleben will, sollte eine Feluke mieten, ein althergebrachtes, typisch ägyptisches Segelboot. Unter flatterndem Segel langsam in den Schilfsaum gleiten, den Fröschen lauschen, die Fische springen sehen – so will ich Ägypten in Erinnerung behalten.

Reisetipps für Kairo

Hotel "Mena House" in Kairo mit Blick auf die Pyramiden von Gizeh. Das Luxushotel wurde 1869 zur Eröffnung des Suezkanals gebaut. Preis: eine Nacht ab 100 Euro p. P.
Sehenswert: Stufenpyramide von Sakkara, gut 20 km von Kairo.
Sicherheit: Trotz der aktuellen politischen Situation sind Reisen nach Kairo, Alexandria, an Ausgrabungsstätten und Badeorte laut Auswärtigem Amt unbedenklich. Es wird trotzdem empfohlen, Menschenansammlungen zu meiden.

Autor: Saskia Vester