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Ranga Yogeshwar beim Stamm der Ju/Hoansi-San.

Gamashee (2.v.r.) vom Stamm der Ju/Hoansi-San erklärt Ranga Yogeshwar (l) die Bedeutung der traditionellen Tänze seines Volkes. - Foto © WDR

TV-Moderator und Physiker

Ranga Yogeshwar über Namibia

Ranga Yogeshwar: Spurensuche in Namibia

Wer uns die Welt erklären will, muss sie kennen. Ranga Yogeshwar tut das. Ob als Physiker, Astronom oder TV-Moderator – stets handelt er nach dem Motto: Eigene Erfahrung ist ein Schlüssel zur Erkenntnis. Kein Wunder, dass er für sein Wissensmagazin "Quarks & Co" selbst eine Reise antrat – 8100 Kilometer weit, zehn Stunden Flug, direkt in eine andere Zeit. In HÖRZU berichtet Yogeshwar exklusiv von seiner Spurensuche in Namibia.

Schon allein der Sternenhimmel ist grandios. Stellen Sie sich vor, Sie übernachten in Namibias Wüsten, um Sie herum nur Sanddünen, die Luft klar, kein künstliches Licht. Die Sterne des Südens stehen so hell am Himmel, dass die Milchstraße in mondlosen Nächten sogar einen Schatten wirft. So etwas haben die meisten Menschen hierzulande noch nie gesehen. Und das ist nur eines der atemberaubenden Erlebnisse, die das afrikanische Land bietet. Wir sind hoch in den Nordosten gefahren, bis fast an die Grenze zu Botsuana. Dort liegt der kleine Ort Tsumkwe.

Überall auf dem Weg dorthin spürt man die unglaubliche Weite und Leere. Namibia ist gut doppelt so groß wie die Bundesrepublik und hat gerade mal zwei Millionen Einwohner. Man kann 50 oder 60 Kilometer durchs Land fahren – und sieht nichts außer Schotterstraße, Buschlandschaften oder dem Sand der Kalahari und der Namib. Diese älteste Wüste der Erde gab Namibia auch den Namen und gehört zu den trockensten Gegenden der Welt. Wer in solch extremen Regionen überleben will, muss Spezialist sein. Und genau diesen Spezialisten galt unsere Reise.

Die San: eines der letzten Jäger- und Sammlervölker der Welt

Wir wollten die San kennenlernen, eines der letzten Jäger- und Sammlervölker der Welt. In der Nähe von Tsumkwe konnte ich mehrere Tage mit diesen Buschleuten leben. Ich habe Bogenschießen und ihre Zeichensprache geübt, bin mit ihnen auf die Pirsch gegangen, habe im Busch übernachtet und am Lagerfeuer gesessen. Wenn ich die Augen schließe, spüre ich wieder diese Abendstimmung, bei der die Menschen um ein Feuer herum sitzen und reden, manchmal singen. Ich habe gespürt, dass es diese Gemeinschaft ist, die den Menschen hilft zu überleben. Es kommt mir vor wie eine Zeitreise, denn auch unsere eigenen Vorfahren haben so gelebt. Eine Begegnung mit den Wurzeln der Menschheit, das finde ich grandios.

Besucher können diese Erfahrung machen, weil ein Teil dieser Buschleute tagsüber in einem "lebenden Museum" am westlichen Rand der Kalahari wohnt. In der Siedlung mit traditionellen Grashütten stellen die San Kleidung her, Schnüre und Schlingen, Pfeil und Bogen oder Schmuck aus Straußeneiern und lassen Touristen am Alltag teilhaben. Das ist keine Show, sondern eine Chance, diese Kultur zu bewahren. Die Älteren geben ihr Wissen dabei an die nächste Generation weiter. Der Busch ist für sie Baumarkt, Apotheke und Supermarkt zugleich. Was auf den ersten Blick romantisch wirkt, offenbart jedoch auch, wie hart die Wildnis wirklich ist.

Leoparden in Sicht

Natürlich hinterlässt die Tierwelt Namibias ebenso unvergessliche Eindrücke. Der Kaltstrom des Atlantiks sorgt für große Fischbestände an den Küsten. Man sieht dort Millionen von Fregattvögeln und jede Menge Robben. Es ist ein faszinierender Kontrast: Auf der einen Seite dieses pulsierende Meer, auf der anderen Seite direkt angrenzend die Sanddünen der Namib-Wüste. Ich habe Elan-Antilopen beobachten können, Impala-Gazellen und sogar Leoparden. Gerade der Etosha Nationalpark gehört zu den beliebtesten Zielen des Landes. Doch mir geht es nicht um eine Strichliste mit Wildtieren, sondern um das, was sich dabei in uns verändert. Diese Geduld, diese Langsamkeit, wenn man sich auf den ganz anderen Takt der Natur einstellen muss. Wer die Tiere beobachtet, nimmt diese besondere Dynamik wahr.

Die läuft ab ganz ohne tickende Uhr, ohne Handy oder E-Mail. Namibia bietet Sehenswürdigkeiten von der deutsch geprägten Hauptstadt Windhoek bis zum gewaltigen Fischfluss-Canyon. In der Nähe von Tsumkwe kann man sogar in luxuriösen Lodges übernachten. Trotzdem finde ich andere Erfahrungen wichtiger und tiefgehender. Bei den San erlebt man eine Unmittelbarkeit, die uns verloren gegangen ist. Sie fertigen ihre eigene Axt und ihren eigenen Bogen, pflücken Beeren vom Baum.

Wir dagegen leben inzwischen in einer Welt, die bequem, aber auch verunsichernd ist, weil uns genau diese Unmittelbarkeit fehlt. Als Tourismusmanager von Namibia würde ich wahrscheinlich sagen: Schau dir diese Menschen an, dann findest du zu den Ursprüngen deiner eigenen Kultur zurück! Erwachsene, die nach langer Zeit das elterliche Haus betreten, erleben wieder die Gerüche ihrer Kindheit. In Namibia erlebt man als Besucher so etwas wie die Gerüche aus den Kindertagen der Menschheit.


Reiseinformationen: Namibia entdecken!

Anreise: Flüge von Frankfurt/M. nach Windhoek und zurück gibt es schon ab 850 Euro (z. B. Air Berlin, Air Namibia). Die Flugzeit beträgt bei Direktverbindungen 10 Stunden. Pauschalangebote: 12 Nächte Classic-Rundreise Windhoek/Fischfluss-Canyon/Etosha Nationalpark, DZ/Teilpension ab 2829 Euro p. P. (TUI). Das kleine Buschmann-Erlebnis (organisierte Tour wie für Ranga Yogeshwar), 5 Tage Vollpension inkl. Tranfers, ohne Flug, ab 1095 Euro (Bwana Tucke-Tucke, www.bwana.de)
Klima: Heiß und trocken. Im Sommer (Oktober bis April) schwanken die Temperaturen zwischen 18 und 35 Grad Celsius. An der Atlantikküste ist es jedoch deutlich kühler. Der meiste Niederschlag fällt im nordöstlichen Caprivi-Streifen.
Größe: Mit 824.000 Quadratkilometern ist Namibia mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur rund 2,1 Millionen Einwohner. Das Land grenzt an Angola, Sambia, Botsuana und Südafrika.
Geschichte: Bis 1915 gehörte "Deutsch-Südwestafrika" zu den deutschen Kolonien, anschließend stand das Land unter südafrikanischer Verwaltung. Erst 1990 wurde Namibia unabhängig.
Infos: Offizielle Website: www.nami bia-tourism.com, Tel. 069/133 73 60.

Autor: Ranga Yogeshwar