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Osterinsel Rapa Nui

Moai-Steinskulpturen auf der Osterinsel Rapa NuiMoai-Steinskulptur auf der Osterinsel Rapa Nui; Bild: © picture alliance / Arco Images GmbH

Insel der Wunder

Ottfried Fischer über die Osterinsel

Seine Heimat ist Bayern. Besonders gut kennt er sich dort mit Kirchen aus. Wer an Ottfried Fischer denkt, sieht "Pfarrer Braun" aus dem Fernseher vor sich – im schwarzen Talar, mit dem Herrgott wie mit seinen Schäfchen auf Du und Du. Eine neue Folge der Reihe wurde gerade gesendet, zwei weitere werden bald gedreht.

Hier erzählt Fischer vom Höhepunkt einer Weltreise, die ihn ans andere Ende der Welt führte: auf die Osterinsel. Und von dem erstaunlichen Erlebnis, auch in der entlegensten Fremde das Vertraute zu finden.

Dagobert Duck auf der Osterinsel

Der Wunsch, einmal diese magische Insel und ihre geheimnisvollen Steinfiguren zu sehen, wurzelt in meiner Kindheit. Damals las ich begeistert Mickymaus-Hefte und war fasziniert von Dagobert Duck und seiner Reise auf die Osterinsel. Dahin wollte ich auch! Diese merkwürdigen Figuren wollte ich sehen! Mein Projekt Rapa Nui entstand.

Ende der 90er-Jahre ist es dann endlich so weit: Familie Fischer startet zu einer Weltreise. Höhepunkt: ein Besuch auf Rapa Nui. Vom Startflughafen Santiago de Chile hebt unsere kleine Maschine ab. 3600 Kilometer vom südamerikanischen Festland entfernt liegt die Osterinsel wie ein Trittstein nach Polynesien mitten im Pazifik. Aus der Luft betrachtet ein winzig kleiner Fleck. Sehr viel größer ist das Eiland auch nicht, wenn man nach mehrstündigem Flug endlich gelandet ist: 24 Kilometer Länge, 164 Quadratkilometer Fläche, der Hauptort Hanga Roa ein struppiger Weiler mit einer Einkaufsstraße, ein paar Pensionen, Restaurants, Souvenirbuden. Und wo ist nun der magische Zauber, der dieses windumtoste Eiland zum Weltkulturerbe der Unesco machte?

Wir mieten uns einen Jeep und fahren los. Plötzlich taucht der erste Steinkoloss auf. Wie von einem Riesen hingestreckt liegt er am Strand. Ein Glücksgefühl durchströmt mich: Du hast es geschafft, du bist wirklich da! Viele der über 600 Skulpturen, Moais genannt, sind im Lauf der Jahrhunderte umgestürzt. Vor einigen Jahren kamen Japaner, um viele von ihnen mithilfe von Maschinen wieder aufzurichten. Die ältesten Figuren stammen aus dem 14., die jüngsten aus dem 17. Jahrhundert, und sie ragen bis zu zehn Meter empor. Alle Gesichter sehen gleich aus. Ob es dafür Schablonen gab? Und wer wohl auf die Idee kam, den Moais tonnenschwere Hüte aus rötlichem Tuffstein aufzusetzen? Keine dieser Fragen ist endgültig geklärt.

Aufgereiht wie Krieger - riesige Skulpturen

Die "Werkstatt", in der die Kolosse entstanden, war der Krater des Rano Raraku. Hier wurden sie aus vulkanischem Tuffstein gemeißelt. Hunderte der Giganten sind allein an den Abhängen des erloschenen Vulkans zu finden, in dessen Mitte ein See liegt. Ein mystischer Ort. Einer der wenigen, an denen ich für Momente an ein göttliches Wirken glaubte.

Überall auf der Insel erheben sich heilige Plattformen, Ahu genannt. Auf manchen stehen die Moais aufgereiht wie Krieger, den Blick stets ins Landesinnere gerichtet. Wahrscheinlich sollen sie Ahnen darstellen, die Verbundenheit mit den Vorfahren bezeugen.

Als der holländische Kapitän Jakob Roggeveen das Eiland am Ostersonntag des Jahres 1722 betrat, muss ihm der Skulpturenpark wie ein Wunder erschienen sein. Noch heute ist die Diskrepanz zwischen den Zeugen einer versunkenen Hochkultur und dem ärmlichen Alltag der Insulaner frappierend. Viel hat sich nicht geändert, seit Roggeveen und später Captain Cook hier gelandet sind.

600 Moais zeugen von einer versunkenen Hochkultur

Kein Baum ist höher als drei Meter, kaum ein Tier größer als eine Eidechse – abgesehen von den paar Hühnern, Hunden und Wildpferden, die es hier gibt. In der Blütezeit lebten etwa 20.000 Menschen hier, heute etwa 4000. Als wir über Land fahren, bewegt uns vor allem eine Frage: Wie wurden die Moai-Kolosse bewegt? Gängigste Theorie: Sie wurden auf Baumstämmen gerollt. Das erklärte auch, warum die Insel heute so versteppt wirkt. Um die Skulpturen zu schaffen, vernichteten die Einwohner ihre wichtigste Ressource, den Wald.

Von Fischfang oder Viehzucht allein könnten sie heute nicht mehr existieren. Gut, dass die Touristen kommen. Über 500 sind es schon pro Woche. Ein chilenischer Konzern plant jetzt eine Vergnügungsmeile mit Kasino, Kino und Einkaufszentrum. Ob das eine gute Idee ist?

Vaterunser auf Polynesisch

Am Tag vor unserer Abreise besuche ich den Gottesdienst in der kleinen Kolonialkirche des Hauptortes Hanga Roa. Bunt gekleidete Menschen singen, ein Priester predigt in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Und doch: Anhand der Liturgie erkenne ich, dass es das Vaterunser sein muss. Beeindruckend: Die katholische Liturgie wird auf der ganzen Welt verstanden. Die Osterinsel übrigens lässt mich nicht mehr los. Irgendwann möchte ich sie noch einmal spüren, die Magie dieses Ortes.

Reisetipp: die Osterinsel Rapa Nui

  • Anreise

  • Nur die südamerikanische Fluggesellschaft LAN fliegt die Osterinsel an – von Lima und Santiago de Chile, aber auch von Tahiti aus.
    www.lanchile.com

  • Zentrum

  • Idealer Startpunkt für Touren ist der Hauptort Hangs Roa mit Pensionen, Lokalen, Läden und Tauchschulen.

  • Höhepunkt

  • Die meisten Moai-Statuen befinden sich am Krater des erloschenen Vulkans Ran Raraku. Hier lag die größte "WerkstattW der Osterinsel.

  • Festival

  • Das jährliche Fest "Tapati Raps Uni" erinnert mit polynesischen Tänzen an Traditionen und die Geschichte der Insel.
    www.osterinsel-info.de

    Autor: Ottfried Fischer