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Traumzug durch Afrika
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Immer für die Gäste da: das Rovos-Servicepersonal; © NDR/Rohan Vos

Von Kapstadt bis nach Tansania

Mit dem Traumzug durch Afrika

Das Fenster öffnen. Den Wind spüren. Die Weite ahnen. Je mehr die Technik unser Leben erobert, desto mehr sehnen wir uns nach ursprünglicher Natur. Je schneller uns Hochgeschwindigkeitszüge durch Europa befördern, desto beliebter werden Reisen mit historischen Bahnen. Am besten durch einen fremden, abenteuerlichen Erdteil.

Etwa mit der afrikanischen Privatbahn Rovos Rail, genauer mit ihrem Luxuszug "Pride of Africa" ("Stolz von Afrika"): 17 Waggons im historischen Stil, selten schneller, oft langsamer als 70 Stundenkilometer. 43 klimatisierte Suiten aus Mahagoni, Teak und Glas, mit Duschen und Badewannen, sieben, elf oder 16 Quadratmeter groß. Zwei Speisewagen, ein Salonund ein Aussichtswagen, 500 Meter Korridor. 24 Angestellte sorgen rund um die Uhr für das Wohl der 73 Fahrgäste (siehe Bildergalerie).

Benannt ist Rovos Rail nach seinem Eigentümer Rohan Vos. Der 64-jährige Südafrikaner machte sein Vermögen mit Motorersatzteilen. "Mit 40 Jahren, vor der Gründung von Rovos Rail, ging es mir finanziell gut", sagt er. "Mit 53 war ich dann fast pleite. Aber, o Mann, was hatte ich für eine tolle Eisenbahn!"

Kreuzfahrt auf Schienen

Nur viermal im Jahr durchquert der Luxuszug den afrikanischen Kontinent von Kapstadt in Südafrika über Botswana, Simbabwe und Sambia bis nach Daressalam in Tansania. Zwei Wochen dauert diese Tour, Besichtigungsstopps und Kurzsafari inklusive.

Unterwegs erlebt man Halbwüsten und Savannen, immergrüne Weinlandschaften, schroffe Berge, klare Seen und tosende Wasserfälle, Täler und Nationalparks. "Es ist, als wäre man aus der Zeit gefallen. Wie eine Kreuzfahrt auf Schienen durch eine Bilderbuchlandschaft", erzählt York Pijahn, Koautor der zweiteiligen NDR-Reisereportage "Traumzug durch Afrika" (siehe TV-Tipps rechts).

Doch während im Zug 3000 Flaschen Wein wohl temperiert gelagert und mehrmals täglich feinste Speisen serviert werden, herrscht wenige Hundert Meter abseits teils bitterste Armut. Das Kamerateam, das die Bahn im Geländewagen begleitete, musste immer genug Benzin, Wasser und Lebensmittel mitführen.

Hat sich der "Stolz von Afrika" aus den Industriegebieten und Slums um Kapstadt herausgearbeitet und die Tunnel der Hex-River-Berge hinter sich gelassen, durchquert er die Große Karoo, eine Halbwüste. Am Abend hält er in dem viktorianischen Dorf Matjiesfontein, wo die Zeit seit 150 Jahren stillzustehen scheint. Nach einem Rundgang winkt ein Drei-Gänge-Menü im Speisewagen.

Am nächsten Tag steht das "Big Hole" auf dem Programm, einst die größte Diamantenmine der Welt. An einem Flamingosee vorbei geht es nach Pretoria, genauer nach Capital Park. Dieser Privatbahnhof beherbergt die Zentrale und die Werkstatt von Rovos Rail. Eisenbahnfans bekommen leuchtende Augen angesichts der kostbaren Dampfloks, die hier liebevoll restauriert werden.

Fotosafari inklusive

Nächste Station ist das Wildreservat Madikwe. An den zwei Safaritagen wollen hier alle zumindest die "Big Five" sehen: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard. Am Kalahari-Becken entlang geht es weiter zu den Victoriafällen zwischen Simbabwe und Sambia. Auf einer Breite von fast zwei Kilometern donnern zehn Millionen Liter Wasser 110 Meter in die Tiefe – pro Sekunde. Bis zu 500 Meter steigt ihr Sprühnebel empor. Am spektakulärsten ist der Anblick früh am Morgen im Licht des Sonnenaufgangs.

Zwischenstopp auf der Brücke über die 120 Meter tiefe Schlucht des Sambesi. Im Hintergrund: die dampfenden Wasserfälle. Mit höchstens 20 Stundenkilometern zieht eine rote sambische Diesellok die Wagen über die wahrscheinlich schlechtesten Schienen der Welt: 100 Jahre alt, nur selten parallel.

Am 13. Reisetag schlängelt sich der Zug am Great Rift Valley entlang, einem Grabenbruch, der sich vom Mittelmeer bis Sambia erstreckt. Die Lok zieht die Waggons auf 1500 Meter Höhe, an Steilhängen entlang, durch 23 Tunnel, über unzählige Brücken, vorbei an der Vulkankette von Mbeya. Die letzten Kilometer führen durch den Selous-Nationalpark. Die Vegetation wird dichter und gipfelt in tropischem Urwald. Bei der Einfahrt in Daressalam spielt eine Polizeikapelle. Blasmusik. Ein Traum geht zu Ende. Willkommen in der Wirklichkeit.

Reisetipp: Afrikas Traumzug

Die einzige Tour mit deutschsprachiger Reiseleitung 2011: 11. bis 28.8. (umgekehrter Verlauf: 27.8. bis 13.9.).
Preis ab 10.870 Euro inklusive Flug
Buchbar etwa bei
- Lernidee unter www.lernidee.de
Tel. 030/78 60 00 24
- Venter Tours, www.ventertours.de
Tel. 0395/555 31 85

Englischsprachige Fahrten vom 2. bis 15.7. und vom 24.9. bis 7.10. bzw. in der Nord-Süd-Richtung vom 18. bis 31.7. und vom 10. bis 23.10.2011.

Autor: T. Röbke