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Dublin

Altehrwürdig: Das historische Powerscourt House und sein Park. - Foto © picture-alliance / Lonely Planet

"Willkommen in meiner Heimat"

Mit Chris de Burgh unterwegs in Irland

Wenn ein berühmter Ire Gäste empfängt, dann in einem alten Herrenhaus mit Blick auf ein grünes Gartenreich. Einziger Schönheitsfehler heute: Das Hotel Ritz-Carlton Powerscourt in der Grafschaft Wicklow wurde im Stil alter Herrenhäuser nur nachgebaut. Chris de Burgh bietet Tee an und blättert in jenem Taschenbuch, das ihn zu seiner neuen CD "Moonfleet" inspirierte.

Das Buch ist zerlesen und vergilbt. Es begleitete ihn durch seine Kindheit. "Als ich es wiederentdeckte, habe ich einen Schatz gehoben", sagt der Sänger, der längst eine Legende des Pop ist. "Moonfleet" ("Mondflotte") erzählt von Freundschaft, Abenteuern und dem Mythos eines Landes, das solche Geschichten hervorbringt. Exklusiv für HÖRZU macht der Weltstar heute eine Führung durch den kleinen Ort Enniskerry, wo er mit seiner Frau Diane zu Hause ist.

Die Fahrt führt durch ein grünes Bilderbuch-Irland. Hecken fliegen vorbei, satte Weiden liegen dazwischen. Die Luft scheint milder, das Licht milchiger als anderswo. Die Straßenschilder sind zweisprachig, Gälisch und Englisch. Nach kurzer Fahrt sind wir da. Enniskerry ist ein Dorf mit knapp 2000 Einwohnern und gilt als Pforte zur beliebten Urlaubslandschaft des Wicklow Mountains Nationalparks. Chris de Burgh steigt aus, führt uns durch kleine Gässchen bis zum Friedhof neben einer Backsteinkirche. Er schlägt den Kragen seiner Lederjacke hoch.

Warum ist ihm dieser Ort so wichtig? "Weil wir Iren uns mit unseren Verstorbenen eng verbunden fühlen." Hier hält er Zwiesprache. Verharrt etwa am Grab der Schwiegereltern oder vor einem schlichten Kreuz mit einer einzelnen Rose. Ein junges Mädchen im Alter seiner Tochter Rosanna liegt hier begraben. Die beiden kannten sich, arbeiteten gemeinsam als Models. Die Verstorbene nahm Drogen. "Wir wissen häufig nicht, wohin uns das Schicksal führt. Ich bedanke mich oft dafür, dass meine Tochter einen anderen Weg genommen hat."

Zurück in sein Dorf, das verschlafen auf den Abend wartet. Eine Tür knarrt, der Raum dahinter wirkt dämmrig. Noch ist es still in "Nancys Pub". Das wird sich ändern, wenn die Männer und Frauen von Enniskerry sich hier nach Feierabend treffen. Pubs sind wie Wohnzimmer, in der Mitte der Tische stehen Zapfhähne, damit der Nachschub gesichert ist. Das dunkle Guinness-Bier schmeckt nach Malz und Honig, der Kenner trägt stolz einen Schnurrbart aus Schaum auf der Oberlippe. Chris de Burgh macht es vor: "Cheers!"

Weiter geht’s durch die Gassen seines Heimatortes. An der Tür des kleinen Restaurants "Emilia" muss er nicht klopfen, da kommen sie gleich mit ausgebreiteten Armen heraus, Mario, der Wirt, und seine Mitarbeiter. Hier ist de Burghs Stammlokal, hier kehrt die Familie einmal pro Woche ein. Die beiden Söhne ordern gern Steak, Tochter Rosanna eher Vegetarisches, die Mutter Fisch, der Vater Pilze mit Knoblauch. "Meeresfrüchte mag ich eigentlich nicht so gern", sagt er. "Einzige Ausnahme: Austern." Wer nach Irland reist, so seine Empfehlung, sollte an die Westküste, zum Austernfestival in Galway: "Da sitzt man gemütlich draußen, isst Austern und trinkt Guinness dazu." Austern und Bier? Vieles ist eben etwas anders auf der grünen Insel.

Zurück nach Dublin. Ein letzter Blick auf den Familiensitz der de Burghs, der sonnengelb durch die Hecken schimmert. Sieben Jahre dauerte die Renovierung. "Wir haben alles erneuert und gleichzeitig alte Details herausgearbeitet." Treffpunkt der Familie ist die Küche. "Hier wird gegessen, geredet und ferngesehen." Das Lebensgefühl in historischen Gemäuern erinnert de Burgh gut aus seiner Kindheit: Auf Schloss Bargy Castle im Südosten Irlands wuchs er auf, dort unterhielt er die Sommergäste mit Gitarre und Gesang. "Wenn ihr nach Dublin kommt", ruft er uns noch nach, "besucht unbedingt 'Captain Americas Cook House'! Da habe ich nach dem Studium meinen ersten Job als Sänger gefunden. Lohn: ein Hamburger, zwei Glas Wein und zwei Pfund. Das sind heute drei Euro!"

Dublin gibt sich grau und geschäftig an diesem Herbsttag. Ein Muss für jeden Besucher: das Trinity College mit seiner riesigen Bibliothek, die das Wissen von Jahrhunderten sammelt. De Burghs jüngerer Sohn Mike studiert hier Wirtschaft. Weiter durch die verwinkelten Straßen, in denen an jeder zweiten Ecke ein Straßenmusikant spielt. Wäre Dublin ein Lied, dann ein Folksong, bei dem alle mitsingen. Sie kommen einfach gern mit Fremden ins Gespräch, die Dubliner. Der Taxifahrer gibt ungefragt Tipps fürs Amüsierviertel Temple Bar District: "Solange ihr auf Kopfsteinpflaster geht, seid ihr richtig."

Vor einer Kirche steht ein alter Mann und bittet uns, ihm die Öffnungszeiten vorzulesen. Danach erzählt er aus seinem Leben. Geschichten gehören hier zu den Grundnahrungsmitteln. Und ihre großen Dichter nehmen die Iren gern in ihre Mitte: James Joyce, Samuel Beckett. Den Junggesellen-Pub "Bachelor’s Inn" ziert ein Foto plus Zitat von Oscar Wilde: "Die meisten Menschen existieren nur, anstatt zu leben." Drinnen klirren Gläser. Abends entwickelt die lebhafte O’Connell Street einen heftigen Sog, über die Brücke des Liffey-Flusses schieben sich Touristen, hinein ins Amüsierviertel mit seinen Bars und Leuchtreklamen. Junge Mädchen mit Speisekarten in der Hand komplimentieren Passanten in die Lokale. Wir bestellen Austern und Irish Stew, dazu Guinness, was sonst. An einer Hauswand das passende Zitat: "Nur das Guinness hat die Iren daran gehindert, die Welt zu erobern!"

Reise-Tipps: Dublin erleben!

Anreise: Aer Lingus bietet Direktflüge ab Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München (www.aerlingus.com). Lufthansa fliegt allein von Frankfurt aus (www.lufthansa.com).
Hotel: "The Clarence". Das Haus aus dem 19. Jahrhundert wurde von der Rockgruppe U2 restauriert, verbindet Historie mit modernem Design, Ü/P ab 109 Euro (www.theclarence.com). Günstiger: "The Fitzwilliam" nahe dem Park St. Stephen’s Green, ab circa 90 Euro (www.fitzwilliamhotel.com).
Guinness Storehouse: Hier wird das irische Nationalgetränk gebraut. Der Rundgang durch die Brauererei nahe St. James’s Gate endet mit einem kostenlosen Pint (www.guinness-storehouse.com).
Museum: Im Kilmainham Hospital, Dublins schönstem und wichtigstem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, ist seit der Renovierung 1991 das Museum für moderne Kunst (IMMA) untergebracht.

Autor: Angela Meyer-Barg