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Matthias Koeberlin liebt die Region Ardèche

Matthias Koeberlin liebt die Region Ardèche - das wilde Flusstal in Südfrankreich; Foto: © picture alliance/AFP Creative; Foto Startseite: © picture alliance

Frankreichs wilder Süden

Matthias Koeberlin über die Ardèche

Er ist ein exzellenter Fahnder, hat eine Spürnase für Verborgenes – seien es nun Verbrechen oder die Vorzüge eines Reiseziels. Im Fernsehen muss Matthias Koeberlin als Kommissar im Thriller "Die Braut im Schnee" eine geheimnisvolle Mordserie klären (siehe TV-Tipp rechts).

In Frankreich entdeckte er schon vor Jahren einen Schatz: die Ardèche. Für HÖRZU beschreibt Schauspieler Matthias Koeberlin das wilde Flusstal im Süden, das er als Jugendlicher in den Familienferien kennenlernte:

Matthias Koeberlins Reisen in die Ardèche

Wenn ich an Frankreich denke, dann an einen Urlaub an der die Ardèche, in jenem rauen Landstrich im Südosten, geprägt von Schluchten, Höhlen und dem wild schäumenden Fluss. Ich erinnere mich an das typisch französische Steinhaus, in dem wir alle wohnten – so versteckt im Nirgendwo, dass wir morgens ins Auto springen mussten, wenn wir frische Croissants wollten.

Alles war neu und unbekannt: Ich weiß noch, wie ich nach jeder Nacht meine Schuhe auskippte, damit sich nur kein Skorpion darin versteckte. Ich erinnere herrliche Picknicks mit Brot, Käse und hart gekochten Eiern. Gibt es etwas Schöneres?

Die Region bietet alles, wovon Urlauber träumen: sportliche Aktivitäten und kulinarische Genüsse, atemberaubende Natur, alte Städte, die zum Bummeln einladen. Diesen Reisebericht schreibe ich auch für meinen fünfjährigen Sohn Leo, denn mit ihm möchte ich das alles noch einmal neu erleben.

Anreise mit dem Auto

Wer mit dem Auto nach Südfrankreich reist, sollte unbedingt einen Zwischenstopp einlegen. Lyon bietet sich an, das Mekka der Feinschmecker. Eine gute Gelegenheit, um Bekanntschaft mit der französischen Küche zu machen. Die erste – und feinste – Adresse ist das Restaurant "L'Auberge du Pont de Collonges" von Paul Bocuse. Der Kochpapst, gerade 86 Jahre alt geworden, steht allerdings nicht mehr selbst am Herd.

Aber auch unbekannte Bistros bieten französische Spezialitäten von Fleisch- und Fischpasteten bis zu verschiedenen Käsesorten, die auf einem Tablett durchs Restaurant gereicht werden. Jeder Gast lässt sich zwei bis drei kleine Stückchen abschneiden.

Ich liebe die französische Küche schon seit meiner Zeit als Austauschschüler in Frankreich. Meine Gasteltern habe ich seinerzeit gebeten, bloß keine Rücksicht auf deutsche Vorlieben zu nehmen. Ob Schnecken in Knoblauch oder marinierte Nierchen – ich probiere gern alles aus!

Barjacs Antik-Trödelmarkt und die Grotte Aven d’Orgnac

Am nächsten Tag geht es weiter, hinein ins grüne Herz Frankreichs. Bevor wir die Region Ardèche erreichen, lohnt sich eine weitere Pause: Das Städtchen Barjac ist berühmt für seinen Antik-Trödelmarkt. Ich konnte mich damals nicht satt sehen an alten Bilderrahmen, silbernem Besteck, mit Chintz bezogenen Stühlen. Damals hat mich der "Flohmarkt-Virus" gepackt, und er treibt mich um bis heute. Ich sammle Lampen, vor allem aus den 50er-Jahren. Mittlerweile ist meine Schatzkammer so groß, dass alte Stücke schon in den Keller ausgelagert werden mussten.

Bei Barjac befindet sich auch der Einstieg in eine der größten Tropfsteinhöhlen Europas – die Grotte Aven d’Orgnac. Rund 120 Meter geht es hinunter vom Kalkmassiv in die riesige Höhle mit spektakulären, 30 Meter hohen Säulen. Dann streift man durch verschiedene Säle, die sich im Dämmerlicht nach und nach erschließen. Eine faszinierende Welt – wie ein unterirdischer Palast.

Schon als Kind haben mich die Spuren früherer Jahrtausende fasziniert: Mit meinem Großvater bin ich in Köln losgezogen und habe in einem Steinbruch sogar Haifischzähne gefunden. Meinem Sohn habe ich diese Begeisterung offenbar vererbt: Leo ist schon ein ausgewiesener Saurierexperte.

Die berühmte Grotte Chauvet bei Vallon-Pont-d’Arc

Bei Vallon-Pont-d’Arc ein weiterer Blick zurück in die Vorzeit: In der berühmten Grotte Chauvet, erst 1994 durch Zufall entdeckt, haben die sogenannten Cro-Magnon-Menschen 20.000 Jahre vor Christi Geburt Zeichnungen an die Wände gekritzelt: Höhlenlöwen, Mammuts, Panther, Hyänen, Wollnashörner und Wisente. Alles Tiere, die den Steinzeitmenschen Angst eingeflößt haben müssen. Die Zeichnungen strahlen trotzdem eine friedliche Harmonie aus.

Höhlenforscher konnten sogar die Fußabdrücke eines Jungen der Cro-Magnon-Zeit verfolgen, der an den Steinwänden seine Pechfackel abgeschlagen hat. Leider ist die Höhle für Besucher geschlossen, in Vallon-Pont-d’Arc gibt es aber eine sehr schöne Ausstellung.

Freizeitaktivitäten im Tal der Ardèche

Was die Region Ardèche so reizvoll macht, sind vor allem die Aktivitäten unter freiem Himmel. Der gleichnamige Fluss gräbt sich in zahllosen Windungen durch den Sandstein, an diversen Stationen kann man Kajaks und Paddelboote mieten. Ich erinnere noch das Hochgefühl loszupaddeln, diesen lebhaften Fluss entlang, der so ganz anders ist als der mir vertraute, träge Rhein. Mal windet sich die die Ardèche um Felsvorsprünge herum, dann plätschert sie über seichtes Kiesbett, unversehens kommt eine Stromschnelle.

Anfänger wählen am besten den Teil zwischen Balazuc und Ruoms oder die Flüsse Chassezac und Tarn. Wer sich dem Kick der Stromschnellen aussetzen will, braucht zusätzlich Schwimmweste und Helm. Wir haben uns seinerzeit für die gemütliche Tour entschieden, im Bootsrumpf einen wohlgefüllten Picknickkorb. Vorsichtig auf ein Kiesbett aufsetzen, all die Schätze auspacken und ein Dîner mit rauschender Wassermusik genießen – herrlich!

Wandern in der Chassezac-Schlucht

Auch Wanderer kommen im wilden Herzen Frankreichs auf ihre Kosten. Ein besonders eindrucksvoller Wanderweg führt durch den Bois de Païolive entlang den Steilfelsen der Chassezac-Schlucht. Wer es höher mag: Auf den Berg Gerbierde-Jonc kann man schnell hinaufsteigen, auf den Mont Aigoual sogar mit dem Auto fahren.

Ausflugsziele in der Ardèche

Schöne Ausflugsziele mit Kindern sind der Wasserfall Ray-Pic am Mont Gerbier-de-Jonc oder die Felsenmeere Nimes-le-Vieux und Montpellier-le-Vieux. Gut möglich, dass dort auch Geier am Himmel kreisen.

Sollte es mal regnen, empfiehlt sich ein Ausflug ins schönste Dorf Frankreichs, La Roquesur-Cèze. Den Crêpeladen "Chez Babette" erinnere ich noch heute. Wahrscheinlich, weil ich diese hauchfeinen gefüllten Pfannkuchen bis dahin gar nicht kannte.

Auch Uzès lohnt einen Ausflug. Auf dem Place aux Herbes kann man wunderbar einen Pastis trinken. Der von Arkaden gesäumte Platz gibt die perfekte Filmkulisse ab – unter anderem für "Cyrano de Bergerac" mit Gérard Depardieu.

Ich freue mich schon darauf, meinem Sohn und meiner Frau Diana "mein" Frankreich zu zeigen. Dann werden wir picknicken, Kanu fahren, auf die Suche nach geheimnisvollen Versteinerungen gehen – die ganz sicher aus der Zeit der Saurier stammen.

Reisetipps für das Ardèche-Tal

  • Grotte Chauvet
  • Die Höhlenzeichnungen der Cro-Magnon-Menschen sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Zentrum des Dorfs Vallon-Pont-d’Arc gibt es dazu eine Ausstellung.

  • Gorges de l’Ardèche
  • Flusslandschaft mit Schluchten. Die Bootstour (32 km) von Vallon-Pont-d’Arc bis Saint-Martin-d’Ardèche bewältigen die meisten Kanuten in sieben bis zehn Stunden.

    Autor: Matthias Koeberlin