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Die Bridge of the Americas über den Panamakanal in Panama City, Panama
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Die Bridge of the Americas über den Panamakanal in Panama City; Bild: © picture-alliance / Reinhard Koester

Technische Wunderwerk Panamakanal

Kreuzfahrt durch den Panamakanal

Schon als Kind schwärmte Filmemacher Torsten Mehltretter für das technische Wunderwerk Panamakanal. Ausgerechnet der Umbau der Wasserstraße (s. Bildergalerie) sorgte nun dafür, dass er sich einen Traum erfüllen konnte und sie für eine ZDF-Reportage bereisen durfte.

Von Peru aus führte die Route des Expeditionskreuzfahrtschiffs "Hanseatic" über Ecuador, Panama, einige Karibikinseln und Venezuela bis Brasilien.

Absoluter Höhepunkt: die Kanaldurchfahrt. Sie wird es in dieser Form nicht mehr lange geben. 2014, zum 100-jährigen Kanaljubiläum, sollen neue Schleusen fertig sein. Die alten, zu klein für moderne Ozeanriesen, bleiben zwar erhalten, ob sie weiterhin genutzt werden, ist aber ungewiss.

Hier berichtet Torsten Mehltretter von seiner Kreuzfahrt durch den Panamakanal:

"Schon am ersten Tag nimmt im Pazifik vor Ecuador eine Gruppe Delfine den Wettlauf mit der Schiffsnase auf. Bald darauf kommt auf Äquatorhöhe ein 14 Meter langer Pottwal in Sicht. Vor der Kanaldurchfahrt gibt es viel Natur zu bestaunen!

Der Halt auf der Isla de la Plata verspricht Einzigartiges: Die ecuadorianische Insel ist unbewohnt und Teil eines Nationalparks, der ein Paradies für Taucher und Vogelkundler sein soll. Eine Wasserschildkröte schwimmt seelenruhig um das Boot, mit dem wir übersetzen. Auf der Insel stehen Blaufußtölpel mit ihren Jungen mitten auf dem Weg. Wir schaffen es, uns ihnen bis auf zwei Meter zu nähern, ohne dass sie schreien. Flüchten können sie nicht, dazu sind sie zu schlecht zu Fuß. Abheben können sie nur, indem sie sich senkrecht von Klippen stürzen.

Weiter zu Panamas Westküste: Der Besuch bei den Emberá-Indios, die dort leben, ist ein typischer Kreuzfahrtstopp: Die Ureinwohner führen traditionelle Tänze auf und verkaufen ihre Handarbeiten.

Einfahrt in den Panamakanal

Am Morgen des sechsten Tages beginnt dann die Einfahrt in den Panamakanal – mit einem Superlativ: Über uns verbindet die Bridge of the Americas, die Brücke der zwei Amerikas, den nördlichen und den südlichen Kontinent.

Schon auf dem ersten, zwölf Kilometer langen Kanalabschnitt sind die Ausmaße der Umbauarbeiten zu erahnen. Eine Armada aus Baggern, Schaufelladern und Riesenlastern bewegt Tonnen von Basalt, bis zu 12.000 Bauarbeiter sind gleichzeitig im Einsatz. Wenn die Sprengmeister zweimal am Tag zu Werke gehen, stoppt der Schiffsverkehr, und es knallt gewaltig im Regenwald.

Gewaltige Panamakanal-Schleusen

Die Schleusen sind beeindruckend. Gegen acht Uhr erreicht die "Hanseatic" die zwei Schleusenstufen bei Miraflores. "Das ist jetzt ein nautischer Leckerbissen", erklärt Kapitän Ulf Wolter. "Bis wir an den Mulis hängen, müssen wir aufpassen, dass uns die Strömung nicht gegen die Mauer drängt." Mulis, so werden die Elektroloks genannt, die ein seitliches Ausbrechen der Schiffe in den engen Schleusenkammern mithilfe elektronisch gesteuerter Winden verhindern sollen.

Die Kanalgesellschaft schickt Festmacher auf jedes Schiff. Jeweils zwei weitere rudern in einem Boot zwischen der Kaimauer und den Riesenpötten hin und her, verbinden Stahlseile und das Tauwerk der Schiffe. Nach einer halben Stunde ist die "Hanseatic" am Haken.

Das gewaltige Schleusentor schließt sich. Dann strömt das Wasser ein. In nicht einmal 15 Minuten steigt der Luxusliner um gute acht Meter. Das Schauspiel wiederholt sich. Nach der Pedro-Miguel-Schleuse sind dann 26 Höhenmeter geschafft.

Der Gatún-See

Danach beginnt das landschaftlich schönste Teilstück durch den Regenwald. Rund um den aufgestauten Gatún-See hat sich eine Inselwelt mit unvergleichlicher Artenvielfalt entwickelt. Weißköpfige Kapuzineräffchen, Faultiere, Brüllaffen sowie diverse Vogel- und Schildkrötenarten leben hier. Gegen 15.30 Uhr erreicht die "Hanseatic" das Schleusensystem, das sie in drei Etappen zurück auf die Höhe des Meeresspiegels bringt.

Dieses Mal blockiert der Gegenverkehr die Einfahrt. Zwei Handelsschiffe der Panamax Klasse arbeiten sich im Schritttempo durch die engen Gassen. Die Schiffsgröße ist exakt nach den Ausmaßen des Kanals gebaut. In Zentimeterarbeit schieben sich die Stahlriesen durch die Schleusenmauern. Mit offenem Mund beobachten die "Hanseatic"-Passagiere das Zusammenspiel von Schiffen und Elektroloks. Dass es so eng wird, haben auch wir nicht erwartet.

Es ist genau 17.06 Uhr, als wir die letzte Schleuse durchfahren haben. Auf dem Besucherdeck knallt ein Champagnerkorken. Anstoßen auf einen wahr gewordenen Traum."

Technische Wunderwerk Panamakanal

Nach 30 Jahren Bauzeit wurde der Panamakanal am 15. August 1914 eröffnet. Bis Ende 1999 hatten die USA die Hoheit über die Wasserstraße. Die Durchfahrt kostet für die derzeit größten Frachter (Panamax-Klasse) umgerechnet 100.000 Euro. Der Kanal, den jährlich ca. 14.000 Schiffe passieren, bringt 40 Prozent der Staatseinnahmen Panamas ein. Negativrekord: Beim Bau starben 28.000 Menschen.

Reiseinfos für den Panamakanal

Einmal im Jahr durchquert ein Hapag-Lloyd- Kreuzfahrtschiff auf der Fahrt von Callao (Peru) nach Belém (Brasilien) den Kanal. 2012 wird es die "Bremen" sein, ein Schwesterschiff der "Hanseatic", die den Kanal erst wieder 2013 befahren wird. Die dreiwöchigen Touren (jeweils Mitte März bis Anfang April) kosten zwischen 7000 und 25.000 Euro pro Person.

Autor: Torsten Mehltretter