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Cagliari Sardinien

Blick über Cagliari auf der Insel Sardinien in Italien; Bild: © picture alliance

Insel der Abenteuer

Jutta Speidels Reisen nach Sardinien

Eigentlich wollte sie mit ihrem italienischen Lebensgefährten Bruno Maccallini nur zu einem Familienfest: Sein Cousin hatte zur Hochzeit an die Südküste Sardiniens geladen. Auf dem Weg dorthin landete Schauspielerin Jutta Speidel aber mitten im Chaos: Protestierende Bauern und Schafhirten legten alle Verkehrswege lahm.

Sardinien - Insel der Abenteuer

Die Fahrt vom Flughafen der Inselhauptstadt Cagliari zu den Verwandten, im Normalfall eineinhalb Stunden lang, entwickelte sich zu einem viertägigen Trip – auf dem Rücken von Eseln. "So anstrengend es war, so wenig möchte ich unser Abenteuer heute missen", sagt Speidel. Gemeinsam mit Maccallini hat sie darüber einen Reiseroman verfasst. Hier beschreibt sie die Höhepunkte der Entdeckungstour – die man selbstverständlich auch ohne Esel machen kann.

Cagliari - Hauptstadt der Sarden

Nach der Landung in Cagliari ahnten wir natürlich noch nicht, was uns bevorstand – und dachten: Ein kleiner Stadtbummel ist noch drin! Am besten fängt man damit ganz oben an: auf der Festung Cittadella dei Musei, die über der Inselhauptstadt thront. Der Blick von dort ist einfach herrlich.

Direkt unterhalb schließt sich zwischen den mittelalterlichen Wehrtürmen Torre di San Pancrazio und Torre dell’ Elefante das Castello-Viertel an. Man sollte nicht den Fehler machen, den direkten Weg dorthin zu wählen. Rechts und links davon kann man so viele wunderbare Läden und Restaurants entdecken, dass Bruno und ich uns spontan für einen Zickzackkurs entschieden.

Die Aussichtsterrasse Bastione di Saint Remy ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Von hier aus schlängeln sich malerische Gassen hinunter zur Hafenpromenade an der Via Roma. Auch dort gibt es viele kleine Geschäfte, in denen man Handwerkskunst und Inselspezialitäten kaufen kann. Am liebsten hätte ich auf jeder Piazza eine kleine Espressopause eingelegt.

Sehenswürdigkeiten

Wer ab Cagliari einen Mietwagen nimmt, sollte unbedingt einen Abstecher nach Süden machen und Pula besuchen, ein verschlafenes Seebad. Dazu die römische Ruinenstadt Nora, die auf einer Landzunge liegt und bereits 1000 v. Chr. ein quirliges Handelszentrum gewesen sein soll. Und die Kirche Sant’Efisio kurz vor Nora, seit 350 Jahren Ziel der großen Mai-Prozession zu Ehren des Inselheiligen.

Für uns aber war schnell klar: Mietwagen entfällt, umsteigen auf Esel. Unser Weg führte uns deshalb von Cagliari aus direkt nach Osten, durch die Stadt Quartu Sant’Elena. Die Besiedelung wurde rasch dünner, die Landschaft bergiger. Über schier endlose Serpentinen erreichten wir die Hochebene Giara di Gesturi, auf der viele Korkeichen wachsen.

In dieser ursprünglichen Region leben etwa 500 ponygroße Wildpferde, deren Stammbaum auf Tiere zurückgehen soll, die einst die Phönizier mitbrachten. Ansonsten prägen Schafe die Landschaft. Aus ihrer Milch machen die Bauern hervorragenden Käse, aus ihrem Fleisch die bekannten Salsicce, herrlich pikante Würstchen. Überhaupt, die sardischen Bauern: ein wunderbarer Menschenschlag! Einfach, ehrlich und sehr herzlich.

Kulinarische Köstlichkeiten

Auf unserer Odyssee wurden wir überall freundlich bewirtet. Natürlich drängten mich alle, den berühmt-berüchtigten Casu Marzu zu kosten, einen Käse mit lebenden Fliegenmaden. "Köstlich!", hieß es. "Ein reines Naturprodukt!" Ich konnte mich trotzdem nicht dazu überwinden. Auch die Pasta Bottarga mit "sardischem Kaviar", dem getrockneten, zerstoßenen Rogen der Meeräsche, wurde nicht zu meiner Leibspeise. Ich hielt mich lieber an Lamm und Wildschwein.

Zweimal schliefen wir unter freiem Himmel, im Schutz uralter Rundtürme, der Nuraghen. Fast 7000 dieser etwa 4000 Jahre alten Kolosse sind auf der Insel zu finden – oder zumindest Überreste davon. Als wir endlich bei Brunos Verwandten ankamen – gerade noch rechtzeitig zur Hochzeit –, tat uns alles weh, was einem wehtun kann. Wir waren völlig verdreckt – aber glücklich.

Die schönsten Badeorte Sardiniens

Nach dem Fest erholten wir uns noch ein wenig in Villasimius, einem Badeort mit weißsandigen Buchten und rauen Klippen. Hier gibt es eine große Flamingokolonie, die für schöne Farbtupfer in der Landschaft sorgt.

Nach Norden hin schließt sich die Costa Rey an, wo sich Traumstrand an Traumstrand reiht. Meiner Meinung nach ist sie der Costa Smeralda, jener legendären Hochburg der Schönen und Reichen im Nordwesten Sardiniens, weit überlegen, denn sie ist weniger bebaut, bodenständiger und von einer Wasser- und Sandqualität, die keine Wünsche offen lässt. Als wir wieder aufbrechen mussten Richtung Cagliari, tröstete uns deshalb nur eines: Wir bestiegen diesmal den Wagen – nicht den Esel.

Reiseinformationen Sardinien

  • Flug
  • Mit Air Berlin von Düsseldorf nach Cagliari und zurück ab ca. 128 Euro inkl. Steuern und Gebühren. Für Ziele im Norden empfiehlt sich der Flughafen Olbia, die Konditionen sind ähnlich.

  • Hotel
  • Cagliari: Hotel "4 Mori", beste Innenstadtlage, ideal für Zwischenübernachtung. DZ/F ab 85 Euro.
    In Villasimius: Hotel "Simius Playa" mit parkartigem Garten, direkt am kilometerlangen, weißsandigen Badestrand. DZ/F ab 227 Euro pro Nacht.

  • Reiseführer
  • Fabrizio Ardito: "Sardinien", Dorling Kindersley, 224 S., 16,95 Euro

  • Infos
  • Italienisches Fremdenverkehrsamt
    Barckhausstraße 10
    60325 Frankfurt am Main
    Tel. 069/23 74 34
    www.enit.de

    Autor: Jutta Speidel