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Hansi Hinterseers Reisebericht aus Tessin

Blick auf den Luganer See und die Stadt Lugano im Tessin; Bild: © picture-alliance / HB Verlag

Im Glanz des Südens

Hansi Hinterseer bereist das Tessin

Wo immer er seine Lieder singt, ziehen sich die Wolken zurück, und die Sonne lacht. Hansi Hinterseer, früher Weltklasse-Skifahrer, heute Sänger und Entertainer, ist ein Garant für gute Laune. Die Stars der Volksmusik präsentiert er in den schönsten Regionen Europas – diese Woche im Tessin. Hier sein Bericht aus dem südlichsten Teil der Schweiz, wo sich eidgenössische Ordnung mit italienischer Leichtigkeit paart.

Wie ein Wunder muss es unseren Müttern und Vätern erschienen sein: Kaum hatten sie den Gotthard-Tunnel durchquert, leuchtete ihnen der Süden. Palmen bogen sich im warmen Wind, der Lago Maggiore lag blau zwischen den Bergen, in den Trattorien standen Stühle und Tische vor der Tür, auf dem Teller lag eine typische Vesper: Brot, Wurst, Schinken, dazu ein Glas Rotwein. Ein gesegneter Landstrich, dieser südlichste Zipfel der Schweiz, in dem man Italienisch spricht.

Beginnen wir mit einem Bungee-Sprung hinein in dieses Arkadien: 220 Meter tief vom Staudamm des Verzasca-Tals. Pierce Brosnan hat es für den James-Bond-Film "Goldeneye" Mitte der 90er-Jahre vorgemacht, Tollkühne machen es ihm heute nach. Die Bungee-Schule vergibt die Genehmigung für genau drei Minuten: Wer länger zögert, hat sein Billet verwirkt!

Weiter nach Locarno am Lago Maggiore. Im August sitzen sie hier Stuhl an Stuhl auf der Piazza Grande die Cineasten, und verfolgen die neuesten Filme auf der Großleinwand. Den Leoparden, Wahrzeichen der Filmfestspiele von Locarno, sieht man auf alten Gemäuern und Bänken, sein Logo schmückt sogar die gelben Regencapes, die im Notfall ausgegeben werden.

In diesem sonnenverwöhnten Palmenreich haben sich viele Prominente angesiedelt: Peter Kraus erzählte mir nach einer wilden Wasserski-Tour, er habe das Tessin einst bei den Dreharbeiten zu "Conny und Peter machen Musik" kennengelernt – und sei gleich dageblieben. Vico Torriani befeuerte die Sehnsucht der Deutschen mit seinen Liedern. "Das machen nur die Beine von Dolores." Erinnern Sie sich noch?

Wer am Seeufer von Lugano entlangbummelt, meint ihn noch zu spüren, den Geist der Belle Époque. In der "Villa Castagnola" stieg 1933 Thomas Mann auf der Flucht vor den Nazis ab. In seinem Tagebuch lobte er das "heitere, elegante, aber separierte Hotel, das einen schönen Garten besitzt, europäische Küche anbietet und mich durch ein gewohntes Niveau beruhigt". In die gemächliche Ruhe, die einige Orte kultivierten, fährt neuerdings ein frischer Wind. In Ascona etwa hat ein Frankfurter Unternehmer zwei moderne Restaurants gebaut, die den Ort mächtig aufmischen, was längst nicht alle freut. Denn die Zeiten, in denen das Städtchen am Lago Maggiore für quirligen Jetset stand, waren lange vorbei.

Ein Garten Eden ist das Tessin aber nicht für jeden. Zieht man die Wanderschuhe an und steigt in die Höhe, trifft man sie noch, die Bergler, die ihre steilen Felder bearbeiten, mit der Sichel heuen und froh sind, wenn sie abends ein Stück Speck auf dem Teller finden. Über Jahrhunderte wanderten viele Tessiner in europäische Nachbarländer aus oder sogar nach Amerika, weil sie sich nicht mehr selbst ernähren konnten. Heute bieten die Hänge über den Seen wunderbare Wanderwege wie etwa die "Strada verde", ein 40 Kilometer langer Rundweg, der in Arosio beginnt. Auch den Olivenweg von Gandria, dem malerischen ehemaligen Fischerdorf am Luganer See, möchte ich empfehlen. Am besten übernachtet man dort und geht dann am Morgen den "Sentiero dell’Olivo" zurück nach Lugano, immer an Terrassen entlang, auf denen Olivenbäume wachsen – übrigens das Geschenk einer deutschen Baronin an die Stadt Lugano.

Genug gewandert? Dann steigen Sie doch um auf die Centovalli-Bahn. Mit rasanten 60 Stundenkilometern zuckelt sie von Locarno bis ins italienische Domodossola. Bevor ich das Tessin wieder verlasse, mache ich Station in der Kantonhauptstadt Bellinzona, nehme einen "Spritz" auf der Piazza Collegiata mit Blick auf die Kirche San Pietro e Stefano. Meine Frau Romana ist hier geboren. Ein Grund mehr, weshalb mir die Schweiz so ans Herz gewachsen ist!

Meine Tipps für Reisen ins Tessin:

Anreise
Entspannt ist die Fahrt mit dem Zug durch den Gotthard-Tunnel. Weitere Infos: Schweizerische Bundesbahnen (www.sbb.ch). Oder: Ticino Turismo (www.ticino.ch)

Monte San Giorgio
Hier am Südufer des Luganer Sees kann man die Fundstätten fossiler Saurier besichtigen, verbunden mit einer dreistündigen Wanderung auf einem markierten Naturlehrpfad.

Brissago-Inseln
Die kleinere Insel ist Forschungszwecken vorbehalten, aber auf der größeren (Pankratius-Insel) können Besucher rund 1800 subtropische Pflanzenarten bestaunen, darunter viele Raritäten. Schiffe legen in Ascona ab.

Rustici
Die traditionellen Holz- oder Steinhäuser werden auch an Touristen vermietet. Auskünfte: Tourismusbüro Bellinzona (www.bellinzonaturismo.ch).

Autor: Hansi Hinterseer; Bilder: © dpa Picture-Alliance GmbH