HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Grand Canyon

Blick in den Grand Canyon vom Grandeur Point; Bild: © picture alliance/Lonely Planet Images

Peter Kloeppels Schlauchboot-Tour

Grand Canyon Reisen

Die halbe Welt hat er bereist, viel gesehen, viel erlebt. Dennoch ragt seine Tour durch den Grand Canyon Nationalpark deutlich aus seinen anderen Reisen heraus. Warum ihn dieses Naturwunder im Norden des US-Bundesstaates Arizona so tief berührt hat, verrät Peter Kloeppel, Nachrichtenchef von RTL und Nachrichtensprecher der Sendung "RTL Aktuell", exklusiv in HÖRZU:

Größte Schlucht der Welt

Grand Canyon – dieser Name steht für einen Superlativ: für die größte Schlucht der Welt, 1600 Meter tief, 450 Kilometer lang. Über Jahrmillionen entstand sie durch Erosion und die Wassermassen des Colorado River, die sich langsam durch die Gesteinsschichten des Colorado-Plateaus gruben. Ein brachialer Prozess, der beeindruckende Schönheit hervorgebracht hat. Um sie wirklich zu erleben, darf man den Canyon eigentlich nicht, wie bei den meisten Touren, nur von oben "kratzen". Deshalb wählte ich, als ich im Sommer 2008 für eine Reportage hierher kam, eine Schlauchboottour auf dem Colorado River.

Schlauchboot-Tour auf dem Colorado River

Von Las Vegas aus flog ich erst einmal zur Bar 10 Ranch, die am Nordrand der Schlucht liegt, dem sogenannten North Rim. Nach einer Übernachtung ging es per Helikopter weiter – hinein in den Canyon. Einmalig dieses Erlebnis! Man taucht ein in eine Welt intensivster Farben: Rostrot, Dunkelgrün, Azurblau – die Felsen, der Fluss, der Himmel. Zwei Tage lang tuckerten wir anschließend mit motorisierten Schlauchbooten den Colorado River hinunter. Der Fluss fließt größtenteils ruhig dahin, doch die Ausblicke, die er bietet, sind atemberaubend: Sieht man nach unten, schillert sein Wasser in den verschiedensten Blautönen. Sieht man nach oben, stürzen Felshänge auf einen herab, oft mehrere Hundert Meter hoch und kunstvoll geschwungen wie die Wände natürlicher Kathedralen.

Immer wieder bleibt der Blick an verwegenen Vorsprüngen und bizarren Säulen hängen. Man verliert jegliches Gefühl für Dimensionen. Ist die Felskante dort oben nur 300 Meter entfernt? Oder gar 1600 Meter? Man weiß es nicht. Man ahnt nur, wie klein man als Mensch ist im Vergleich zu dieser kolossalen Naturschönheit. Alle paar Minuten stürzen neue Eindrücke auf uns ein, hinter jeder Flussbiegung erscheint eine weitere neue, einzigartige Felsformation. Diese Vielfalt ist unfassbar.

Wilde Tiere am Colorado River

Wer Glück hat, kann sogar einen Blick auf eines der hier lebenden Wildtiere erhaschen. Am Colorado River gibt es Raubkatzen wie Pumas und Rotluchse, aber auch Graufüchse und Kojoten. Sogar Maultierhirsche kommen in den Trockenzeiten zum Fluss. Allesamt scheue Gesellen, die sich oft in Seitentäler verziehen, weil sie wissen, dass die meisten Touristen auf dem Hauptfluss unterwegs sind. Ich hatte deshalb weniger Glück und sah nur ein paar Bergziegen.

Eines der schönsten Erlebnisse war es, ab und an in den Fluss zu springen und mich sanft neben dem Boot hertreiben zu lassen. Es gibt auch einige schöne Buchten mit Schwemmsand, in denen das Boot anlegen kann. Oft haben sie Felsvorsprünge, von denen man ins Wasser springt. Das ist relativ kalt – aber eine herrliche Erfrischung angesichts der Temperaturen, die hier ständig zwischen 30 und 40 Grad pendeln.

Kein Handy, kein Notebook, kein Radio

So tief, wie der Fluss sich in die Gesteinsschichten gegraben hat, graben sich die Eindrücke dieser Reise ins Bewusstsein. Denn sie sind extrem, anders, bereichernd: Man ist mit einer kleinen Gruppe unterwegs, abgeschnitten von der Welt. Kein Handy funktioniert in dieser Schlucht, kein Notebook, kein Radio. Da sind nur er Fluss, das Boot, die Menschen, mit denen man unterwegs ist. Und die Natur: wild, überwältigend, schön.

Man versteht plötzlich, dass man nur ein kleiner Teil von allem ist. Ein winziger. Das kann einen ganz schön erden. Manchmal fühlte ich mich wie ein Gefangener des Canyons, dann wieder unendlich frei. Vor allem in den Abendstunden und den Nächten. Wenn die Sonne sich langsam senkt, legt man an und bereitet gemeinsam das Essen zu, schneidet Brot und Fleisch, schnippelt Salat und Gemüse, holt die Gasgrills aus dem Boot, sitzt beisammen. Wahre Lagerfeuerromantik. Man schläft auf einem Feldbett unter freiem Himmel, über einem nur die Sterne, der Mond scheint auf einen nieder, nebenan rauscht der Fluss – und zwar gewaltig.

Profaner Rat an alle, die trotzdem ihre Nachtruhe genießen wollen: Ohrstöpsel mitbringen! Denn der Colorado schläft nie. Der Fluss erzählt fortwährend vom Abenteuer.

  • Reisetipps für den Grand Canyon

  • Flug nach Arizona

    Hin- und Rückflug von Frankfurt am Main nach Las Vegas mit US Airways schon ab 590 Euro (Beispiel: 23.4. bis 11.5., gefunden auf www.swoodoo.de).
    Von Las Vegas aus Weiterflug nach Flagstaff (Hin- und Rückflug ab 170 Euro). Von Flagstaff sind es noch 57 Kilometer bis zur Stadt Williams im US -Bundesstaat Arizona. Dort sollten Sie übernachten, am nächsten Tag die letzten 101 Kilometer bis zum South Rim per Mietwagen zurücklegen.

    Schlauchboot-Tour auf dem Colorado River

    Kloeppel ist mit den Arizona River Runners gereist.
    Infos unter www.raftarizona.com. Preise verhandelbar, je nach Teilnehmeranzahl.

    Autor: Peter Kloeppel