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Franz Alt berichtet von seiner Pilgerreise auf dem Olavsweg in Norwegen.

Franz Alt berichtet von seiner Pilgerreise auf dem Olavsweg in Norwegen. / Foto : © dpa - Report / Foto Startseite: © picture alliance/Bildagentur-online pixel

"Pilgern verändert jeden"

Franz Alt pilgerte auf dem Olavsweg

Wenn es ums Pilgern geht, denken die meisten an den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien. Doch dem folgen so viele, dass man sich fragt, ob dort überhaupt noch Gras wächst. Franz Alt, Publizist und Umweltschützer, hat für HÖRZU eine traumhafte Alternative entdeckt: den Olavsweg in Norwegen, von Oslo nach Trondheim. Was ihn in seinen zwei Pilgerwochen dort besonders beeindruckte, beschreibt er hier:

Am Anfang war der Zweifel. Pilgern – heißt das denn nicht Morgengebet, Mittagsandacht und Abendmahl? Übernachten in alten Bauernhöfen, Jugendherbergen und auf Matratzenlagern? Unterwegs bei jedem Wetter mit Rucksack und Schlafsack? Und 25 Kilometer gehen pro Tag? Soll ich mir das mit 72 Jahren noch antun?

Meine Frau Bigi und ich waren zuvor noch nie pilgern. Schon eines der ersten Gebete unseres Hamburger Pilgerpastors Bernd Lohse im glasüberdachten Dom in Hamar, etwa 90 Kilometer nördlich von Oslo, hat uns jedoch tief berührt: "Wenn wir uns nun aufmachen und uns geborgen wissen in Gottes Händen und hinausziehen in unbekannte Gebiete, wollen wir uns erinnern an Gottes Verheißungen die für die ganze Reise unseres Lebens gelten."

Ja, Pilgern, so lernte ich rasch, ist mehr als Wandern. Pilgern entschleunigt den hektischen Lebensstil. Die Rituale des Gehens, Schweigens, Betens, Meditierens, Singens, der Einfachheit, der Gemeinschaft tun nicht nur dem Körper, sondern vor allem der Seele gut.

Beim Pilgern wurde unsere Gruppe Zeuge vieler kleiner "Wunder" am Wegesrand: In der klaren norwegischen Luft gedeihen Moose und Flechten besonders üppig – eine wahre Sinfonie in Grün, Gelb und Rotbraun. Wir erlebten die "Wunder" des Weges von Tag zu Tag intensiver. Beim Schweigen hörten wir Bäume sprechen, Wasser singen und den Wind flüstern. Und plötzlich verstanden wir, warum der heilige Franziskus vor 900 Jahren von unserer Mutter Erde, unserer Schwester Sonne und unseren Geschwistern, den Pflanzen und Tieren, sprach. Auch er hatte diese tiefe Verbundenheit mit allem Leben nicht in der Gelehrtenstube, sondern in Gottes freier, traumhafter Natur erlebt.

Pilgern verändert! Du entdeckst die Schönheit im Kleinen und wirst offen für das Unerwartete – auch im Gespräch mit den anderen. Danach lebst du bewusster und achtsamer. Du läufst in einer fremden Landschaft bei jedem Wetter, so wie wir auf dem 650 Kilometer langen Olavsweg, und bist in Wahrheit auf dem Weg zu dir selbst, zu deinem Selbst.

Autor: Franz Alt; Bild: © dpa - Report