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Christoph Göbel (28) ist Pilot bei der Lufthansa.

Christoph Göbel (28) ist Pilot bei der Lufthansa und fliegt oft mehrmals am Tag durch Europa. - Foto © picture alliance / dpa

Im TV: Doku "Vier goldene Streifen"

Einen Tag im Cockpit

Haben Sie sich vor einem Flug auch schon mal gefragt, was der Pilot wohl gerade macht, während Sie zu Hause die letzten Sachen zusammenpacken? Schläft er noch? Frühstückt er gerade? Oder sitzt er schon in der Maschine? Und was passiert eigentlich während des Fluges hinter der Cockpittür, die seit dem 11. September 2001 für Passagiere wie eine Mauer ist?

HÖRZU hat den Lufthansa- Piloten Thomas Bößer (45) und seinen Copiloten Max Sandberge (24) einen Tag lang begleitet. Die Route: Berlin – Mallorca – Berlin – Wien – Berlin. Ein ganz normaler Tag.

Der Kaffee schwappt im Getränkehalter am Cockpitfenster hin und her. Die Mittagshitze bringt die Luft über Mallorca zum Flimmern, als Bößer den Airbus A320 mit der linken Hand über die Insel lenkt. Er tariert den Steuerknüppel leicht nach links, dann wieder nach rechts. Die Thermikwinde auf Mallorca! In der rechten Hand hat Bößer die Schubhebel, mit denen er die Geschwindigkeit reguliert. Sein Gesicht ist hoch konzentriert. Gesprochen wird während Start und Landung nur das Nötigste, nichts, was ablenkt. "50!", ertönt eine Computerstimme aus dem Off. Das bedeutet: noch 50 Fuß bis zur Landung in Palma de Mallorca. Dann noch 40! 30! 20! 10! Die Linie auf der Landebahn kommt näher, als würde eine Kamera sie heranzoomen.

Videotrailer: Flugzeug macht Purzelbaum-Landung


Ein dumpfer, sanfter Aufsetzer, wir sind am Boden! "Eine butterweiche Landung", wird ein Passagier später sagen. Einige Fluggäste klatschen hinten in der Kabine, aber davon bekommt Bößer nichts mit – er trägt ein Headset und ist in ständigem Kontakt mit dem Tower, um Informationen wie die Parkposition zu erfahren. Als Bößer die Triebwerke abschaltet, grinst er zufrieden: "Willkommen auf Mallorca."

Vier Stunden sind vergangen, seit die Crew sich das erste Mal in Berlin begegnet ist: vier Flugbegleiter und die beiden Männer aus dem Cockpit. Um 9.15 Uhr haben sie sich zum Briefing getroffen, 75 Minuten vor dem geplanten Start. Kennenlernen, Wetter und Flugzeit besprechen. Wie viele Passagiere? Sind darunter besondere Fluggäste? Die Piloten schauen sich die Flugroute an und bestimmen, dass neun Tonnen Kerosin getankt werden. Dann geht es zum Sicherheitscheck. Wie jeder andere Passagier wird die Besatzung kontrolliert, aber ohne Warteschlange.


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Nur eines lief an diesem Morgen nicht nach Plan: Die Maschine, mit der Bößer heute unterwegs ist, sie ist auf den Namen "Lahr/Schwarzwald" getauft, kam mit 40 Minuten Verspätung in Berlin an. Sie hatte mit einer anderen Crew bereits einen Einsatz nach Stuttgart und zurück. "Die Zeit sitzt uns den ganzen Tag im Nacken", sagt Bößer, während er am Bordcomputer die Menge an Kerosin berechnet, die auf Mallorca getankt werden soll. Bößer ist unzufrieden: "Wo ist denn das Reinigungsteam? So können wir die Verspätung niemals aufholen. Zeit wird am Boden verloren und gewonnen – nicht in der Luft."

Er schüttelt verärgert den Kopf. 45 Minuten bleiben Lufthansa-Maschinen im Durchschnitt am Boden, bei Billigfliegern wie Ryan Air sind nur 25 Minuten eingeplant. Passagiere raus, aufräumen, Kabine säubern, Essen laden, betanken, Gepäck ausladen, anderes einladen, neue Passagiere wieder rein. Während im grau-weißen Rumpf viele Füße im Laufschritt unterwegs sind, macht Thomas Bößer in einer neongelben Weste einen Kontrollgang um den A320. Tropft es irgendwo heraus? Sind Schläge oder Risse in den Lamellen der Triebwerke? Haben die Reifen genügend Profil? Ist der Bremsbelag dick genug? "Achtung, die sind noch sehr heiß, bitte nicht anfassen!", sagt er, als wir an den Reifen stehen.

Da wird deutlich, welch extremer Belastung sie bei Starts und Landungen ausgesetzt sind. "Die Maschinen halten mehr aus, als viele ahnen", erklärt der Pilot. Bößer fliegt seit 22 Jahren, das macht 12.500 Flugstunden. "Bisher habe ich nur minimale Probleme erlebt. Zwischenlanden musste ich nur einmal, weil wir einen Passagier mit Verdacht auf Herzinfarkt an Bord hatten", sagt er. Er ist ein Mann, der tiefe Ruhe ausstrahlt. Wer in der Luft ein mulmiges Gefühl hat, dem kann man nur wünschen, einen Tag mit Kapitän Bößer und seinem Kollegen Sandberge im Cockpit zu verbringen. "Die Technik an Bord ist doppelt, oft auch drei- oder vierfach gesichert", sagt der 45-jährige Münchner. "Wenn es mal ruckelt, ist es doch nur so, als ob man mit dem Auto über einen Feldweg fährt." Auch das Durchstarten sei kein Problem, es wird trainiert.

Herzklopfen in Lissabon

Inzwischen ist die "Lahr/Schwarzwald" wieder in der Luft. Copilot Max Sandberge steuert das Flugzeug. Per Bordcomputer hat er die Startgeschwindigkeit ausgerechnet: 270 km/h. Sie bemisst sich nach Luftdruck, Gewicht des Flugzeugs, Temperatur, Wind und Länge der Startbahn. Interessant: Die Männer im Cockpit begegnen sich auf Augenhöhe, Thomas Bößer ordnet nichts an, entschieden wird gemeinsam. "Bei anderen Airlines könnte Max zwei, drei Jahre nach der Ausbildung Kapitän werden, bei Lufthansa ist man etwa zwölf Jahre Copilot", sagt Bößer, als es klingelt.

Chefstewardess Natalie Alles steht vor der Tür. Seit dem 11. September wird man nur nach diesem Signal ins enge Cockpit gelassen, in dem man gerade mal zwei kleine Schritte machen kann. Eine Kamera filmt alles, was sich vor der Tür abspielt. "Möchtet ihr etwas essen?", fragt sie und serviert schließlich Königsberger Klopse. Während des gesamten Flugs tragen die Piloten Headset. Aus dem englischen Stimmengewirr hören sie ihre Maschine heraus und erhalten von Fluglotsen Koordinaten, die sie dann in den Autopiloten eingeben. Zwischendurch fragen sie das Wetter einiger Flughäfen ab, die an der Route liegen – für den Fall einer Zwischenlandung. Bößer lehnt sich auf das Armaturenbrett. "Wir sind über Frankreich. Irgendwo da unten links machen meine Eltern gerade Urlaub. Und da vorn, in Aix-en-Provence, ist meine Tochter zum Schüleraustausch."

Die Familie ist ein Grund, warum Bößer Kurzstrecke fliegt. So sei er nur etwa zwölf Nächte im Monat weg. Trotzdem ist es eine Herausforderung: Am 27. eines Monats erhalten Piloten und Flugbegleiter ihren Dienstplan für die nächsten vier Wochen, erst dann können sie planen. Bößer ist ein Familienmensch, herzlich, lustig – und auf der anderen Seite absolut rational. "Ich habe nie davon geträumt, Pilot zu werden. Wenn ich das getan hätte, wäre ich falsch auf diesem Sitz. Ein Cockpit ist nichts für Träumer.“ Einen Plan B sollte man haben, wenn man sich bewirbt. Er habe damals Physik studiert. In all den Berufsjahren ist die Faszination, die Welt von oben zu sehen, geblieben. Wann er Herzklopfen bekommt? "Wenn ich in Lissabon oder Nizza lande, weil es so schön ist. Aber das Wort Herzklopfen passt eigentlich nicht zu mir", sagt er und lacht. Nach zwölf Stunden Arbeit, vier Flügen und 5588 Kilometern.

Autor: Mirja Halbig