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Sansibar-Stummelaffen fressen am liebsten Blätter.

Der scheue Sansibar-Stummelaffe: In Fellfarbe und Verhalten unterscheiden sich die Affen deutlich von ihren Verwandten auf dem Kontinent. Sie fressen fast ausschließlich schwer verdauliche Blätter. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Traumziele der Welt

Der Zauber von Sansibar

Einsame Buchten, ungezähmte Natur: Der Archipel vor Afrikas Ostküste hat viel von seiner Wildheit bewahrt. TV-Tipp: "Wilde Inseln" - Start der fünfteiligen Dokureihe (siehe TV-Programm rechts). Teil 1: Sansibar. Montag, den 08.04., 19:30 Uhr, Arte.

Sansibar-Tipps

Der Archipel Sansibar mit seinen Hauptinseln Unguja und Pemba ist ein autonomer Teil Tansanias. Auf 2654 Quadratkilometern leben rund 1,26 Millionen Menschen.
Die Reise: Deutsche benötigen Reisepass und Visum. Impfungen werden empfohlen. Beste Reisezeit: Juni bis Oktober.
Angebote: 1 Woche "Sea Cliff Resort & Spa" inkl. Flug, Halbpension ab 1150 Euro/Person (TUI). 7 Nächte "Melia Zanzibar" inkl. Flug, All-inclusive-Verpflegung, Transfers, Reiseführer nach Wahl ab 1559 Euro/Person (Thomas Cook).


Manche Orte klingen schon nach Sehnsucht. Sansibar. Wir sehen weiße Strände, von Kokospalmen gesäumt. Riechen den Duft von Vanille, Nelken und Zimt. Hören den Wind in Mangrovenwäldern rauschen. Der Archipel, 40 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt, zählt zu den Traumzielen der Welt – und hat doch seine Wildheit bewahrt. Mit einsamen Buchten und bizarren Kreaturen, die fast an jene Fabelwesen erinnern, denen einst Sindbad auf seinen Reisen begegnete.

Schatzinsel im Indischen Ozean

Eine TV-Doku (siehe TV-Tipp rechts) zeigt diese ungezähmte Seite des Paradieses. Während Urlauber über Stone Town mit seinen Häusern aus Korallengestein staunen oder sich durch Gewürzfarmen schnuppern, erwachen wenige Kilometer entfernt unberührte Strände zum Leben. Bei Ebbe graben sich Tausende Winkerkrabben aus dem Sand und suchen nach Nahrung. Die Männchen lassen sich leicht ausmachen: Eine ihrer Scheren wächst zu enormer Größe. Der Sinn? Angeberei! Mit der Riesenklaue winken sie den Weibchen der Krabbenkolonie zu. Je heftiger, umso eher lassen diese sich locken.

Winkerkrabbe

Winkerkrabben leben erst in der Dämmerung auf. - Foto © picture alliance / dpa

Die Lage vor der Küste macht Sansibars Natur so einzigartig. Korallenriffe ließen einst den exotischen Archipel mit den beiden Hauptinseln Unguja und Pemba entstehen. Isoliert vom Festland entwickelten sich viele Tiere anders als in Afrika selbst. Im Jozani Forest Nationalpark kommt man vielen dieser endemischen Arten nahe. Wer Glück hat, erlebt sogar die scheuen Sansibar-Stummelaffen.

Sansibar-Stummelaffen

Sansibar-Stummelaffe mit Nachwuchs. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

In Fellfarbe und Verhalten unterscheiden sie sich deutlich von ihren Verwandten auf dem Kontinent. Sie fressen fast ausschließlich schwer verdauliche Blätter. Ähnlich wie Kühe haben die Meerkatzenverwandten deshalb einen Magen mit mehreren Kammern. Nach einer Stunde Fressen müssen sich die Affen mit der Zottelmähne erst einmal ausruhen, um genüsslich zu verdauen. Deshalb hängen sie drei Viertel ihrer Lebenszeit einfach nur träge in den Bäumen.

Vielfalt im Märchenwald

Einen anderen typischen Bewohner des Archipels werden Besucher wohl nicht mehr bestaunen können. Der Sansibar-Leopard gilt seit 1991 als ausgestorben. Bislang suchen Naturschützer vergeblich nach letzten überlebenden Exemplaren. Dafür tummeln sich im Jozani-Märchenwald scheue Mungos, Schmetterlinge, Schlangen und mehr als hundert Vogelarten. Die Vielfalt der Natur reicht von Mangrovensümpfen über Buschland bis zu Palmfarnen, die so schon zu Zeiten der Dinosaurier wucherten. Verständlich, dass es Überlegungen gibt, den Nationalpark zum Weltnaturerbe der Unesco zu erklären.

Jozani Forest Nationalpark

Urtümliche Palmfarne wuchern im Jozani Forest Nationalpark. - Foto © picture alliance / W. Layer / Ar

Für die Menschen von Sansibar sind allerdings Sand, Salzwasser und Seetang das größte Kapital. Der Sand, weil er Touristen anzieht. Das Wasser, weil es mit seinen Korallengärten voller regenbogenbunter Anemonenfische, Seesterne und Schildkröten verzaubert. Der Seetang, weil er als wichtiges Exportgut Geld bringt. Im flachen Wasser vor der Ostküste werden die mineralstoffhaltigen Algen gezüchtet. Zwei Monate lang wachsen sie in den Aquakulturen zu mächtigen Seetangbüscheln heran. Die Frauen von Sansibar zupfen sie aus der Lagune und trocknen sie in der Sonne. Vor allem in Asien gelten die Algen als beliebtes Gemüse. 7000 Tonnen werden jedes Jahr vor Sansibar geerntet.

Sansibar Insel Pemba

Urlauber erkunden das Meer vor der Insel Pemba mit dem Kanu. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

7000 Tonnen Seetang? Der wirtschaftliche Glanz des Archipels ist längst verblasst. Hier lag einst das Handelszentrum des Indischen Ozeans, hier trafen sich Kaufleute aus Indien, Persien, Arabien, Portugal. Stone Town erinnert an diese Zeit. Ein Labyrinth aus engen Gassen, Tempeln, Moscheen und Palästen, aus kunstvoll geschnitzten Holztüren und bunten Basaren. Hier blühte das Geschäft mit Gewürzen, Elfenbein – und Menschen. Im 19. Jahrhundert galt Sansibar als wichtigster Sklavenhandelsplatz Ostafrikas – das dunkle Kapitel einer Trauminsel, die heutzutage mit Kokospalmen und Schatten spendenden Mangobäumen betört.

Autor: Kai Riedemann