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Ivo Jahn gönnt sich eine "Eiszeit" an Deck.

''Captain Cook auf Kreuzfahrt'' - Doku im Ersten: Küchenchef Ivo Jahn gönnt sich eine "Eiszeit" an Deck. / Foto: © SR/Julia Leiendecker

Küchenchef Ivo Jahn bei der Arbeit

''Captain Cook auf Kreuzfahrt'' - Doku im Ersten

Auf den ersten Blick ist das Leben von Ivo Jahn ein Traum: Sonne von morgens bis abends, Karibikflair, lauer Wind, klares Wasser, sanfte Wellen. Auf den zweiten Blick ist es: Stress pur. Denn Jahns Beruf ist knallhart. Ein Knochenjob – im Paradies. Ivo Jahn ist Küchenchef auf der "Allure of the Seas", dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt. Er ist dafür verantwortlich, dass jeden Tag 6300 Passagiere in 26 Restaurants an Bord verpflegt werden. Ein Filmteam der ARD hat den 42-Jährigen aus Hessen auf dem Luxusliner begleitet – von Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida bis zur Karibikinsel St. Maarten.


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Während die Passagiere auf dem Sonnendeck ganz entspannt die Weite des Ozeans genießen, geht es im Schiffsbauch hoch her. Töpfe scheppern, Schüsseln klappern, Anweisungen schallen durch den Raum. Obwohl jeder hier unten ohnehin genau weiß, was er zu tun hat. Keiner der Gäste im Restaurant "Adagio" – mit 3000 Plätzen das größte an Bord – ahnt, wie hitzig es gleich nebenan zugeht. Denn dort liegt die größte der insgesamt 26 Küchen, über drei Etagen gebaut, ein Labyrinth aus Gängen, ohne Tageslicht.

Die dicken Schiffswände separieren sie gut von der hellen Welt der Passagiere, verbannen die Hektik, schlucken jedes Geräusch. Von acht Uhr morgens bis 22.30 Uhr nachts koordiniert der Küchenchef 250 Köche und weitere 100 Mitarbeiter. Nur nachmittags gönnt er sich eine kleine Pause. Die Angestellten der in Miami ansässigen Reederei Royal Carribbean kommen aus Indien, Tansania oder von den Philippinen. Auf der "Allure of the Seas" sind Menschen aus 70 Nationen beschäftigt. Arbeitssprache ist Englisch.

"Ich versuche, so oft wie möglich hinter dem Herd zu stehen", sagt Ivo Jahn. Aber sein Job umfasst eben viel mehr Aufgaben: etwa neue Rezepte zu kreieren, Einkäufe zu kalkulieren, die Qualität der Lebensmittel zu kontrollieren und die Hygiene zu überwachen.

Riese mit großem Appetit

Wenn das Schiff für eine Woche ausläuft, stehen 28 Lastwagen im Hafen, randvoll beladen mit Lebensmitteln und Getränken. Der Bedarf für eine Woche: 200.000 Kilo Nahrung. Aus der Einkaufsliste stehen etwa: 10.000 Kilo Wassermelonen, 10.000 Kilo Ananas, 8000 Kilo Honigmelonen, 200 Kilo geschälter Knoblauch. Fleisch und Fisch sind tiefgefroren. 26 Restaurants bieten an Bord Spezialitäten aus aller Welt an, etwa aus Japan, Spanien oder Italien. In einer Woche Urlaub schafft man es kaum, alle zu besuchen.

Auf dem Kreuzfahrtriesen ist vieles XXL. Er ist wie ist eine schwimmende Stadt auf dem Ozean: 16 Stockwerke ragen 65 Meter in den Himmel. 361 Meter ist das Schiff lang. Nicht unbedingt ein Eldorado für Individualisten. Es gibt eine Einkaufsstraße mit Kopfsteinpflaster und Straßenlaternen, Juwelieren und Cafés, ein 3-D-Kino, eine Eislaufbahn, einen Minigolfplatz, ein Basketballfeld, ein Freibad, ein Jugendzentrum und einen kleinen Jahrmarkt inklusive Karussell.

Moderner Weltenbummler

Für Ivo Jahn ist die "Allure of the Seas" eine Heimat auf Zeit. Vier Monate am Stück verbringt er auf dem Wasser. Freie Tage? Gibt es in diesen Phasen nicht, dafür danach acht Wochen Urlaub am Stück. Anschließend fährt Jahn wieder vier Monate zur See – so ist der Rhythmus. "Wenn ich an Bord bin, kommt es vor, dass ich mehrere Tage lang gar nicht wahrnehme, dass ich auf einem Schiff bin. Wie alle habe ich vor meiner Zeit auf Luxuslinern auch davon geträumt, ab und an romantische Sonnenuntergänge zu genießen. Aber das ist in der Realität nicht so."

Im Alltag ist kein Platz für Ozeanromantik. Jahn geht in seiner Freizeit an Bord ins Fitnessstudio oder joggt auf der Laufbahn. "Ich genieße es, mich nach Feierabend ganz allein in meine Kabine zurückzuziehen, den Fernseher einzuschalten, dabei ein Bier zu trinken."

Je höher der Dienstgrad, desto höher liegt auch die private Kabine: Jahn bewohnt eine Außenkabine mit zwei Zimmern, Pantry und Bad. Wohn- und Schlafraum bieten einen grandiosen Blick aufs Meer. Die meisten Angestellten schlafen "unter Wasser". Eine Wohnung an Land hat Jahn gar nicht. In seiner freien Zeit reist er nach Australien, Südafrika – oder zu seinen Eltern und Geschwistern nach Marburg. "Meine Familie ist für mich Heimat. Wenn ich zu Besuch bin, kochen wir gemeinsam. Der eine schnippelt dies, der andere das – es ist ganz entspannt und macht Spaß!"

Ein Stück Heimat hat Ivo Jahn mit an Bord genommen: "Ich habe ein Gericht meiner Mutter auf die Karte gesetzt: eine Lauchpfanne mit Reis und Hackfleisch. Sie ist bei den Gästen der Renner", sagt er und lacht. Man spürt, dass er weiß, wie sehr sich seine Mutter darüber freut.

Als Jahn vor zehn Jahren zum ersten Mal als Koch auf ein Kreuzfahrtschiff ging, trieben ihn die Abenteuerlust und der Reiz, international tätig zu sein. Er weiß nicht, wann er wieder Heimweh nach dem Festland, einen festen Wohnsitz haben wird. "Zurzeit verdiene ich gut und führe ein sehr sparsames Leben: Ich brauche gar keine Wohnung und kein Auto." Das nächste Projekt steht schon an: "Die Reederei Royal Carribean, für die ich arbeite, plant ein noch größeres Schiff, das in Deutschland gebaut wird und 2014 fertig sein soll. Schon jetzt steht fest, dass ich dort arbeite, aber mehr konzeptionell: Eine Aufgabe wird etwa sein, den neuen Küchenchef einzuarbeiten."

Genug Erfahrung bringt Jahn mit. Ehe er aufs Schiff wechselte, war er im Sternerestaurant des Hotels "Traube Tonbach" im Schwarzwald, später in Irland, Neuseeland – nun also auf dem Karibischen Meer. "Es gibt schon Momente, die ich genieße: Wenn wir etwa die Insel Cozumel in Mexiko anlaufen. Dann liegen wir dort an den Hotelpools oder essen ganz frischen Fisch." An solchen Tagen ist auch für ihn die Karibik purer Genuss.

Von ihren Schattenseiten, den Hurrikans, blieb er bislang verschont. "Die Wetterdaten, die wir erhalten, sind so präzise, dass wir den Stürmen ausweichen und maximal ein paar Regentropfen am Rand des Tiefs abkriegen." Seekrank wurde der Hesse bisher nur einmal: "Das war ganz furchtbar, aber zum Glück nicht auf der ‚Allure of the Seas‘, sondern in meinem Urlaub: auf einem Katamaran vor Key West in Florida."


Sendehinweis:

"Captain Cook auf Kreuzfahrt"
Dokumentation über den Chefkoch Ivo Jahn auf hoher See
Sonntag, 05.08., 18 Uhr, Das Erste

Autor: Mirja Halbig