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St. John's Neufundland

Farbenfroh: Eine der typischen bunten Häuserreihen in St. John’s. - Foto © picture-alliance / Lonely Planet Images

Berauschende Ruhe

Anna Thalbach über Neufundland

Anna Thalbach liebt unberührte Natur

Der Wunsch, fremde Länder kennenzulernen, treibt Anna Thalbach oft in die weite Welt. Die Berlinerin, die in der Krimiserie "Flemming" (siehe TV-Tipp rechts) Gerichtsmedizinerin Dr. Alissa Markus spielt, mag unberührte Natur abseits des Großstadttrubels. Mit der Reise nach Neufundland, an die Atlantikküste Kanadas, erfüllte sie sich einen Traum. Besonders aufregend findet sie es, dort auf dem Meer Wale zu beobachten. Dieses große Erlebnis beschreibt sie exklusiv in HÖRZU

St. John's bietet Anna Thalbach einen freundlichen Empfang

Wie freundlich und offen ich hier empfangen werde. St. John’s, der Hauptort auf Neufundland, liegt zwar unter einem feinen dunstigen Schleier, doch die Ruhe und Gelassenheit, die mir entgegenströmen, tilgen alle Spuren der anstrengenden Anreise. Die Stadt wirkt auf mich wie ein Cocktail, ein aparter Mix aus verschiedensten Zutaten: Manches erinnert an Schweden, einiges an das englische Seebad Brighton. Bei den bunten Häuserreihen muss ich an die Haight Street in San Francisco denken. Und ein wenig an Murano, die Glasbläserinsel vor Venedig.

Die Luft ist salzig und frisch, so wie sich das gehört an der Küste, an der rauen See. Auf und ab führen die Wege, doch über allem liegt gelassene Ruhe. Ich begegne Fischern, die geduldig ihre Netze flicken, und Tauchern, die akribisch Fischerboote ausbessern. Am meisten beeindruckt mich, dass hier ein völlig anderes Zeitgefühl herrscht. Wie langsam die Uhren auf dieser Insel gehen! Die Leute, die in St. John’s leben und arbeiten, scheinen sehr entspannt und zufrieden zu sein.

Die bunten Häuserreihen von St. John’s

Am nächsten Tag fährt uns Reiseführer Marc zum "Lighthouse" von Cape Spear, einem kleinen Leuchtturm, von dem aus man einen fantastischen Blick hat: auf die See, auf die Klippe mit der Festung und ins Landesinnere nach St. John’s. Man spürt, wie sehr die Einheimischen mit der Natur verbunden sind. Nirgendwo findet man Schmutz oder Müll, keine Wand ist beschmiert, nirgends habe ich Werbeplakate gesehen.

Als wir nach St. John’s zurückkehren, zeigt uns Marc seinen Lieblingsladen, eine eigenwillige Mischung aus Spezialitätengeschäft, Bio-Bistro, Sandwichbude und Coffeeshop. Alle Bauwerke zeigen starken britischen Einfluss. Die Einwohner pflegen ihre Geschichte. Und ihren Ort: Will jemand ein neues Haus bauen, muss er es dem Gesamtbild anpassen. Auf der ganzen Reise habe ich nicht einen "Neubau" gesehen, ausgenommen die großen Hotels in Flughafennähe und unser Hotel in St. John’s. Ansonsten scheint hier alles 200 bis 400 Jahre alt zu sein. Selbst die neueren Häuser sehen aus wie die alten: sehr schön.

Anna Thalbach trifft die mächtigen Buckelwale

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker bereits um 6.30 Uhr. Wir fahren hinaus aufs Meer, denn wir wollen das Glück des Käpt’n Ahab aus "Moby Dick" beschwören: Wir wollen einen Wal treffen! Die See ist ruhig. Wir tuckern immer weiter – und da taucht er endlich vor uns auf: der erste Buckelwal. Dann ein zweiter, ein dritter, ein vierter. Ich bin tief beeindruckt. Sie sind bis zu 15 Meter lang, mächtig und sanft. Ihr heißer Atem schießt immer wieder hoch und kondensiert in der kalten Seeluft. Sie spielen miteinander, mit uns. Wenn sie untertauchen, präsentieren sie uns ihre wunderschönen Schwanzflossen – und ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit und den Mut, mit ihnen zu spielen und zu schwimmen, sie zu berühren, zu ihrem Wesen vorzudringen.

Sie sind so groß, so alt, so weise. Sollte es möglich sein, nach dem Tod auf die Erde zurückzukehren, will ich unbedingt ein Wal sein. Fünf Buckelwale begleiten unser Boot, sie tauchen auf und hinterlassen dabei riesige kreisrunde Spuren auf der Wasseroberfläche. Kurz bevor sie untertauchen, drehen sie sich auf den Rücken, als wollten sie uns stolz ihre festen, fast schwarzen Leiber vorführen. Kurz vor Ende der Fahrt sehen wir noch eine Mutter mit ihrem Kalb. Ich wünsche mir plötzlich so sehr, dass diese Begegnung nicht endet – und folge den beiden in Gedanken in die Tiefe. Ich danke diesem Tag für diese großartige Erfahrung. Was es für mich bedeutet hat, die Wale zu treffen? Ich glaube, meine Worte reichen nicht aus, um das zu beschreiben.

Reisetipps: Neufundland entdecken

Anreise mit Air Canada etwa von Frankfurt/M. über Ottawa nach St. John’s (ab 720 Euro hin und zurück). 14 Tage Rundreise mit dem Wohnmobil: ab 1400 Euro.
Touren: Es gibt wenige Pauschalangebote. Neufundland ist ein Paradies für Individualtouristen, die die Insel auf eigene Faust erkunden. Informationen unter www.canada.travel
Wale: Von Mai bis September gibt es vor Ort viele Whale-Watching-Angebote.

Autor: Anna Thalbach