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Der Uracher Wasserfall rauscht 37 Meter frei in die Tiefe.

Der Uracher Wasserfall rauscht 37 Meter frei in die Tiefe. Ein herrliches Schauspiel! - Foto © picture-alliance / OKAPIA KG, Ge

Im TV: "Fuchs und Gans"

Peter Bongartz über die Schwäbische Alp

Natürlich kannte Peter Bongartz die Schwäbische Alb von Theatertourneen. Doch durch die Vorabendserie "Fuchs und Gans", die in und um Bad Urach spielt, wurde er zum Fan dieser Landschaft. Die Dreharbeiten zur aktuellen zweiten Staffel (siehe TV-Tipp rechts) dauerten von September bis April.

Schwäbische Alp: Die Heimat des Adels

"Das war auch eine wunderbare Reise durch die Jahreszeiten“, schwärmt Schauspieler Peter Bongartz, der es genoss, nach Feierabend und an drehfreien Tagen Ausflüge in die Umgebung zu machen. Hier berichtet er von seinen Eindrücken:

Herzöge, Könige und Kaiser hat diese Landschaft in großer Zahl hervorgebracht. So gingen aus dem Adelsgeschlecht der Staufer die Kaiser Barbarossa, Heinrich VI. und Friedrich II. hervor. Ihr Stammsitz war die Burg Hohenstaufen bei Göppingen am Nordrand der Schwäbischen Alb, heute eine Ruine. Deutlich eindrucksvoller thront der Stammsitz der Hohenzollern auf einem durch Erosion allein stehenden Bergkegel am westlichen Rand der Schwäbischen Alb. Aus der Herrscherfamilie und ihren vielen Haupt- und Nebenlinien stammen Grafen, Fürsten, Herzöge, preußische und rumänische Könige, nach 1871 stellte sie zudem die deutschen Kaiser.

In ihrer heutigen Form ist Burg Hohenzollern allerdings keine 200 Jahre alt – sie war nie bewohnt, sondern diente nur der Repräsentation. Aber diesen Gedanken verdrängt man sehr schnell, wenn man vor diesem Bilderbuchschloss im neugotischen Stil steht. Die Rundumsicht von dort oben ist gigantisch! In Bad Urach habe ich mich sehr wohlgefühlt – und das sage ich nicht nur, weil es Drehort unserer Serie war. Es ist eben kein in Schönheit erstarrtes Touristenstädtchen, sondern mit seinen Märkten und Gewerben überaus lebendig. Anders ausgedrückt: In den Fachwerkhäusern wohnen auch Menschen!

Ein Abstecher zum Wasserfall lohnt zu jeder Jahrszeit, besonders aber bei Minusgraden, wenn er gefroren ist. Ein wunderschönes Bild! Rund um Bad Urach liegt das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Hier sollen Wirtschaft, Umwelt und Soziales miteinander in Einklang gebracht werden. Aus ganz Europa kommen Besucher, um sich anzuschauen, wie das funktioniert.

Einige Restaurants und Hotels in der Umgebung haben sich als "Die Biosphärengastgeber" zusammengeschlossen und bieten nachhaltig angebaute Produkte, Wild und Fleisch in Bioqualität an. Das Hotel "Graf Eberhard", in dem ich untergebracht war, gehört dazu oder auch das Restaurant "Wilder Mann" in Bad Urach, dessen Spitzenküche zu Recht immer wieder in Gourmet-Magazinen gelobt wird.

Mein absolutes Lieblingsgericht aus der Region ist die Ermstalforelle – in Folie gegrillt und mit Mandelbutter serviert. Ein wunderbarer Fisch, dessen Fleisch nicht zu trocken und nicht zu fettig ist. Übrigens habe ich nirgendwo in Deutschland so viele Bäckereien gesehen wie hier. Da kauft keiner Brot im Supermarkt, denn selbst im kleinsten Ort findet sich eine Backstube, die keiner Kette angehört, sondern traditionell selbst backt. Ich bin eigentlich kein "Süßer", aber was ich da an Gebäck gesehen habe, war fantastisch!

Mit dem schwäbischen Komiker Willy Reichert stand ich schon 1969 in Stuttgart auf der Bühne. Seitdem ist mir die Mentalität der Menschen hier sehr vertraut. Ich habe viele großzügige Schwaben kennengelernt – und Willy war ganz sicher einer von ihnen.

Die Bauern auf der Alb waren früher sehr arm und aus der Not heraus sehr erfinderisch: Wenn man sich keinen Handwerker leisten kann, muss man eben alles selbst machen. Der Erfindergeist hat sich bis heute gehalten. Schon die alten Römer wussten die Schwäbische Alb zu schätzen, in Aalen sind noch Überreste eines Kastells aus dieser Zeit zu sehen, auch vom römischen Grenzwall Limes finden sich hier und da Spuren. Dort liegen auch die wunderbaren strong>"Limes-Thermen" – das Bad stammt allerdings erst aus dem Jahr 1985. Sein warmes Heilwasser sprudelt aus 650 Meter Tiefe herauf, einen Besuch kann ich wirklich wärmstens empfehlen.

Heidenheim wurde sogar auf den Überresten eines römischen Kastells errichtet. Über der Stadt thront Schloss Hellenstein, ein Stauferbau mit fast tausendjähriger Geschichte. Mein Lieblingsschloss ist allerdings Lichtenstein über dem Ort Honau. Seine heutige Form ist Wilhelm Hauff zu verdanken. Sein Roman "Lichtenstein" von 1826 begeisterte Graf Wilhelm von Württemberg so sehr, dass er am Standort der alten Burgruine das neue Schloss im romantischen Stil errichten ließ. Immer wieder habe ich einzelne Abschnitte der "Straße der Staufer" bereist, die auf insgesamt 300 Kilometern durch die Touristikregion "Stauferland" führt. Wer ihr folgt – mit dem Auto, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß – kann sicher sein, dass ihm keine Sehenswürdigkeit entgeht. Es lohnt sich auf jeden Fall, und ich hoffe, dass ich meine Lücken bald schließen kann.

Was ich an der Landschaft so liebe und in dieser Form noch nirgendwo anders gesehen habe, ist, wie sie sich auf kurzer Distanz verändert, von Karst zu dichtem Mischwald wechselt und im nächsten Moment Wacholderheide und Schafe aufbietet. Am direktesten erlebt man die Natur natürlich beim Wandern, und da ist mir auf der Schwäbischen Alb die gute Beschilderung der Wanderwege über alle Höhen und Tiefen besonders positiv aufgefallen. Jeder Wandertyp kommt hier auf seine Kosten, jede Altersklasse ebenfalls.

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte mindestens eine der zahlreichen Tropfsteinhöhlen besuchen – die Nebelhöhle bei Lichtenstein beispielsweise. Auch ihr hat Wilhelm Hauff in seinem Roman ein Denkmal gesetzt. Legendär ist außerdem die Blautopfhöhle, Teil eines ganzen Systems ober- und unterirdischer Tunnel in Blaubeuren am Ostrand der Alb. Natürlich darf man dabei die berühmte blaue Karstquelle, den Blautopf, nicht auslassen, in der der Fluss Blau seinen Ursprung hat. An seinen Ufern liegt das Kloster Blaubeuren und das historische Hammerwerk.

Nach so viel Blau tut ein Stadtbummel gut – durch Schwäbisch Gmünd mit seiner zweitausendjährigen Siedlungsgeschichte. Die Reste des römischen Kastells Schirenhof in der Weststadt gehören seit sieben Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe. Die historische Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern wird vom Heilig-Kreuz-Münster geprägt. Der gotische Bau ist teilweise 700 Jahre alt und die größte Hallenkirche in ganz Süddeutschland: mit 78 Metern Länge und 51 Metern Höhe – davon allein 22 Meter bis zum Dach. Die Schwaben waren halt immer schon sehr großzügig.

Autor: Peter Bongartz