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Koenigssee Saletalm

Blick auf den Königssee von der Saletalm in Berchtesgarden. Bild: © picture alliance / Arco Images GmbH

Bergidylle und harte Arbeit

Leben auf der Alm

Zwischen spektakulären Gipfeln erwachen, über duftende Almwiesen streifen, im Takt der Natur leben, am Abend eine Brotzeit mit selbst gemachtem Käse verdrücken – was für eine romantische Vorstellung! Immer mehr Menschen zieht es für eine Auszeit auf die Alm, wenn die Hektik des Alltags sie zu sehr durchs Leben getrieben hat.

Öffnet sich dort tatsächlich das Tor zur Zufriedenheit, vielleicht sogar zum Glück? Darauf können die Promi-Kandidaten der neuen Staffel von "Die Alm" (ProSieben, ab 20.8., täglich 22.15 Uhr) bestimmt keine Antwort geben, denn sie müssen Aufgaben lösen, die mit einer Alm so viel zu tun haben wie das RTL-Dschungelcamp mit dem Urwald.

HÖRZU-Chefreporterin Mirja Rumpf hat sich auf die Suche nach dem Ursprünglichen gemacht und auf der Saletalm am Königssee mitgearbeitet:

Die Morgendämmerung schleicht durch das Tal im Nationalpark Berchtesgaden. Noch lange bevor die Sonne über die Gipfel blinzelt, ruft Sennerin Anna ein fröhliches "Guten Morgen!" in meine Schlafkammer auf dem Dachboden. Ich steige aus dem warmen Federbett in die Kälte. Die Bergluft zieht durch die Balken. Isoliert ist hier nichts. Meine Nasenspitze: eiskalt! Und das mitten im Sommer.

Schnell anziehen, dann geht es runter in den Stall. Dass es nur ein paar Meter sind, rieche ich. Es ist sechs Uhr in der Früh. Schlaftrunken greife ich den Holzstock, mit dem ich die Kühe von der Wiese in den Stall treiben soll. Zwei heißen Almrausch, eine Sternei, die andere Fanny. Wo sind sie bloß? Zum Glück ist die 25-jährige Sennerin an meiner Seite.

Bergidylle und harte Arbeit

Wir steigen die Alm hinauf, immer dem Klang der Kuhglocken folgend. Was für eine Kulisse: Der Nebel hängt über dem Königssee, hellblaue Flecke machen sich am Himmel breit. Wenn der Frieden ein Zuhause hat, dann hier. "Kimm geh weida!", ruft Anna, immer wieder. Was so viel heißt wie: "Komm, geh weiter!" Und die Tiere setzen sich tatsächlich in Bewegung.

Der erste kleine Erfolg, ein Glücksgefühl! Da ahne ich noch nicht, wie oft ich das in den nächsten Stunden noch erleben werde, etwa wenn beim Melken tatsächlich der erste Milchstrahl spritzt. Wenn ich mit der Wucht der Axt Holz spalte und es in zwei Teilen zu Boden fliegt. Wenn das Brot mit Butter bestrichen wird, die aus selbst gemolkener Milch hergestellt wurde.

Dass der Weg zu den kleinen Erfolgen verdammt anstrengend sein würde, ahnte ich schon, als ich bei der Begrüssung Annas Oberarme sah. Das Leben in den Bergen macht stärker als jedes Fitnessstudio. Günstiger ist es auch: Wo kann man in der Wildnis schon Geld ausgeben?

Die Arbeitswoche hat sieben Tage, jeder Tag 14 Arbeitsstunden. Um 5.45 Uhr aufstehen, Kühe reinholen und melken, um 7.30 Uhr die erste Verschnaufpause: das Frühstück. Es folgt: käsen – also Milch erhitzen, Lab und Buttermilch hinzugeben, alles in eine Form füllen –, buttern, Zäune reparieren, Viehtränken reinigen, Kälber füttern und Stall ausmisten. "Die Tiere geben den Rhythmus vor", sagt Anna.

Während sie erzählt, wie wichtig es ist, morgens pünktlich die Kühe zu holen, weil sie sonst unruhig werden, stehe ich tief im Mist. Eine Forke nach der anderen lade ich auf die Schubkarre. Anna geht kurz in die Hütte, und ich nutze schnell die Chance: atme tief durch, stütze mich auf die Mistgabel, genieße den Blick. Endlich! Die Natur macht den Kopf frei, nichts lenkt ab. Bis ich Schritte höre und bayerische Wortfetzen. Es sind Wanderer. Hungrig und durstig steuern sie die Alm an.

Einfaches Leben auf der Alm

Anna schmiert ihnen Käsebrote, schenkt frische Buttermilch ein. Wie kommt eine junge Frau dazu, Sennerin zu werden? "Ich stamme von einem Bauernhof, auf dem ich im Winter mithelfe. Schon als Kind habe ich davon geträumt, mit den Tieren in der Abgeschiedenheit zu leben", erzählt sie. "Das ist mein vierter Almsommer. Wenn du das einmal gemacht hast, willst du immer wieder auf die Hütte."

Es ist, als würde die Natur dir die Hand reichen. Das meiste, was man hier braucht, stellt man selbst her. Milch, Buttermilch, Hart- und Frischkäse, Sauerrahmbutter mit und ohne Kräuter, Brombeermarmelade – alles Eigenproduktion. Das Trinkwasser kommt über eine Pumpe direkt aus dem Königssee.

"Nur Brot backen kann ich leider nicht, weil mir der Platz fehlt", sagt die gelernte Bäckerin. Sie hat einen niedrigen Käsekeller, eine Küche mit Spülbecken, eine Stube mit Holzofen, auf dem sie kocht – und wenn man die Tür öffnet, steht man direkt im Stall bei Kalb Flora. Dort werde ich am Abend auch duschen. Ein Badezimmer gibt's nicht. Hinter der Hütte: ein Plumpsklo.

"Ich habe nur das, was ich wirklich brauche", sagt Anna. "Dieses einfache Leben finde ich befreiend." Etwa 400 bis 750 Euro verdienen Senner im Monat. Alle drei Tage bringt der Bauer per Schiff Brot und frische Wäsche, anders ist die Saletalm nicht zu erreichen.

Auch der Tierarzt kommt im Notfall übers Wasser. So wie im Mai, als eine Kuh starb. Anna hockte bei ihren letzten Atemzügen neben ihr. Nach solchen Tagen fällt sogar die 25-Jährige erschöpft ins Bett. Das erzählt sie mir, als wir um 20 Uhr vor der Hütte sitzen. Ich bin beruhigt – meine Lider sind schwer, es fällt mir nicht leicht, die Augen offen zu halten. Mir kommt ein Spruch in den Sinn: "Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe." Da ist was dran!

Autor: Mirja Rumpf