HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Spreewaldgurken

Zum Gurkenmarkt im brandenburgischen Spreewaldort Lübbenau fahren zwei Frauen in Spreewaldtracht mit einem Holzkahn voller Gurken und Dill; Bild: © dpa

Spurensuche im Zauberwald

Christian Redl über den Spreewald

Als TV-Kommissar Krüger ermittelt Christian Redl in einem Revier, das viele Schlupflöcher bietet: Im Spreewald verzweigt sich, rund 100 Kilometer von Berlin entfernt, der Fluss Spree auf über 400 Quadratkilometern in eine Auenlandschaft mit rund 300 "Fließen", flachen Seitenarmen und Kanälen. In HÖRZU berichtet der renommierte Charakterdarsteller Christian Redl, wie er bei den Dreharbeiten zu seinem dritten Fall nach den verborgenen Schönheiten des Flusslabyrinths fahndete.

Was für ein Licht! Sonnenreflexe flirren auf dem Waldboden, morgens wabern oft Nebelschwaden über das Wasser hinter jedem Baumstamm könnte eine Geschichte beginnen. Mein Revier ist ein Zauberwald, der die Fantasie anregt. Hänsel und Gretel könnten hier durchs Unterholz streifen und sich mit Rotkäppchen ein paar Waldbeeren teilen. Lauert da ein Wolf hinterm Baum? Möglich ist alles. Der Spreewald ist eine jener Regionen Deutschlands, die entdeckt werden wollen.

Lübben im Spreewald

Das Tor zum Abenteuer ist Lübben, einst Nebenresidenz der sächsischen Kurfürsten. Das Schloss mit dem prächtigen Wappensaal erinnert heute noch an herrschaftliche Zeiten. Hauptattraktion aber sind die kleinen flachen Flussarme, die "Fließe". Und die Fährmänner, die ihre kiellosen Boote darübersteuern. Während meiner Einsätze im Spreewald habe auch ich das "Staken" gelernt, die Kunst, diese breiten, ungelenken Holzkähne mittels einer Stange voranzutreiben und zu lenken. Gar nicht so einfach, die Richtung zu ändern und rückwärts zu fahren. Kurven sind besonders schwer, Wendemanöver auch.

Wer durch das Fließ-Labyrinth gondelt, sieht an den Ufern Verkaufsstände mit Produkten der Region: Die berühmten Spreewaldgurken gehören selbstverständlich zum Angebot, außerdem Kürbisse, Meerrettich, Honig und Wurst.

Vor 150 Jahren war dieser Landstrich noch völlig unbekannt. Viele Häuser und Anwesen konnte man nur vom Boot aus erreichen, selbst die Post wurde vom Wasser aus zugestellt. Heute wandelt sich das Revier zu einem beliebten Urlaubsziel. Kein Wunder! Wo gibt es schon eine Landschaft mit so eigenartigem Charme, so dicht an einer Großstadt?

Seit der Spreewald von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannt und vor Eingriffen geschützt wird, kreisen zunehmend Bussarde über den Wiesen, Kraniche ziehen vorbei, an den Ufern nisten Eisvögel, und auf den Dächern klappern Störche.

Sorben waren die ersten Siedler

Die ersten Siedler in dieser Gegend waren die Sorben, ein Volk slawischer Abstammung. Bis heute pflegen sie ihre alten Bräuche. Viele Schilder sind zweisprachig, in den Kunsthandwerksläden und auf Märkten kann man jetzt schon die typischen bemalten Ostereier sehen.

Bautzen und Cottbus sind die kulturellen Zentren der Sorben, dort gibt es auch sorbische Kindergärten und Schulen. Wer die Möglichkeit hat, eine Tanzvorführung dieser nationalen Minderheit zu besuchen, sollte unbedingt hingehen: Allein die Trachten mit ihrem reichen Spitzenbesatz sind Meisterwerke der Handarbeitskunst.

Als Kommissar Thorsten Krüger war ich nun schon das dritte Mal im Spreewald im Einsatz. Meine Tipps: ein Besuch im Dörfchen Lehde, das heute zu Lübbenau (auf Sorbisch: Lubnjow) gehört. Schon Theodor Fontane schwärmte in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" von Lehde als "Lagunenstadt im Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten".

Wer mit dem Boot anlandet, kann übrigens im Garten des "Café Venedig" einkehren. Auf der Karte stehen Spreewälder Fisch- und Wildgerichte sowie eine köstliche Spezialität der Region: Kräuterquark mit Pellkartoffeln und Lausitzer Leinöl.

Wer die Region nicht nur zu Wasser, sondern auch zu Lande erleben will, sollte dem "Gurkenradweg" folgen. Jeder Ort auf dieser Tour präsentiert stolz eine Besonderheit.

Auf Lehde folgt Leipe (Lipke), mitten im Wald gelegen. Bis 1936 war das denkmalgeschützte Dorf nur per Kahn zu erreichen. Weiter nach Burg (Borkowy), wo man Stickerinnen, Holzpantoffelmachern und Töpfern über die Schulter gucken kann. Am schönsten ist es dort immer am zweiten Wochenende im Juli, wenn der jährliche Handwerker- und Bauernmarkt stattfindet. Im Sole-Thermalwasser der Spreewald-Therme können sich zwischendurch die Radler-Waden entspannen.

Noch ein Tipp? Die stattlichste Dorfkirche findet der Besucher in Werben: ein spätgotischer Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert. Jetzt ist in Werben wieder Ruhe eingekehrt, im Februar ziehen dort bei der wendischen Fastnacht unverheiratete Paare in prunkvollen Festtrachten durch die Straßen.

Weniger bekannt ist der Unterspreewald. Hier lockt in der Nähe von Krausnick die größte Attraktion der Region: Nachdem das Projekt einer Zeppelin-Cargowerft gescheitert war, entstand in der 107 Meter hohen freitragenden Halle das "Tropical Island Resort", ein Südsee-Badeparadies mit Regenwald, Lagune und Palmen.

Übrigens: Der Titel meines dritten Spreewaldfalls lautet "Die Tränen der Fische" und ist – so viel sei verraten – eine Umschreibung für Diamanten. Ein Junge findet die Steine beim Spielen am Ufer. Und schon ergeht es dem Kind wie jedem hier: Seine Fantasie beginnt zu blühen.

Reisetipps für den Spreewald

  • Nachts durch die Fliesse
  • Mehrmals im Jahr staken Lübbener Fährleute ihre Boote nachts durch die Kanäle. An einigen Punkten treten Schauspieler auf.
    www.spreewald-kahnnacht.de

  • Tropical Islands Ressort
  • Europas größte tropische Urlaubswelt liegt in Brand bei Krausnick und bietet u. a. Strandpartys und romantische Nächte.
    www.tropical-islands.de

  • Hotel zur Bleiche
  • Luxus-Wellness-Resort & SPA mit exzellenter Küche in Burg, Bleiche-Straße 16, DZ: ca. 220 Euro.
    www.hotel-zur-bleiche.de

    Autor: Christian Redl