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Dresden

Alte Pracht: Handbemalte Fliesen in Pfunds Molkerei in der Neustadt. - Foto © picture-alliance / HB-Verlag

Barocke Schönheit

TV-Star Wolfgang Stumph über Dresden

Seinem Alter Ego "Kommissar Stubbe" geht es genauso wie ihm: Immer wieder zieht es ihn zurück nach Dresden, dann muss er eintauchen in barocken Glanz und die weiche sächsische Sprachmelodie. Die Hauptstadt Sachsens, die im 18. Jahrhundert vom kunstsinnigen Kurfürsten August dem Starken geprägt wurde, hat dem gebürtigen Dresdner Wolfgang Stumph auch sein Lebensmotto mitgegeben: "Wer an die Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen." Exklusiv in HÖRZU hat er eine Hommage für seine Heimat verfasst.

Eine Liebe wurzelt oft in der Kindheit. Auch meine Liebe zu Dresden begann früh: Als Junge lief ich am Ufer der Elbe entlang, beobachtete die Schaufelräder der Dampfer und sog die Luft ein, die nach Motoröl roch. In meiner TV-Rolle als "Kommissar Stubbe", der als Leihbeamter nach Hamburg versetzt wurde, versuche ich, sooft es geht, beide Städte zu verbinden. Dann reist Stubbe nach Dresden, besucht sein altes Revier in der Schießgasse und natürlich alle Sehenswürdigkeiten, die die Stadt bietet. Die Elbe hat für mich schon immer eine große Rolle gespielt: Als ich klein war, fuhren wir mindestens einmal im Jahr mit dem Dampfer in die Sächsische Schweiz.

Später habe ich Maschinenbau studiert – sicher wegen meiner Vorliebe für die Schrauben und Gewinde dieser Schaufelraddampfer. Was ich Besuchern empfehlen würde? Den spektakulärsten Blick hat man auf den Elbwiesen gegenüber der Brühlschen Terrasse. Wenn hier im Sommer Konzerte stattfinden, ist die Atmosphäre vor der barocken Kulisse aus Schloss, Hofkirche und Semperoper fast unwirklich schön. Dann natürlich die wiederaufgebaute Frauenkirche. Fünf Jahre ist es jetzt schon her, dass sie in frischem Glanz geweiht wurde.

Bad Schandau, das Wellnesszentrum der Region

Vielleicht fühle ich mich meiner Heimatstadt auch deshalb so verbunden, weil ich ihr Aufblühen miterleben konnte. In Dresden lagen ja noch Trümmer, als sich im Krieg zerbombte Städte wie Hamburg oder Nürnberg längst erholt hatten. Den Wiederaufbau der Semperoper konnte man hautnah verfolgen: Ich erinnere noch gut, wie polnische Restauratoren die Deckenbemalung erneuerten. Nach der Wende habe ich dort Szenen des Films "Go Trabi Go" gedreht. Und jetzt im Januar und Februar spiele ich dort im fünften Jahr den "Frosch" in der "Fledermaus". Ehrensache, dass ich die Texte immer wieder tagesaktuell abwandle, das erwarten auch die Damen und Herren der Staatskapelle im Orchestergraben von mir.

Junge Leute zieht es auf die andere Elbseite in die "Bunte Republik Neustadt". Ein Quartier mit kleinen Läden, vergleichbar mit dem Prenzlauer Berg in Berlin. Nirgendwo sonst in Dresden gibt es so viele Kneipen, hinzu kommt rund ein Dutzend Galerien. Gern würde ich Dresden-Besuchern auch Ausflüge in die Umgebung empfehlen. Als kleiner Junge bin ich zusammen mit meiner Mutter die Elbe hochgefahren bis nach Rathen. Dort sind wir ausgestiegen und haben in einer knappen Stunde die Bastei erklommen. In 317 Meter Höhe bietet sich ein wunderbarer Blick auf den Fluss. Ein Stück weiter elbaufwärts liegt Bad Schandau, heute das Wellnesszentrum der Region.

Wanderrouten in der sächsischen Schweiz

In der gesamten sächsischen Schweiz gibt es spektakuläre Wanderrouten, eine nennt sich "Malerweg" und nimmt die Spur des berühmten Romantikers Caspar David Friedrich auf. Man muss wirklich nicht in die Rocky Mountains fahren. Dramatische Felslandschaften haben wir hier auch! Sehenswert sind auch die nahen Schlösser, etwa die Moritzburg. Im Winter kurven hier Schlittschuhläufer auf dem zugefrorenen Teich im Park. Oder Schloss Pillnitz mit seiner kühn geschwungenen Treppe zur Elbe, an der einst die Lustschiffe August des Starken anlegten. Pillnitz ist nur wenige Straßenbahnstationen von Dresden entfernt.

Der sinnenfrohe Kurfürst August hat die ganze Region geprägt. Ein Bonvivant war er, der Porzellan aus China importierte und im Jahr 1710 die Porzellan-Manufaktur in Meissen gründete. Diese kleine Stadt hat sich zu einem Schmuckstück entwickelt. Im Sommer sitzt man in Gartencafés am Elbhang und genießt den Blick. Wer sich für Geschichte interessiert, sieht sich auch Burg Stolpen an. Hierher verbannte August seine Geliebte, Gräfin Anna Constantia von Cosel – weil sie ihm zu selbstbewusst geworden war. Gelegentlich ist eben sogar der freundlichste Sachse ein Schlitzohr, aber ein verschlafenes. Er entscheidet sich stets zu zeitig für die falsche Seite und zu spät für die richtige. Bei der Waldschlösschenbrücke ist man erst munter geworden, als die Entscheidung schon gefallen war. Nun wird sie gebaut – und der Status der Elbtalauen als Weltkulturerbe ist verloren. Schade!

Dresden riecht für mich nach Heimat – und schmeckt auch so. Das Aroma von sächsischer Kartoffelsuppe legt sich auf die Zunge und macht süchtig. Genau wie das der sächsischen Eierschecke – gesprochen "Schägge". Übrigens ein Kuchen. Ich würde mir auch nie meinen Dialekt abtrainieren. Eher schreibe ich ein Wörterbuch "Sächsisch for you" mit Übersetzungen, etwa für Bläddbrädd (Bügelbrett) oder Hitsche (Fußbank). Und wenn der Sachse "Nu" sagt, ist das keine Frage, sondern eine freundliche Bestätigung. Frage: "Hätten Sie noch ein Zimmer frei?" Antwort: "Nu!"

Reisetipps für Dresden

Grünes Gewölbe
Die Schatzkammer August des Starken ist in das Dresdner Schloss zurückgekehrt. Zu sehen sind Schmuck, Spiegel, Uhren und Skulpturen von unschätzbarem Wert.
Pfunds Molkerei
Käsespezialitäten und Wein im Ambiente aus dem 19. Jh. Trinkmilchhalle und Café-Restaurant. Bautzner Str. 79, Straßenbahnlinie 11.
Sachsenmarkt
Ost-Pprodukte vom Spitzen-BH bis zur Spreewaldgurke. Freitag 8 bis 17 Uhr, Lingnerallee.
Semperoper
Der Prachtbau des Architekten Gottfried Semper ist schon allein eine Reise wert.

Autor: Wolfgang Stumph